Khartoum / Im Sudan

Khartoum, die Hauptstadt des Sudan, liegt an dem Ort, an dem sich der Weiße und der Blaue Nil zum Hauptstrom vereinigen. Der größte Teil der Stadt befindet sich am Südufer des Blauen Nils, gegenüber der großen Flussinsel Tuti. Im Osten ist die Bebauung durch den Weißen Nil und sein großes Überflutungsgebiet begrenzt. In den heißen Monaten des Sommers steigt hier das Hochwasser über die Ufer und der mächtige Weiße Nil dehnt sein Flussbett auf eine Breite von fast 2.000 Metern aus. Im Gegensatz dazu, bleibt der Pegel des Blauen Nils in der Regel recht konstant. Der Name Khartoum ist ein Wort aus einem lokalen Dialekt und bedeutet übersetzt „Elefantenrüssel“. Er bezieht sich wohl auf den schmalen Streifen Land zwischen dem Blauen und Weißen Nil, auf dem die Stadt liegt und welcher, zumindest während der Zeit des Hochwassers, der Form eines Elefantenrüssels ähnelt.

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Eine schöne Skizze der Stadt Khartoum, eingerahmt vom blauen und weißen Nil.

Noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts war die Stadt nur eine armselige, kleine Siedlung ohne große Bedeutung. Erst im Jahr 1822, als Mohammed Osman Pasha, der erste General-Gouverneur des Sudan, den Ort als seinen Regierungssitz auswählte, begann der langsame Aufstieg der Stadt. Zu dieser Zeit hatte das osmanische Ägypten den Sudan erobert und ließ in seinem neuen Verwaltungsgebiet Militär- und Handelsposten einrichten. Der Gouverneur beschloss zunächst ein paar Verwaltungsgebäude aus Lehmziegeln zu bauen. 1826 wurde unter dem Gouverneur Kurshid Pasha ein Rathaus (mudiria) und eine Moschee fertiggestellt. Unter seiner Anleitung wurde auch die Lehmziegelbauweise an die Einheimischen vermittelt.

Die nachfolgende Karte stammt aus dem berühmten Buch „Feuer und Schwert im Sudan“ von Slatin Pasha. Sie liefert einen guten Überblick über die Position der einzelnen Gebäude.

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In dieser Zeit war Khartoum zum Umschlagplatz für Waren aus dem Süden geworden, die von hier aus ihren Weg zum Roten Meer nahmen. Neben Elfenbein, Kautschuk, Tamarinden und Straußenfedern, gewann vor allem der Sklavenhandel immer mehr an Bedeutung. Auch für Forscher, Händler und Missionare war die Stadt ein idealer Ausgangspunkt geworden. Durch zahlreiche Aufzeichnungen dieser Reisenden können wir uns ein recht gutes Bild von der stetigen Entwicklung Khartoums machen. Ein französischer Reisender berichtet von seinen Besuch im Jahr 1839 und schrieb, dass die Stadt aus mehreren Baracken, einem Krankenhaus und 400 bis 500 Häusern bestand. 1846 berichtete der britische Vize-Konsul von dem Gebäude des Gouverneurs aus gebrannten Ziegeln, sowie einigen Bootswerften an den Ufern des Nils. Auch eine Römisch-Katholische Mission und eine Koptische Kirche existierten schon zu dieser Zeit. Wenige Jahre später erreicht George Melli die Stadt am Nil. Er beschreibt die Mehrzahl der schätzungsweise 3.000 Häuser und die Straße der Stadt als äußerst einfach und teilweise armselig. Es gibt nur wenige offene Plätze. Eine Ausnahme bilden nur die Gebäude der Verwaltungsbeamten und der europäischen Einwohner, die durch große Gärten und sie umgebenen Lehmmauern ins Auge fallen. Von Beginn an gab es keine Planung für die Stadtentwicklung und so entstanden mitten in der Stadt Parks und Gärten, andererseits gab es auch negative Auswirkungen. Beispielsweise folgte der Straßenbau keinem erkennbaren System. So bildeten die krummen und schiefen Wege ein unübersichtliches Labyrinth.

Khartoum um 1880

Khartoum im Jahre 1880. Noch liegt die Stadt friedlich und geschäftig an den Ufern des Nils.

