Camel Corps 1884-85 – IM SUDAN

Zweck

Nach einigen erfolglosen Versuchen, die Aufstände im Sudan durch Ägyptische Truppen unter Kontrolle zu bringen und nachdem sich langsam abzeichnete, dass der neu eingesetzte Gouverneur General Gordon die Lage in und um Karthoum nicht unter Kontrolle bringen konnte, wurde von der britischen Regierung beschlossen, das neben der sogenannten River Column auch eine schnelle Eingreiftruppe für den Landweg benötigt wurde, um die mittlerweile belagerte und von der Außenwelt abgeschnittene Stadt Karthoum zu erreichen.

CamelCorps 00

Man  entwickelte daraufhin die Struktur für die Desert Column, deren Hauptbestandteil ein Camel Corps sein sollte. Dieses Camel Corps sollte je zur Hälfte aus Kavallerie und Infanterie bestehen.

Organisation

Das erste Kontingent des Camel Corps, das Mounted Infantry Regiment wurde in Dongola aufgestellt und aus dem Royal Sussex Regiment und einem Teil der dort stationierten berittenen Infanterie Einheiten gebildet. Alle weiteren Teile des Mounted Infantry Regiments rekrutieren sich aus Freiwilligen der Infanterie-Regimenter, die sich bereits in Ägypter befanden.

Die Männer der anderen Camel Corps Einheiten waren Freiwillige einiger ausgewählte Garde–Infanterie, Garde-Kavallerie, sowie verschiedener Kavallerie Regimenter. Die Freiwilligen sollten nicht jünger als 21, gute Schützen, körperlich fit und von tadellosem Charakter sein. Jedes der ausgewählten Regimenter hatte ein Kontingent von 2 Offizieren, 2 Sergeanten, 2 Korporalen, 1 Hornisten oder Trompeter, sowie 38 einfachen Soldaten zu stellen. Es ging eine Flut von freiwilligen Meldungen ein. Als beispielsweise der Aufruf beim 3. Grenadier Guards durch Colonel Phillips verkündet wurde, meldeten sich nicht weniger als 500 Männer! Die Freiwilligen begannen ihre Reise im Hafen von Portsmouth, wo sie die Schiffe Deccan und Australia in Richtung Ägypten bestiegen. Am 7. Oktober 1884 trafen die ersten Soldaten aus England in Alexandria ein. Am 26. Oktober 1884 wurden die Männer des Camel Coprs offiziell in 4 Regimenter unterteilt. Die Gesamtstärke des Corps betrug 94 Offiziere und 1.700 Unteroffiziere und Mannschaften.

Heavy Camel Regiment

24 Offiziere / 430 Unteroffiziere und Mannschaften

Stab

  • Lieut.-Col. Hon. R. Talbot, 1. Life Guards, Kommandeur
  • Captain Lord St. Vincent, 16th Lancers, Adjutant
  • Surgeon J.J. Falvey, AMD., Wundarzt
  • Lieut. G. Leigh, 1. Life Guards, Stellv. Quartiermeister
Stamm-Einheit Kommandierender Offizier 2. Offizier Unteroffz./ Trompeter Mannsch.
         

