Somebody who was there! – Im Sudan

Bücher, die einen guten Überblick der Ereignisse des Mahdi-Aufstandes im Osten des Sudans geben, gibt es reichlich. Neuere Werke wie Go strong into the Dessert und Blood-Red Dessert Sand oder auch Klassiker wie das monumentale 6-bändige Werk Cassell’s History of War in the Soudan seien hier genannt. Interessant und aufschlussreich sind aber vor allem die Augenzeugenberichte. In diesem Zusammenhang wurde oft der Satz „somebody who was there“ verwendet. Zu diesen Personen, die selbst dabei waren, zählen nicht nur die Militärs, sondern auch Forscher, Kaufleute oder Zeitungskorrespondenten. Die Kampagnen im Ostsudan von 1883 bis 1885 werden nahezu lückenlos in verschiedenen Werken geschildert und diese bieten einen faszinierenden Einblick in die Ereignisse dieser Zeit.

Mrs. Satorius (links auf dem Kamel) mit ihrer Stieftochter (rechts auf dem Kamel)

Three Months in the Soudan (1883-1884) – Sartorius, Ernstine

Ernstine Sartorius war die Ehefrau des Colonel Sartorius, welche die 1. Division der Ägyptischen Hilfstruppe unter der Führung Baker Paschas kommandierte. Sie kam im Dezember 1883 mit ihrem Mann nach Suakin und beschreibt sehr genau die Ereignisse des Feldzuges und das Leben in der Stadt. Ihr Bericht enthält sehr viele Details und erwähnt alle Ereignisse und Aspekte der Kampagne unter Baker Pasha und ist damit die wichtigste Quelle für die ersten Wochen des Konflikts.

Mrs. Sarorius mit ihrer Stieftochter bei einem Ausflug in die Wüste

Dessert Warfare / Being the chronicle of the Eastern Soudan Campaign (1883-1884)    – Burleigh, Bennet

Der Bericht von Bennet Burleigh, dem damaligen Korrespondenten des London Daily Telegraph,  ist sehr gut strukturiert und durch sehr viele offizielle Schreiben und Mitteilungen ergänzt. Gerade in Bezug auf die Kämpfe von 1884 bei El Teb und Tamai werden keine Lücken gelassen. Den Schluss des Buches bilden außerdem noch die komplett abgedruckten Kriegsberichte des Generals Grahams und eine Liste der vergeben Auszeichnungen.

Bennet Burleigh

Suakin, 1885 : being a sketch of the campaign of this year (1885) – Parry, Ernest Gambier

Ernest Gambier Parrys Buch (erstmals unter dem Titel „ An officier who was there“ erschienen) über die Ereignisse der Kampagne von 1885, ist ein exzellenter Bericht mit ein Fülle wichtige Informationen, verpackt in einen unterhaltsamen Schreibstil. Gambier diente in dieser Zeit als Special Service Offizier und war unter anderem für die Trinkwasserversorgung verantwortlich. Nach seinem Dienst in Suakin beförderte man ihn zum Major. In seinem weiteren Leben wurde er ein bekannter Schriftsteller und Künstler.

Fighting the Fuzzy-Wuzzy (1885) (Days and Nights of Service with Sir Gerald Graham’s Field Force at Suakin) – Emilius Albert de Cosson.

Dieses Buch weist sehr starke Parallelen mit den schon besprochenen Aufzeichnungen von E.G. Parry (Suakin, 1885) auf. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da diese beiden Offiziere zur selben Zeit und in derselben Einheit (Commissariat and Transport) ihren Dienst verrichten. Bei Captain de Cosson wird Parry sogar mehrfach erwähnt. Interessant wird dieses Buch vor allem im letzten Drittel, in den die Ereignisse ergänzt werden, die Parry aufgrund seiner Krankheit nicht beschreiben konnte.

Campaigns of a war correspondent (1883-1884) – Prior, Melton

Der Bericht von Melton Prior hat mich persönlich etwas enttäuscht. Sehr knapp beschreibt er die Ereignisse. Seine Schilderungen sind ohne viel Tiefe und haben nicht die Begeisterung, wie man sie in anderen Werken finden kann. Man merkt, dass es für Prior halt nur ein Kriegsschauplatz von vielen ist.

My service days: India, Afghanistan, Suakin ’85, and China (1885) – Stewart, Norman Robert.

In diesem Buch findet sich ebenfalls ein Bericht über die Kampagne von 1885. Der Autor ist ein Offizier, der mit dem indischen Kontingent in den Sudan verlegt wird. Sein Bericht ist leider nicht sehr ausführlich und beschränkt sich im Wesentlichen auf die Kämpfe und Gefechte vor Ort.

Life, letters and diaries of Lieut.-General Sir Gerald Graham with portraits, plans and his principal despatches (1884-1885) – Vetch, Robert Hamilton.

Dieses Buch enthält die Biografie von Sir Gerald Graham und im Anhang befinden sich seine Kriegsberichte, die viele nützliche Daten, Zahlen und Fakten enthalten. Diese Berichte finden sich allerdings ebenfalls in dem schon erwähnten Buch von Bennet Burleigh.

Das Haus von Wylde in Suakin

83 to ’87 in the Soudan: With an Account of Sir William Hewett’s Mission to King John of Abyssinia (1888) / Band 1 und 2  – Wylde, Augustus Blandy

Diese beiden Bücher von Wylde bieten wieder eine völlig andere Sicht auf die damaligen Ereignisse. Augustus Blandy Wylde war einer der wenigen europäischen Geschäftsleute, die zum Zeitpunkt der Mahdiya in Suakin lebten. Er hatte dadurch auch Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und war mit ihrer Kultur vertraut. Er wurde zu Beginn des Aufstands zunächst nach Abessinien gesandt, um dort eine Diplomatische Mission zu erfüllen. Nach seiner Rückkehr nimmt er aktiv an den Kampfhandlungen teil und erlebt die Schlacht von Tamai. Er kommentiert und kritisiert vor allem die Britischen Aktivitäten im Jahr 1885, gibt aber auch einen Einblick auf die folgenden Jahre. Interessant sind auch seine Reisen in die Gegenden nördlich von Suakin und der Bericht über den noch immer regen Sklavenhandel.

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