In den Jahren vor der Mahdiya versucht die Regierung auf Druck Europas gegen den Sklavenhandel im Sudan vorzugehen. Zwischen 1870 und 1880 erreichen viele Forscher und Reisende, wie Samuel Baker, Georg Schweinfurth, Alfred Brehm, Charles Thomas Wilson und Robert William Felkin Khartoum und vermerken in ihren Aufzeichnungen einen deutlichen Wandel im Erscheinungsbild der Stadt. Die Kaianlagen am Blauen Nil sind jetzt durch eine Steinmauer verschalt und es gibt eine ganze Reihe neuer

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Nach der Rückeroberung der Stadt (1898), wird vor dem zerstörten Palast eine Gedenkfeier zu Ehren Gordons abgehalten.

Backsteingebäude, unter anderem ein Hospital. Khartoum hatte nach und nach den Charakter einer Stadt erhalten. Es fehlten aber immer noch ausreichende Maßnahmen zur Hygiene. So gab es keine Kanalisation und nach stärkeren Regenfällen fand man große Wasserflächen mitten in der Stadt, die im Laufe der Zeit zu Brutstätte von Krankheiten wurden. Dann folgten ab 1883 die Jahre des Mahdi-Aufstandes und der Belagerung von Khartoum. Nach der Eroberung am 26. Januar 1885 durch die Anhänger des Mahdis, wurde die Stadt geplündert und verfiel dann im Laufe der nächsten Jahre zur Geisterstadt. Erst 1898, mit der Rückeroberung des Sudan unter dem britischen Sirdar Kitchner, wurde Khartoum wieder aufgebaut und erneut zur Hauptstadt des Sudan.

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Bevölkerung

Schon im Jahr 1846 war die Bevölkerung der Stadt auf rund 60.000 Einwohner angewachsen. In den nächsten Jahren ging die Zahl der Einwohner jedoch mehr und mehr zurück. Ursache hierfür waren vor allem einige Epidemien, welche unter den Menschen der Stadt wüteten. Im Jahr 1850 wurden noch 30.000 Bewohner gezählt, um das Jahr 1870 herum geht die Schätzung von 20.000 Menschen aus und erreichte damit ihren Tiefpunkt. Obwohl in der Zeit danach rigoros gegen den Sklavenhandel vorgegangen wurde, lebten Anfang 1880 wieder 27.000 registrierte Sklaven in Khartoum. Während der Belagerung im Jahr 1884 und Anfang 1885 befanden sich rund 35.000 Menschen innerhalb der Stadt. Der größte Teil der Bevölkerung bestand aus Mohammedanern. Um 1850 leben nur 50 Christen und 12 Juden in Khartoum. Trotzdem handelte es sich bei einem Viertel der Menschen um Nicht-Sudanesen, hauptsächlich Ägypter, Syrer, Kopten, Türken und Griechen. Es gab nie sehr viele Europäer, die ständig in der Stadt lebten. In den 50er Jahren waren es nur 5, 1960 waren es 25. Vor allem Händler aus Frankreich, Italien, Deutschland und England sah man in den Straßen. Der Franzose Monsieur Marquet etablierte Anfang 1870 den Handel mit Kautschuk und wurde im Laufe der Zeit zum reichsten Händler der Stadt. Ihm wurde darüber hinaus auch das Amt des französischen Konsuls übertragen. Am 30. November 1883 verließ er die Stadt, nach einem für sudanesische Verhältnisse ungeheuer luxuriösem Abschiedsfest in Richtung Paris. Der Holländische ReisendeJean Maria Schuverwar der Besitzer von 3 Schiffen, die unter holländischer Flagge den Nil im Sudan befuhren. Er lebte in einem isoliert stehenden Haus, außerhalb der Stadt, das von Dattelpalmen umgeben war. Es gab auch eine Reihe deutscher Landsleute, unter anderen den berühmten Schneider Herrn Klein, sowie den Arzt Dr. Zurbuchen. Zur Zeit der Belagerung von 1884 bis 1885 waren es dann wirklich nur noch eine Handvoll Europäer, sowie ein kleine Gemeinde griechischer Emigranten, die weiterhin vor Ort ausharrten. Die Griechen zählte man übrigens nicht zu den Europäern und sie hatten allgemein einen schlechten Ruf in Nord- und Ostafrika.