1. Life Guards

Major Hon C. Byng Lieut. Lord Rodney

5

38

2. Life Guards

Captain Lord Cochrane Lieut. R.J. Beech

5

38

Royal Horse Guards

Major Lord A. Somerst Lieut. Lord Binning

5

38

2. Dragoon Guards

Captain A.L. Gould Lieut. R.F. Hibbert

5

38

4. Dragoon Guards

Captain J.W. Darley Lieut. C.W. Law

5

38

5. Dragoon Guards

Major W.H. Atherton Lieut. St. J. Gore

5

38

1. Dragoons

Major W. Gough Lieut. J.F. Burn-Murdoch

5

38

2. Dragoons

Captain W.H. Hippisley Lieut. R. Wolfe

5

38

5. Lancers

Major L. Carmichael Lieut. H. Costello

5

38

16. Lancers

Major T. Davison Lieut. W.B. Browne

5

38

Guards Camel Regiment

23 Offiziere / 403 Unteroffiziere und Mannschaften

Stab

  • Lieut.-Col. E.E. Boscawen, Coldstream Gurads, Kommandeur
  • Lieut. C. Crutchley, Scots Guards, Adjutant
  • Captain E.M. Crabbe, Grenadier Guards, Stellv. Quartiermeister
  • Surgeon J. Maghill, Coldstream Guards, Wundarzt
  • Lieut.-Col. H. Bonham, Grenadier Guards, Erster Signal Offizier
Stamm-Einheit Kommandierender Offizier 2. Offizier Unteroffz./ Trompeter Mannsch.
1. / Grenadier Guards Lieut.-Col. C.R. Rowley Lieut. Count A.E. Gleichen

5

38

2. / Grenadier Guards Lieut.-Col. I.C. Herbert Lieut. D’Aguilar

5

38

3. / Grenadier Guards Captain E.M. Crabbe Lieut. Wolrige-Gordon

5

38

1. / Coldstream Guards Lieut. V.J. Dawson Lieut. Hon. H. Amherst

5

38

2. / Coldstream Guards Lieut.-Col- F. Graves Sawle Lieut. D. Dawson

5

38

1. Scots Guards Lt.-Col. Sir W. Gordon-Cumming Lieut. B. Baden-Powell

5

38

2. Scots Guards Lieut.-Col. M. Willson Lieut. A. Drummond

5

38

Royal Marines Major W.H. Poe /Captain A.C. Pearson Lieut. C.V. Townshend / Lieut. H.N. White

5

38

Light Camel Regiment

21 Offiziere / 397 Mannschaften

Stab

  • Colonel Stanley Clarke, h.p., Kommandeur
  • Captain H. Paget, 7. Hussars, Adjutant und Quartiermeister
  • Surgeon P.B. Connolly, A.M.D., Wundarzt
Stamm-Einheit Kommandierender Offizier 2. Offizier Unteroffiz./ Trompeter Mannsch.
         

3. Hussars

Major C.E. Beckett Lieut. J.S. Scott

5

38

4. Hussars

Captain C.W. Peters Lieut. R. Kincaid-Smith

5

38

7. Hussars

Lieut.-Col. H. McCalmont Lieut. Hon. R. Lawley

5

38

10. Hussars

Lieut.-Col. J.P. Brabazon Lieut. Hon. G. Brynn

5

38

11. Hussars

Major C.E. Swaine Lieut. W. Harrison

5

38

15. Hussars

Captain A.G. Holland Lieut. P.K. Coke

5

38

18. Hussars

Major C.O. Gould Lieut. E.G. Knox

5

38

20. Hussars

Captain E.R. Courtenay Lieut. R.M. Richardson

5

38

21. Hussars

Major W.G.C. Wyndham Lieut. J. Fowle

5

38

Mounted Infantry Camel Regiment

26 Offiziere / 480 Mannschaften

Stab

  • Major Hon. G.H. Gough, 14. Hussars, Kommandeur
  • Captain J.H. Sewell, Norfolk Regiment (9th), Adjutant
  • Lieut. R.A. Grant, Gordon Highlander, Stellv. Quartiermeister
  • Major C.T. Barrow, Scottish Rifles
  • Captain T.H. Phipps, 7. Hussars
Stamm-Einheit Offizier Unteroffz./ Trompeter Mannsch.
Kompanie A / Captain C.H. Payne, Gordon Highlanders, Kommandeur
South Staffordshire Regiment (38th / 80th) Lieut. C.O. Hore

5

25

Black Watch (42nd / 73rd) Lieut. C.P. Livingstone

5

25

Gordon Highlanders (75th / 92th) Lieut. H.K. Steward

5

25

King’s Royale Rifle Corps (60th) P.S. Marling , V.C. / R.L. Bower

5

25

Kompanie B / Captain A.H. Walsh, Sommerset Light Infantry, Kommandeur
West Kent Regiment (50th / 97th) Captain A.T. Morse

5

25

Sussex Regiment (35th / 107th) Lieut. F.G. Todd Thornton

5

25

Essex Regiment (44th / 56th) Lieut. R.J. Tudway

5

25

Duke of Cornwall’s Light Infantry (32nd / 56th) Lieut. C.G. Martyr

5

25

Kompanie C / Captain R.S. Fetherstonehaugh, K.R.R.C., Kommandeur
King’s Royale Rifle Corps (60th) Lieut. A.E. Miles

