Vor Ort – Hadrianswall

Vor rund 10 Jahren habe ich auf dem Weg nach Schottland ein paar Tage am Hadrianswall Station gemacht. Neben den zahlreichen historischen Überresten und Museen, kann man hier im Norden von Northumberland auch die wunderschöne Landschaft bestaunen.

Geschichtlicher Hintergrund

Als am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. die römische Expansion langsam zum Stillstand kam, wurden nach und nach die Grenzen des Imperiums stärker gesichert. Dazu zählte auch die Nordwest-Region des damaligen Britanniens. Die erste römische Armee hatte Britannien 55 v. Chr. unter dem Kommando von Julius Caesar betreten, aber erst rund 100 Jahre später, unter dem Kaiser Claudius, begann eine großangelegte Invasion der Insel. Wiederum 40 Jahre später besiegten die Römer die Kaledoniern in der Schlacht bei Mons Graupius und die Eroberung schien abgeschlossen. Auf Grund des bevorstehenden Winters mussten die Römer die Kampagne gegen die nördlichen Stämme jedoch abbrechen und sich in Ihre Winterquartiere im Süden zurückziehen. Für einige Zeit wurde es still an der Grenze und einige Legionen wurden an die Donau verlegt. Auf einer Inspektionsreise im Jahr 120 n. Chr. beschloss dann Kaiser Hadrian den Bau des nach ihm benannten Walles.

Die Grenzanlage hatte eine Länge von 117 Kilometern und verlief von der Mündung des Flusses Tyne im Osten, bis Bowness am Solway Firth im Westen. Teile waren zunächst aus Torfziegeln errichtet, am Ende bestand die komplette Mauer aus behauenen Kalksteinen. Im Abstand von einer römischen Meile gab es Tore in der Mauer, die durch eine kleine Festung, dem sogenannten Meilenkastell, gesichert wurden. Zusätzlich gab es zwischen den Meilenkastellen je 2 Türme, um eine lückenlose Überwachung der Grenze zu gewährleisten. Vor der Mauer verliefen ein 3 Meter tiefer V-förmiger Graben und ein Wall. An einige Stellen thronte die Mauer am Rand von Steilhängen, hier brauchet dann natürlich kein vorgelagerter Graben und Wall angelegt werden.  Es zeigte sich bald, dass starke militärische Kräfte ständig an der Mauer benötigt wurden und so errichtete man insgesamt 17 große Lager am und in der Nähe des Walles. Eine Straße auf der Südseite der Mauer verband die vielen Militärposten miteinander und ein weiter Graben mit einem Doppelwall sicherte den militärischen Bereich auf der Rückseite. Gebaut wurde die gesamte Verteidigungsanlage von römischen Legionären. Die spätere Garnison wurde aber von Hilfstruppen gestellt.

Besichtigungstour

Leider ist der Wall nicht mehr in seiner vollen Länge erhalten, aber über weite Strecken kann man auch jetzt noch seine Überreste bewundern. Wem diese Thematik liegt, kann hier schon einen einwöchigen Urlaub verbringen, denn so viel Zeit würde man ungefähr benötigen, um die zahllosen Überreste der Mauer, die vielen Kastelle, Lager und Museen zu besichtigen. Insgesamt warten auf den interessierten Besucher, neben der Mauer selbst, 24 verschiedenen „Attraktionen“. Ich habe mir immerhin zwei Tage gegönnt und drei Museen, zwei Kastelle, und zwei Lager besucht. Natürlich bin ich auch an lang der Mauer gewandert.

Die wichtigsten Daten zum Hadrianswall

  • Länge: 117 Kilometer
  • Wachtürme: 156
  • Meilenkastelle: 79
  • Lager: 17
  • Garnisonsstärke: 12.000
  • Breite: 2 – 3 Meter
  • Höhe: 4,40 Meter
  • Bauzeit: 7 Jahre

Insgesamt gibt es neben dem Wall mit seinen Kastellen und Türmen noch 16 Museen zu besichtigen. In einigen findet man auch Rekonstruktionen von Wachtürmen, Toren, Badehäusern und kleinen Tempeln. Man sollte sich vor dem Besuch auch jeden Fall nach eventuellen Veranstaltungen erkundigen, die regelmäßig in einem der Museen stattfinden.

Wer kein eigenes Auto vor Ort hat, kann den Wall auch gut mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Es gibt einen Shuttle-Bus an lang der gesamte Strecke, der auch (in begrenzter Anzahl) Fahrräder mitnehmen kann.

Chesters Roman Fort

Etwas näher will ich auf das Römerlager von Chester eingehen, dass zwar nicht ganz so spektakulär wie Housesteads ist, aber die Anlage ist recht überschaubar und beispielhaft für ein Lager aus dieser Zeit.

Bei den Ruinen von Chester handelt es sich um ein ehemaliges Lager für eine ala römischer Auxiliar-Kavallerie, der ala Augusta ob virtutm appellata. Das Lager lag in einem Tal, durch das sich der Fluss Tyne windet. Die Römer bauten das Lager direkt in den Hadrianwall. Dadurch liegt die nördliche Hälfte in Feindesland. Westlich vom Lager stieß der Wall an den Fluss Tyne und wurde dort mit Hilfe einer Brücke überquert. Gleich vor der Brücke lag das Badehaus, also außerhalb der Lagermauern. Vermutlich hat sich im Laufe der Zeit auch eine kleine Siedlung vor den Toren des Lagers entwickelt.