 Einige Europäische Mächte unterhielten Konsulate im Sudan. Zurzeit der Anfänge der Mahdiya bekleidete Frank Power für Großbritannien, Henri Herbin für Frankreich, Martin Hansal für Österreich und Nikolaos Leontides für Griechenland das Amt des Konsuls. Der 25-jährige Frank Power war ursprünglich als Berichterstatter der London Times in den Sudan gereist und wurde dann während seines Aufenthaltes in Khartoum gebeten das Amt als britischer Konsul zu übernehmen. Der Österreicher Hansal war bereits seit 1862 Konsul in Karthoum.

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Frank Power 

Noch im fortgeschrittenen Alter heiratete er eine 18-jährige Abessinierin. Hansal war außerdem als guter Klavierspieler bekannt und spielte regelmäßig die Orgel in der katholischen Mission. Darüber hinaus gab es nur noch zwei österreichische und eine italienische Familien, die innerhalb der Stadtmauern lebten.

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Der Palast des General-Gouverneurs vom Nil aus gesehen. Das kleine Bild rechts oben, zeigt Wad el Kerim Bey, der von Gordon zum Gouverneur der Stadt ernannt wurde.

Erscheinungsbild

Aus der Zeit des 19. Jahrhunderts haben sich mit Ausnahme einiger Gräber keine baulichen Zeugnisse in unsere Zeit erhalten und so sind wir voll und ganz auf alte Reisebeschreibungen, Fotografieren und Zeichnungen angewiesen. Leider sind auch die bildlichen Darstellungen rar gesät und nur eine Handvoll Fotografien des Österreichers  Richard Buchta geben einen kleinen Einblick in die Welt von damals. Zum Glück sind uns etliche Berichte von Forschern, Händlern, Missionaren und Verwaltungsbeamten erhalten. Sie bilden die wichtigste Quelle zur Rekonstruktion der Stadt. Im folgenden Abschnitt werde ich versuchen, das Erscheinungsbild der Stadt Khartoum im Jahr 1884 zu schildern.

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Dieser und die 4 folgenden Stiche sind Reproduktionen, die auf Fotos von Richard Buchta basieren. Die Fotos von Buchta sind die einzigen, die Khartoum vor 1898 zeigen. Das erste Bild zeigt den Blauen Nil in Richtung Zusammenfluss und das befestigte Ufer nach dem Palast.

Die Stadt teilte sich in kleine Viertel, sogenannte Hillat, was wörtlich Übersetzt Siedlung bedeutet. Hillat Musa Bey lag westlich und südlich des Palastes des General-Gouverneurs. In diesem Bezirk lebten Offiziere und die Bürger des Mittelstandes. Direkt am Blauen Nil, im Westen der Stadt fand man das Viertel Hillat Manjara, welches Bootswerften und Werkstätten beherbergte. Im Südwesten hatte man einen Deich anlegt, der Teras genannt wurde. Er sollte die Gebäude vor dem Nilhochwasser schützen. Unmittelbar hinter dem Deich lagen einige kleine Hütten, in denen Handwerker und Prostituierte ansässig waren. Östlich von dieser Gegend traf man auf den Basar oder suq und die große Moschee der Stadt. Wiederum östlich davon lag der Bezirk Salamat al Pasha, das Armenviertel von Khartoum.

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Der Palast des General-Goveneurs und der umgebende Garten von der Stadt aus gesehen.