5

25

King’s Royale Rifle Corps (60th) Lieut. W.P. Champbell

5

25

Rifle Brigade Lieut. Hon. H.C. Hardinge

5

25

Rifle Brigade Lieut. W.M. Sherston

5

25

Kompanie D / Captain C. B. Pigott, 21. Hussars, Kommandeur
Sommerset Light Infantry (13th) Lieut. T. Snow

5

25

West Kent Regiment (50th 7 97th) Lieut. E.A. Alderson

5

25

Connaught Rangers ((88th / 94th) Lieut. C.J. Carden

5

25

Royal Scots Fusiliers (21th) Lieut. H.S. Stanuell

5

25

Uniform und Ausrüstung

Uniform

Zunächst waren die Männer, die aus England in Ägypten eintrafen, noch in rote Serge Frocks gekleidet. Die typischen grauen Uniformjacken der frühen Sudan-Kampagne erhielten die Soldaten erst, als der Marschbefehl von Kairo nach Süden ausgegeben wurde. Die einzelnen Einheiten der kämpfenden Truppe des Camel Corps erhielten mehr oder weniger die gleiche Uniform und Ausrüstung. Die Uniformjacke bestand aus hellgrauem Serge Stoff, einreihig, mit 5 Messingknöpfen und ohne Taschen. Es gibt auch zwei Aquarelle von William Perry, die Männer in einer Khaki-Uniformjacke zeigen. Leider ist nicht bekannt, welche Einheit hier dargestellt sein soll. Zur Uniformjacke wurde eine Reithose aus gelb-ockerfarbenen Bedford Cord mit verstärkten Innenseiten getragen. Hinzu kamen dunkelbaue Wickelgamaschen und braune Lederhalbschuhe. Die Kopfbedeckung war der abgedunkelte Forgein-Service-Helmet mit Pugaree, nur die Männer der RMLI verwendeten geweißte Helme. Die Offiziere hatte wie üblich individuell gefertigte Uniformröcke im Norfolk Stil oder mit aufgesetzten Brust- und Seitentaschen. Die Offiziere des Gards Camel Regiments hatten eine Pugaree der rot und weiß gewickelt war, so dass ein Streifenmuster entstand. Zu den Reithosen trugen die Offiziere meist braune Reitstiefel, einige wenige verwendeten auch die Wickelgamaschen.

Um die Regimentszugehörigkeit zumindest inoffiziell zu wahren, hefteten die Männer des Mounted Infantry Regiments die Schulterklappen ihrer roten Uniformen an die Seiten der Helme. Die Offiziere der MI trugen den inneren Teil des Messing-Regimentsabzeichens seitlich am Helm. Die Soldaten des HCR und GCR schnitten aus alten roten Serge Uniformen Buchstaben und Zahlen und nähten diese als Regimentsabzeichen auf den rechten Ärmel ihrer Uniformjacke. So wurden beispielsweise die Buchstaben RHG für Royal Horse Guards, 5L für die 5th Lancers oder 1GG für die 1st Grenadier Guards verwendet. Die Soldaten der 16. Lancers nähten sich ein rotes Abzeichen in Form zwei gekreuzter Lanzen an den Ärmel. Einige verwendeten auch die roten Schulterklappen zusammen mit den grauen Uniformjacken und bespannte die Ventilationsöffnung des Helmes mit rotem Stoff. Alle Soldaten wurden für die Wüste mit einem leichten blauen Seemanns-Pullover ausgestattet. Dieser Pullover sollte gegen die Nachtkälte der Wüste schützen.

Am Ende der Kampagne war die Bekleidung der Soldaten vielfach abgetragen und zerschlissen. Auf dem Rückweg nach Gakdul trugen einige schwarze Serge Hosen und die Kleidung vieler Männer war mit Flicken bedeckt, die aus den roten Satteldecken oder aus Sackleinen gefertigt waren. Die meisten Stiefel und Schuhe waren durchgelaufen und oft durch Arabische Sandalen ersetzt worden. Vermutlich wurde in Dongola die neue Khaki Uniform an Teile der Desert Column ausgegeben.