Die Lagermauer hatte vier große Doppeltore, von denen drei nördlich des Hadrianwalls lagen. Neben den je zwei Türmen der Tore gab es noch 10 weitere Wachtürme und  zwei weitere kleine Tore an der West- und Ostseite in der Südhälfte der Festung. Im Zentrum stand wie üblich das Hauptquartier (principa). Gleich daneben befand sich das Gebäude des Kommandanten. Die Grundmauer dieser Gebäude, sowie die eines Barackenblocks sind bereits freigelegt worden. Am besten erhalten ist allerdings das Badehaus am Flussufer. Überquert man den Fluss, so findet man auf der anderen Uferseite die Reste eines Wachturmes und eine steinerne Bootsanlegestelle. An dieser Stelle befand sich einst auch die Brücke, die den Tyne überspannte. Sie hatte steinerne Brückenpfeiler, der Rest war vermutlich eine Holzkonstruktion. Neben dem obligatorischen Visitor-Center gibt es noch ein kleines Museum, in dem die Familie Clayton in über 80 Jahren eine beachtliche Anzahl römischer Fundstücke zusammengetragen hat.

Roman Army Museum

Sehenswert ist auch das Carvoran Roman Army Museum. Hier werden eine ganze Reihe von Fundstücken und Repliken ausgestellt. Es werden Filme über den Hadrianwall und die römische Armee gezeigt und in einer Audi-Tour kann man das harte Leben eines Legionärs verfolgen. Die Fotos sind unter Einsatz meines Lebens geschossen worden, denn fotografieren war strengstens verboten (was tut man nicht alles für sein Hobby)!

Die Macher des doch sehr improvisierten Museums sind mitlerweile einen großen Schritt weiter gegangen. Auf der neuen Homepage sieht man ein völlig neues Museum. Es sollen einige Millionen Pfund investiert worden sein. Der neue 3D Trailer sieht schon sehr vielversprechend aus:

Weitere Highlights

Die Rekonstruktion des Forts und Militärlagers Vindolanda (Connolly). Hier gibt es ein neues Museum und einige rekonstruierte Gebäude, zu denen auch ein Turm und Mauerstück zählen.

Die Rekonstruktion des Militärlagers Housesteats (Connolly), der bisher größten freigelegten Anlage am Hadrianswall. Von hier aus, kann man auch eine schöne Wanderung an lang der Mauer unternehmen.

Bücher

Zum Thema Hadrianswall gibt es natürlich eine große Auswahl an Büchern. Wer es gern visuell mag, dem kann ich das Bücher The Roman Fort von Peter Connolly und Hadrians Wall in the days of the Romans von R. Embleton/ F. Graham empfehlen. Beides sind erstklassige Bücher mit vielen tollen Abbildungen und Zeichnungen. Zur Schlacht am Mons Graupius empfehle ich das Buch Scottish Battles von John Sadler, dass man sich eh als erste Orientierungshilfe zur schottischen Militärgeschichte zulegen sollte. Hier werden alle Schlachten und ihre Hintergründe von Mons Graupius bis Culloden behandelt. Auch Osprey Publishing hat sich des Themas angenommen und die Titel Mons Graupius, im Rahmen der Campaign Reihe, und Hadrian’s Wall AD 122–410 aus Fortress Reihe aufgelegt.

               

Internet – Links

8 Kommentare zu “Vor Ort – Hadrianswall”

  1. Vielen Dank für den aufschlussreichen Bericht. Ich bin seit Jahren versucht, mal dorthin zu fahren. Aber selbst Rucksacktouren sind dort leider nicht ganz billig.

    Allein das Lager von Chester ist schon sehr interessant – man fragt sich da schon, ob die Mauer die einen draußen oder die anderen drinnen halten sollte. 😉 Der Trailer aus dem Roman Army Museum macht auch ordentlich was her. Für so was wünscht man sich auch hierzulande die Gelder, den Willen nicht zu vergessen.

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    1. Ja, leider ist das Reisen in Großbritannien sehr teuer und meist fliegt man direkt nach Schottland oder nach Südengland, da bleiben Regionen wie Northumberland oft am Rande liegen. …und schön, dass dir der Bericht gefällt!!!

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  2. Hallo
    ein grossartiger Beitrag, gerade erst entdeckt, Gratulation! Aus welchem Buch stammt denn die zweite Zeichnung von oben? Dem Stil nach ja offenbar auch von Peter Connolly, aber in dem Buch „The Roman Fort“ war sie nicht zu finden. Können Sie sich daran erinnern?

    Danke im Voraus, viele Grüsse

    Christian Hirth

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    1. Super, danke sehr, „The Roman Fort“ habe ich nämlich schon selbst, aber dieses eine Bild hatte ich nicht gekannt … Danke vielmals, eine schöne Woche wünsche ich

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