Vom Blauen Nil aus gesehen sah man die Gärten der großen Häuser und Konsulate, die durch eine Straße vom Ufer getrennt waren. Der Palast des General-Gouverneurs, im Jahr 1870 errichtet, hatte helle Wände und grüne Fensterläden. Das Hauptgebäude des Palastes war 2-stöckig mit jeweils 9 großen Rundbogenfenstern auf beiden Etagen. An den beiden Seitenflügeln des Hauptgebäudes schlossen sich zwei einstöckige Nebengebäude an, die, wie auch das Hauptgebäude, mit Flachdächern ausgestattet waren. Das Hauptgebäude stand unmittelbar am Südufer des Blauen Nils, die Nebengebäude zogen sich in Richtung Stadt und bildeten so, zusammen mit einem abschließenden schmiedeeisernen Zaun, eine quadratische Einfassung um einen Innenhof. Umgeben war der Palst von einer Gartenanlage und hohen Dattelpalmen, die vor allem seitlich und auf der Rückseite zu finden waren und so das Gebäude von der Stadt abgrenzten. Neben dem Palast befand sich das Mudiria (Rathaus), welches die Büros der Beamten und dem Sitz des Gouverneurs von Khartoum beherbergte. Dahinter reihten sich größere Häuser, wie das österreichische Konsulat, das Telegrafenamt und Postamt aneinander. Das österreichische Konsulat war die größte Landesvertretung in Khartoum. Ein großes Gebäude im kolonialen Stil, mit einen nach Norden gerichtetem Seitenflügel, umgeben von Dattelpalmen. Über dem Eingang war eine gelbes, ovales Schild angebracht, dass den österreichischen Doppeladler zierte. Die Straße, die diese Häuser vom Nil trennte, war rund 3 Meter breit und musste an einigen Stellen durch eine Uferbefestigung vor Unterspülung durch den Fluss gesichert werden. Am südlichen Ende stand die ausgedehnte Anlage der 1847 gegründeten österreichischen Mission, zu der eine kleine Kapelle und ein Schulgebäude gehörten. Vor dieser Häuserreihe hatte man die Kaianlagen und die zahlreichen Schiffanleger angesiedelt. Die große Zahl der restlichen Gebäude war einstöckig und hatte flache Dächer. Eine Ausnahme bildeten nur die Moschee von 1830 mit ihrem Minarett und die koptische Kirche mit der dreifachen Kuppel. Das Zentrum der Stadt bildeten natürlich der Basar und die benachbarten Straßen. Es gab 4 überdachte und 4 nicht überdachte Marktstraßen, wobei natürlich die Händler von Luxusartikeln im überdachten Teil residierten. Hier wurden Stoffe, europäische Kleidung und Schuhe, Porzellan, Töpfe, Geschenkartikel und Medikamente angeboten. In den kleinen Märkten wurden alle Arten alkoholischer Getränke verkauft. Es gab sogar einige von Griechen geführte Warenhäuser und Kaufhallen, doch die Preise waren hier oft sehr überteuert. Selbstverständlich fand man auch unzählige Händler, die Obst und Gemüse feilboten. Es gab einen kleinen Brotmarkt, von dem aus man zum Getreidemarkt gelangte. In einer engen Straße lag der Tabakmarkt, daneben der Fett- und der Viehfuttermarkt. Nur die in einheimischer Industrie gefertigten Waren, werden in alten Berichten kaum erwähnt. Vom weißen Nil aus gesehen, machte die Stadt einen schmutzigen und trostlosen Eindruck. Das Gebiet, das sich vom Fluss bis zur Stadt erstreckte, war ein sandiges und völlig vegetationsloses Überflutungsgebiet. Am Rand dieser Stadtseite standen aus diesem Grund auch nur kleine, graue Häuser. Aus dieser Eintönigkeit stach nur das helle Minarett der Moschee, das weithin sichtbar für Reisende als Orientierungspunkt diente. Es führte lediglich eine Straße von der Westseite in die Stadt und endete direkt am Marktplatz. In der Stadt existierten keine Hotels oder Restaurants. Reisende mussten bei Freunden unterkommen oder den Gouverneur nach einer Unterkunft fragen. Nur in einige, von Griechen geführten Tavernen, konnte man alkoholische Getränke erwerben. In der Nähe des Marktplatzes stand die Moschee, einige Kaffeehäuser, die koptische Schule und auch das Gefängnis. Gut einen Kilometer östlich der Stadt, am Ufer des Weißen Nils, lag die kleine Flusssiedlung Burri. Im 19. Jahrhundert gab es noch keine Brücke über den Fluss. Es gab jedoch zwei größere Fähren, die Karthoum mit dem Nordufer des Blauen Nils und mit dem Westufer des Weißen Nils verbanden. Darüber hinaus verkehrten natürlich viele kleinere Boote zwischen den Ufer und den Flussinseln.

Der Gordon Tree in der Nähe von Khartoum

Dieses Foto von 1906 zeigt den Gordon-Tree außerhalb von Khartoum.

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Der Blick vom Palast über die Stadt.