Ausrüstung am Mann

Das Lederzeug war braun. Getragen wurde jedoch nicht das Koppeltragegestell, sondern nur das Leibkoppel mit S-Hakenverschluss und einer Patronentasche für 20 Schuss auf der rechten Seite. Die Männer wurden jedoch zusätzlich mit dem P1882 MI Bandelier ausgerüstet. Dieser braune Patronengurt aus Leder konnte 50 Schuss Munition aufnehmen. Er besaß vier Taschen, die je 10 Patronen und 2 Taschen, welche je 5 Patronen fassen konnten. Die Munition wurde in Lederschlaufen gesteckt und mit einer Klappe gesichert. Das Bandelier wurde über der linken Schulter getragen. Es kam jedoch immer wieder vor, das Patronen aus den Schlaufen rutschten oder herausfielen. Vor dem Gefecht wurde der Gurt deshalb immer überprüft und die fehlende Munition ersetzt. Die Männer der Royal Marine Light Infantry bildeten eine Ausnahme, sie verwendeten das geweißte P1870 Koppeltragestell. Die Offiziere verwendeten den üblichen Sam Brown Belt aus braunem Leder mit Pistolentasche. Zusätzlich wurden an die Offiziere ein paar braune Stulpenlederhandschuhe ausgegeben.

Neben dem üblichen hölzernen Wasserflasche P1873 Mk I und dem weißen Proviantbeutel P1882 Mk V, gab es einen grünen Insektenschleier, der häufig als Rolle um den Helm gewickelt wurde, sowie eine Sonnenbrille mit geschwärzten Gläsern und einer Einfassung aus braunem Leder. Im Gepäck waren Unterhosen, Cholera-Gürtel, die Bibel, Nähzeug, Sporen, ein Paar Ersatzschuhe, Hemden, Socken, Glengarry und weitere persönliche Ausrüstung verstaut.

Bewaffnet waren die Männer mit dem Martini-Henry Gewehr, dass eine längeren Schulterriemen erhielt, damit das Gewehr bei Bedarf auch auf dem Rücken getragen werden konnte. Zusätzlich wurden die Soldaten mit einem Gewehrfutteral, dem sogenannten Namaqua, ausgerüstet, dass am hinteren Sattelknauf  befestigten wurde. Es hatte eine Tiefe von 24 inch. Die Waffe wurde mit dem Kolben nach unten in das Futteral gesteckt und die Mündung durch eine Lederklappe geschützt. Zusammen mit dem Martini-Henry wurde das das P1860 Schwert-Bajonett verwendet, das in einer Messingverstärkten braunen Lederscheide am Leibkoppel hing.

Hier eine Auflistung der am Körper getragenen Ausrüstung:

  • Graue Serge Uniformjacke, einreihig mit 5 Messingknöpfen.
  • Reithosen in Gelb-Ocker aus Bedford Cord, mit verstärkten Innenseiten.
  • Dunkelblaue Wickelgamaschen.
  • Braune Lederhalbschuhe
  • Graues Flanellhemd / Unterwäsche / Socken
  • 1 Paar Hosenträger
  • Braune Stulpen-Lederhandschuhe für Offiziere
  • Weißer Kork-Helm mit Pagri, innen grün gestrichen
  • Sonnenbrille, mit geschwärzten Gläsern und einer Einfassung aus braunem Leder.
  • Ein grüner Insektenschleier, der häufig als Rolle um den Helm gewickelt wurde.
  • Patronengurt aus braunem Leder / P1882 MI Bandelier
  • Brauner Lederkoppel mit Messing S-Hakenverschluss
  • Brauen Kugeltasche für 20 Patronen
  • Hölzerne Wasserflasche mit braunem Ledertragereimen  / P1873 Mk I
  • Weißer Proviantbeutel / P1882 Mk V
  • Martini-Henry Gewehr .450 cal. Mark II
  • „Yataghan“ Schwertbajonett (P1860) in brauner, mit Messing verstänkerter Lederscheide

Die Trompeter der Einheiten, die aus Kavallerie-Regimentern stammten, verwendeten sowohl das Horn, als auch die Trompete und führten beide Instrumente am Mann. Das Horn wurde im Feld eingesetzt, da sein Ton weittragender war, als der der Trompete. Die Fangschnur der Royal Regimenter bestand aus einer blau-rot-gelb gedrehte Kordel mit 2 Quasten, die übrigen Einheiten hatten eine grüne Schnur.