Die Häuser der einfachen Bürger waren zum großen Teil aus Lehmziegeln errichtet. Die Ziegel wurden aus einem Brei von Stroh und Lehm gefertigt, die in Holzrahmen ihre Form erhielten und dann in der Sonne getrocknet mussten. Für das Dach wurde zunächst ein Gerüst aus Mimosenholzbalken und Strohmatten  konstruiert,  welches anschließend mit einer Lehmschicht abgedichtet wurde. Hierbei musste man äußerst sorgfältig vorgehen. Das Dach war außerdem leicht zu einer Seite geneigt und hatte dort eine Ablaufrinne. Häufig zeigte sich jedoch erst während der Regenzeit die Qualität der Konstruktion. Oft drang Wasser durch die Decke oder sie stürzte komplett ein, sobald sich zu viel Wasser auf dem Dach sammelte. Die Häuser bestanden aus zwei Bereichen, dem für die männlichen Mitglieder der Familie und dem für die Weiblichen. Die Innenräume hatten Fußböden aus gestampftem Lehm. An den Wänden gab es einen erhöhten Bereich, dem Diwahn, der mit Kissen und Matten ausgelegt wurde. Die Fenster bestanden aus einfachen Mauerlöchern, die mit Holzgittern versehen waren. Die Türen besaßen keinerlei Metallteile und auch die einfachen ägyptischen Holzschlösser waren selten.

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Das Ufer des blauen Nils bei Khartoum

Ackerbau und Viehzucht spielen in der Gegend um Khartoum nur eine untergeordnete Rolle. Lebensmittel wurden über den Nil in großen Mengen in die Stadt befördert und so waren die Preise sehr niedrig und recht stabil.

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Der Platz vor dem Mudiria (Rathhaus).

Verteidigungsanlagen

Die kaum nennenswerten Verteidigungsanlagen der Stadt, die im Sommer 1883 unter der Leitung des General-Gouverneurs Abd-al-Qadir Pasha Hilmi entstanden waren, wurde erst nach der Vernichtung der Armee unter Hicks Pasha in Stand gesetzt und ausgebaut. Ein Graben und Wall von 4.500 Meter Länge hatte man halbkreisförmig um die Stadt gelegt. Als Gordon die Stadt erreichte, hatte die Anlage eine Länge von ungefähr 6.000 Metern. Die beiden Enden dieser Verteidigungsanlage stießen jeweils im Nordwesten auf den Blauen bzw. im Osten auf den Weißen Nil und sicherten so die Stadt vor einem Angriff aus dem Süden und dem Südwesten. Allerdings wurden im Westen große Teile des Walles durch das Nilhochwasser wieder zerstört. Die Verteidigungsanlage bestand aus einem Graben, einer kleinen Böschung und einem Erdwall, der auf der Innenseite einen Laufsteg besaß. In regelmäßigen Abständen waren insgesamt 4 Bastionen eingerichtet, die durch ihre vorgeschobenen Schanzen ein Feuern entlang der gesamten Wallanlage ermöglichten. Die Stadt konnte durch drei Tore betreten werden, welche zunächst nur aus einem Durchlass im Wall und einer kleinen Holzbrücke bestanden. Der Graben, über den diese Brücken führten, war 2 bis 3 Meter tief und 4 Meter breit. Die Böschung dahinter hatte eine Wandstärke von rund einem Meter und der abschließende Wall eine Höhe von 2,5 Metern, sowie eine Tiefe von 5 Metern.

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Die Karte zeigt die Positionen der Verteidigungsanlagen.

Gut einen Kilometer östlich der Stadt am Ufer des weißen Nils traf man damals auf die kleine Flusssiedlung Burri. In dieser Richtung hatte der Ringwall der Stadtbefestigung einen Durchlass, der unter Gordon als Toranlage, dem Burri Tor ausgebaut wurde. Er ließ eiserne Torflügel einsetzen und die Holzbrücke, die über den Graben führte zerstören. 150 Meter hinter dem Wall lag im Osten das Fort Burri, eine quadratische Erdfestung mit Bastionen an jeder der 4 Ecken, die einige zweigeschossige Gebäude einfasste. Auf der offenen Fläche zwischen den Wohnhäusern der Stadt und dem Verteidigungskrieg standen einige Baracken und Waffenarsenale. Vom Burri Tor weiter in Richtung Westen stieß man nach 1.000 Metern auf das Masallamiya (Messalamieh )Tor und die gleichnamige Bastion. Dies war der wichtigste Zugang zur Stadt und aus diesem Grund ließ Gordon hier die Holzbrücke auch intakt.