Ausrüstung am Kamel mitgeführt

Es gab zwei Arten von Sätteln, das sogenannte „Messerbank“-Modell und das Modell der Mounted Infantry. Die Unteroffiziere und Mannschaften des Camel Corps erhielten den ersteren, die Offiziere den letzteren. Das „Messerbank“-Modell bestand aus 2 Holzrahmen, durch diagonale Streben verstärkt, die an den oberen Enden so zusammengebunden waren, dass zwischen den Rahmen ein Winkel von 60 Grad entstand. Das Modell der Mounted Infantry war ganz ähnlich konstruiert, nur stabiler und schwerer und hatte darüber hinaus einen birnenförmigen Sattel aus einem Metallband. Die Unterseite der Sättel war gepolstert und passte sich so besser den unterschiedlichen Höckern der Kamele an.

Am Sattelgestell waren die weißen Gurte zum festschnallen des Sattels und die Steigbügel befestigt. An den Seiten waren Satteltaschen, sogenannte zuleetahs, aus Segeltuch und rotem Leder abgebracht. Darunter befand sich auf der eine Seite eine gerollte Decke und eine wasserfeste Plane, auf der anderen Seite ein kleines 2-Mann Zelt (jeder 2. Mann). Am hinteren Sattelknauf hing der Namaqua, ein Gewehrholster, der mit einem Riemen gesichert war, der unter dem Bauch des Tieres verlief. Ebenfalls am hinteren Sattelknauf hing ein lederner Wasserschlauch, gerbah, genannt. Eine Lederklappe konnte unter den Wasserschlauch geschoben werden, um in vor der Hinterhand des Tieres zu trennen oder über den Schlauch geschlagen werden, um ihn vor der Sonne zu schützen. Zusätzlich zum Wasserschlauch gab es noch eine Wasserflasche aus steifem Leder, die mussek genannt wurde und das Wasser relativ kühl hielt, jedoch stark leckte. Für das Commissariat and Transport Corps war es äußert schwierig die gewünschten Mengen an guten Wasserschläuchen aufzutreiben. Man hatte erwartet, die benötigte Anzahl vor Ort auf den Märkten erwerben zu können. Es zeigte sich jedoch, dass dieser Artikel hier kein Handelsgut war und so mussten mühsam Privatbestände der Einheimischen zu überhöhten Preisen aufgekauft werden. Viele verloren Wasser schneller, als man es einfüllen konnte oder es verdunsteten große Mengen während des Transportes. Am vorderen Sattelknauf hing das Futter für die Kamele, eine 3-Tagesration in Form eines Sacks mit 30 Pfund Getreide. Später wurden auch Netze mitgeführt die Gras und Sträucher als zusätzliches Futter enthielten. Über die Satteltaschen wurde eine Decke gelegt. Abschließend wurden der Sattel und die komplette Ausrüstung dann mit einer dicken, roten Ledersatteldecke geschützt.

Nachfolgend eine Auflistung der auf dem Kamel verstauten Ausrüstung:

  • Sattelgestell
  • Satteltaschen (zuleetahs)
  • Blauer Pullover
  • Glengarry
  • 1 Paar Ersatzschuhe
  • Sporen
  • Hemd
  • Unterwäsche
  • Socken
  • Nähzeug
  • Cholera-Gürtel
  • 100 Schuss Munition
  • 1 Tagesration Nahrung
  • ¾ Lederwasserflasche
  • 6 Gallonen Wasserschlauch /
  • 2 Personen Schutzzelt (jeder 2. Mann)
  • Mantel
  • Decke
  • Wasserfeste Plane
  • Sack mit Getreide

Kamele

Kamele wurde aus verschieden Gründen als Reit- und Lasttiere für die Desert Column ausgewählt. In erster Linie musste man natürlich dem zu erwartenden Wassermangel Rechnung tragen, aber auch die Fähigkeit der Tiere große Lasten zu tragen, war ein wichtiger Grund. Ein gut trainiertes Kamel kann auch über längere Strecken mit einem Gewicht von bis zu 200 Kg marschieren.

Eigenschaften der Tiere

Nachfolgend ein kleiner Exkurs über die besonderen Fähigkeiten und Anpassungen des Kamels in Bezug auf Wüstenregionen.

Ein Kamel kann ohne Schaden zu nehmen 3 bis 4 Tage ohne Wasser auskommen. Um dies zu erreichen, hat das Kamel im Laufe der seiner Evolution eine Vielzahl von speziellen Fähigkeiten und Eigenschaften entwickelt. Der Urin des Kamels ist hoch konzentriert. Durch die Urinausscheidung verliert das Kamel weniger als einen Liter Wasser / Tag und der Kot ist relativ trocken. Das Kamel kann bis zu 30 % seines Körpergewichts an Flüssigkeit verlieren, ohne dass die Funktion der inneren Organe in Mitleidenschaft gezogen wird. Wasser wird in diesem Fall vor allem dem Zellgewebe, nicht dem Blut entzogen. Das Volumen des Blutes bleibt auch bei stark ausgetrocknetem Körper fast konstant. In diesem Zustand kann ein Kamel den Flüssigkeitsverlust relativ rasch wieder ersetzen, ohne Schaden zu nehmen. Die sehr zahlreichen roten Blutkörperchen im Blut sind oval und nicht wie üblich rund, so können die Tiere ungewöhnlich viel Wasser in kurzer Zeit aufnehmen (ca. 200 Liter in 15 Minuten). Auf die wechselnden Temperaturen ihrer Umgebung reagiert der Körper des Kamels mit einer Anpassung seiner Körpertemperatur. Diese bewegt sich zwischen 34°C und 40 °C. Erst wenn die Körpertemperatur über diesen Punkt anzusteigen droht, fängt das Kamel an zu schwitzen. Die Nasenschleimhäute der Tiere sind so beschaffen, dass sie beim Ausatmen aus der ausströmenden Luft Feuchtigkeit aufnehmen, die sie beim Einatmen wieder an die Atemluft abgeben und so in die Lunge zurücktransportieren. Gut genährte Kamele legen sich eine Fettreserve im Höcker an. Von diesem Vorrat können sie bei Nahrungsmangel längere Zeit zehren. Dromedare speichern kein Fett unter der Haut, was die Wärmeabgabe des Körpers erleichtert. Die Kamele haben lange Augenwimpern und Nüstern, die geschlossen werden können. Dies verhindert, dass bei Sandstürmen allzu viel Sand in Augen und Atemwege eindringt. Ihr hoher Wuchs ermöglicht es ihnen, bei Sandtreiben in Bodennähe den Kopf über dem aufgewirbelten Sand zu halten. Durch ihren linsenförmigen Rumpf bieten sie außerdem der im Zenit stehenden Sonne wenig Fläche. Die hohen Beine verhinderten, dass die starke Bodenhitze den Körper erreicht. Die Zehen sind durch Polster verbunden. Dadurch wird das Körpergewicht beim Gehen auf Sand auf eine größere Fläche verteilt. Die Fußsohlen sind verhornt, ebenso wie die Knie und der 5. Fuß. Diese Bereiche sind dadurch nicht nur gegen Verletzungen geschützt, sondern auch weniger empfindlich gegen hohe Temperaturen des Bodens. Durch die gespaltene Oberlippe ist die Verletzungsgefahr beim Abrupfen von dornigem Akaziengestrüpp herabgesetzt, welches im Maul durch einen verstärkten Speichelfluss zum Schutze des weichen Mundinnenraumes aufgeweicht wird.