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Weitere 1.000 Meter westlich lag das Kalakla Tor und, wie auch schon bei den anderen Tore, die dazugehörige Bastion, welche üblicherweise rund 200 Meter neben dem Eingang diesen sicherte. Schließlich erreichte man nach weiteren 1.000 Metern die vierte Bastion, die keinen Namen hatte und den höchsten Punkt des Sommerhochwassers markierte. Dahinter befanden sich 1.500 Meter weitere Wall- und Grabenanlagen, die jedoch zum größten Teil überschwemmt oder zerstört waren. An beiden Enden der Verteidigungsanlagen, dort wo sie auf die Flüsse stießen, lagen 2 bis 3 mit Holz und Metallplatten gepanzerte Flussbarken vertäut im Wasser. Sie waren mit leichten Geschützen und einem Holzturm für Gewehrschützen bestückt.

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Ähnlich wie bei diesem Fort (Kaweh), dürften die Verteidigungsanlagen von Khartoum ausgesehen haben.

Vor dem Wall-Graben-System waren etliche weitere Verteidigungsmaßnahmen eingerichtet. Direkt vor dem Graben verlief ein Stacheldrahtzaun und Stolperdrähte, dahinter drei Reihen mit improvisierten Landminen. Es folgten ein breiter Streifen mit zerbrochenem Glas und einer mit ausgestreuten Krähenfüßen.

Die Insel Tuti gegenüber der Stadt Khartoum

Ein Blick von Khartoum in Richtung Tuti und der dortigen Befestigung.

Neben den Verteidigungsanlagen im Süden, gab es auch in Richtung Norden einige militärische Einrichtungen. Auf der Landspitze beim Zusammenfluss von Blauem und Weißem Nil befand sich das Fort Mogahran. Dieses Fort war relativ einfach, aus Erde und Lehm gefertigt worden und natürlich auch stark dem Hochwasser des Sommers ausgesetzt. Auf der anderen Flussseite im Westen lag das Fort Omdurman, dass durch seine exponierte Lage besonders aufwendig ausgebaut worden war. Die Mauern waren aus Stein und die gesamte Anlage thronte auf einem V-förmigen Erdaufwurf über dem Fluss. Gegenüber dem Palast des Gouverneurs, am Nordufer des Blauen Nils hatte man das „nördliche“ Fort angelegt. Hier standen zwei zweigeschossige Gebäude, die von einem quadratischen Wall mit Eckbastionen gesichert wurden.

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Am rechten Rand dieser Zeichnung sieht man eine der typischen kleinen Lehm-Forts, die überall an den Ufern des Nils zu finden waren.

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Ein Ziegelstein aus Gordons zerstörtem Palast

Heute

Faktisch blieb der Sudan bis 1953 britische Kolonie. Am 1. Januar 1956 wurde nach einer Volksabstimmung die Republik Sudan ausgerufen. Heute ist Khartoum die Hauptstadt der Republik Sudan mit 2,7 Millionen Einwohnern. Zusammen mit den Omduram und Bahri an den anderen Flußufern, zählt man sogar fast 9 Millonen Menschen.

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Diese Zeichnung steht für den Neuanfang in der Stadt Khartoum, nach der Rückeroberung im Jahr 1898. Es zeigt den Bau des Gordon Memorial College.

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Die Stadt Khartoum im Jahre 1929. Darüber die Insel Tuti und im Hintergrund Omdurman.

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Die Stadt im Jahr 1945, im Zentrum ist der Gouverneurspalast zu sehen.

Sudan - The Land and the People

Dieses Foto zeigt das heutige Khartoum mit dem Palast des Präsidenten und der Insel Tuti im Hintergrund.

2 Kommentare zu “Khartoum / Im Sudan”

  1. Dear Madam/Sir,

    Could you inform me the source of the map which immediately below it has the caption „Die Karte zeigt die Positionen der Verteidigungsanlagen.“

    Best wishes,

    Professor Gerasimos Makris

    Gefällt mir

    1. Dear Professor Makris, the map is from the book „An atlas of Khartoum conurbation“ by El-Sayed El-Bushra, published by Khartoum University Press (1976). I think it is based on the map from Rudolf Slatin.

      Best wishes
      Frank

      Gefällt mir

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