Das Kamel war allerdings nicht unverwüstlich. Nach langen Strapazen braucht das Tier sehr viel Zeit um wieder zu Kräften zu kommen. Das Tier bewegt sich auch noch vorwärts, wenn es völlig erschöpft ist. Es bricht dann plötzlich und ohne Vorwarnung tot zusammen. Da die Tiere im Laufe der Kampagne von 1884/85 kaum geschont wurden und viele der Kamele eine Strecke von insgesamt 1.220 Meilen zurücklegten, forderte diese Leistung auch ihren Tribut. Der größte Teil der Tiere überlebte die Strapazen nicht oder war am Ende kaum fähig noch einen weiteren Schritt zu tun. Durch die Sättel und das schwere Gepäck bekamen die Tiere zahllose Wundstellen und Löcher, die teilweise die Größe von Kokosnüssen hatten. Man hatte auch versäumt die Tiere in den Pausen ausreichend grasen zu lassen, wodurch ihre Leitungsfähig stark eingeschränkt wurde.

Umgang mit den Tieren

Die Kamele des Camel Corps kamen nicht nur aus Dongola, also der unmittelbaren Umgebung, sondern auch aus dem Nil-Delta, aus Aden und Kosseir, einige sogar aus Arabien. Die größten und kräftigsten Tiere wurden als Transport- und Lastkamele eingesetzt. Nachdem die restlichen Tiere medizinisch untersucht und aussortiert waren, wurden die besten Kamele der Truppe als Reittiere zur Verfügung gestellt.

Das Zaumzeug der Kamele war denkbar einfach. Es bestand aus schwarzem Leder, an dem ein7 Fußlanges Seil hing, dass mit einer kleinen Kette an der Unterseite des Kopfes befestigt war. Das Seil führte an der linke Seite des Kamelhalses vorbei zum Reiter. Über diese Seil, konnte dem Tier die Richtung oder die Geschwindigkeit vorgeben werden, mit der es bewegen sollte. Ein Ziehen nach links ließ das Kamel in diese Richtung gehen, ein Zug nach rechts, gegen den Hals des Tieres, ließ es sich nach rechts wenden. Zog man das Seil und somit auch den Kopf des Kamels zu sich heran, wurde das Kamel langsamer oder hielt ganz an. Ließ man dagegen das Seil locker und trieb das Kamel durch Stockhiebe auf den Hals zusätzlich an, so wurde das Kamel schneller, wobei es seinen Hals lang machte und seine Kopf nach vorne streckte. Das Kamel konnte im Galopp Geschwindigkeiten von bis zu 30 Kilometern pro Stunde erreichen. Schwer beladen, lag die normale Reisegeschwindigkeit aber eher bei 4 bis 6 Kilometern pro Stunde. Damit sich das Kamel zum Absteigen niederkniet, wird das Seil kurz gefasst und nach unten gezogen. Zusätzlich wurde jedes dieser Manöver mit eine Befehlswort oder Laut unterstützt. Unwillige und störrische Tiere erhielten einen Nasenring aus Metall. Am Ring war eine Schnur befestigt, an der gezogen werden konnte, um das Kamel fügsam zu machen. Mit dem Seil wurden dem Tier in sitzender Position die Vorderbeine zusammengebunden. So konnte das Kamel sich nicht mehr bewegen oder aufstehen. Zum Grasen und zur Futtersuche wurde eines der Vorderbeine hochgebunden, so verhinderte man, dass sich das Tier allzu weit entfernen konnte.

Das Kamel geht im Passgang, das heißt es bewegt jeweils beide Beine einer Körperseite nach vorn oder hinten. Durch diese Bewegungsart entsteht für den Reiter eine seitliche Schaukelbewegung, die dem Kamel auch den Namen Wüstenschiff einbrachte. Um diese Bewegung besser auszugleichen, wird das Kamel von den Einheimischen in seitlicher Reitposition oder mit den Füssen auf dem Hals des Kamels geritten. Auch Steigbügel werden aus diesem Grund nicht verwendet. Im Gegensatz dazu, wurden die Kamele von den Männern des Camel Corps in normaler Reitposition und mit Steigbügeln geritten. Das lässt sich wohl nur durch den gewohnten Umgang der Kavalleristen mit Pferden erklären.

Im Rahmen des Trainings mit den Kamelen wurde vor allem das Auf- und Absteigen geübt. Ein Fehler oder eine Unachtsamkeit hierbei konnten leicht zu einem Beinbruch oder einer ähnlichen Verletzung führen. Beim Aufsteigen trat man an das kniende Kamel heran und nahm das Führungsseil auf. Das Gewehr wurde am Riemen über der linken Schulter getragen und erst in den Holster gesteckt, wenn die Reitposition erreicht war. Zunächst wurde mit Hilfe des Seils der Kopf des Kamels bis an den Hals gezogen. In dieser Position kann das Kamel nicht mehr aufstehen. Nun setzte man den linken Fuß in den Steigbügel und schwenkte anschließend das rechte Bein über den Rücken des Tieres. Erst wenn man sich in Reitposition befand, ließ man das Tier aufstehen, wobei man sich mit den Händen am vorderen Sattelknauf festhielt und sich mit den Füßen in die Steigbügel stemmte.  Machte man einen Fehler oder erhob sich das Kamel während dieses Vorgangs vorzeitig,  dann blieb man einfach mit dem linken Fuß im Steigbügel und wartete bis das Tier stand, bevor man sich endgültig in den Sattel schwang. Einheimische, die ohne Steigbügel ritten, kletterten entweder am stehenden Kamel in den Sattel oder setzten zunächst ein Knie in den Sattel und schwangen sich dann endgültig in Reitposition. Mit dem Knie im Sattel war es ebenfalls ungefährlich, wenn sich das Kamel frühzeitig erhob.

Ausbildung

Zunächst wurden alle Truppen mit der Bahn von Kairo nach Assuan verlegt. Nach kurzem Aufenthalt ging es auf Schiffen weiter nach Wadi Halfa, dem Ausgangspunkt für alle Reisen in den Sudan. Hier begann das Training der Truppe. Zunächst wurden die Männer in die Praktiken der Berittenen Infanterie ausgebildet und erhielten anschließend ihre Kamele. Es zeigte sich jedoch bald, dass das übliche Drill Manual der Mounted Infantry sich nicht auf das Camel Corps übertragen ließ. General Steward entwickelte deshalb einige neue Anweisungen, die speziell auf seine Truppe und ihre Aufgaben abgestimmt war.

Zwischenzeitlich  wurde die Desert Column von Wadi Halfa nach Dongola verlegt. Der größte Teil der Truppe legte dieser Strecke von 235 Meilen auf ihren Kamelen zurück. Hier, in der Nähe des Ortes Shabadud, erfolgte die eigentliche Ausbildung an den Tieren. Nach einigen Tagen wurde die gesamte Desert Column zum Sammelplatz bei Korti beordert. Hier fand noch einmal ein 2-wöchiges intensives Training statt. Von Korti aus sollten die Soldaten ihre Reise durch die Bayuda Steppe antreten und in feindliches Gebiet vordringen.

Taktik

Die Kamele selbst waren nur als Transportmittel gedacht. Die Männer des Camel Coprs sollten also nur abgesessen, als Infanterie kämpfen. Für eine schnelle Verteidigung war vorgesehen, dass die Männer absaßen und die Kamele zu einem großen Karree formieren und niederknien ließen. Dieses Karree sollte dann diagonal an einer oder zwei Ecken von einem Infanterie-Karree gedeckt werden. Die beiden Karrees zur Bedeckung sollten so durch ein Kreuzfeuer verhindern, dass sich ein Feind den Kamelen nähern konnte. Sollte es nötig sein zu Fuß, ohne die Tiere gegen einen Gegner vorzugehen, dann sollten nur so viele Männer wie nötig zurückgelassen werden. Die Männer des Camel Corps schafften es im Training die Befehle „Close order“ und „Prepare for Cavalry“ in nur 1 Minuten und 20 Sekunden durchzuführen.

Jede nach Geländebeschaffenheit wurde in Kompanie Kolonne, zu viert oder zu zweit nebeneinander, oder sogar einer hinter dem anderen marschiert. Zur Positionsbestimmung der einzelnen Kompanien wurden kleine, farbige Wimpel verwendet, die teilweise beschriftet waren. Belegt ist nur die Beschriftung MI D, was für Mounted Infantry Kompanie D stehen könnte. Nachts wurden die Tiere im Lager an lange Kabel gebunden, die zu diesem Zweck mitgeführt und im Boden verankert wurden. Wurde tagsüber gerastet, ließ man die Tiere niederknien und band ihnen dann die Vorderbeine zusammen.

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