Berwick-upon-Tweed – Vor Ort

Im äußersten Norden Englands, unmittelbar an der Grenze zu Schottland, liegt die Kleinstadt Berwick-upon-Tweed. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind vor allem die Festungsanlagen, die noch aus dem 16. Jahrhundert stammen. Da Elisabeth I. einen Angriff der verbündeten Königreiche von Schottland und Frankreich fürchtete, ließ sie die Stadt ab 1558 nach neusten militärtechnischen Kenntnissen befestigen. Noch heute, kann man einen kompletten Rundgang auf Mauer und Bastionen um die Stadt unternehmen. Berwick kann jedoch auch vor der Zeit des 16. Jahrhunderts auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. An vielen Stellen der Stadt kann man noch die mittelalterlichen Befestigungen und die Reste von Berwick Castle bestaunen.

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Stadtbefestigungen

Die Tore der Stadt waren nur enge Passagen, die mit Doppeltoren und einem Fallgitter gesichert werden konnten. Im Original erhalten ist noch das „Cowport Gate“. Der Graben vor diesem Tor war mit Wasser gefüllt und ein Holzsteg mit Zugbrücke führte hinüber. Die Stadt umgaben insgesamt 5 große Bastionen, die mit Kanonen bestückt waren. Die Namen der Verteidigungsanlagen  lauteten „Windmill Bastion“, „King`s Mount“, „Meg`s Mount“, „Brass Bastion“ und „Cumberland Bastion“. Die Schanzen waren mit Kanonen in Frontrichtung und Geschützen in den Seiten, sogenannte „flankers“ ausgestattet, welche mögliche Feinde an den Mauern beschießen konnten. Im Jahr 1640 erhielten die großen Schanzen zusätzliche Geschützplattformen, „cavaliers“ genannt, welche die Feuerkraft noch einmal erhöhten.

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Das Cowport Gate.

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Die Brass Bastion.

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Detailplan der Cumberland Bastion.

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Blick von der Brass Bastion zur Windmill Bastion. In der Mitte der Weg zum Cowport Gate.

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Original und Rekonstruktion eines der „flankers“.

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Brücke

Über den Fluss Tweed führt diese schöne Brücke mit 15 Bögen, die zwischen 1611 und 1624 errichtete wurde. Nachdem die vier früheren Brücke alle bei Hochwasser zerstört worden waren, beschloss man diese stabile Brücke mit einer Länge von 355 m und einer Breite von 5 m zu konstruieren.

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Kaserne

Zu der Festungsanlage zählt auch die älteste Kaserne Großbritanniens. Sie wurde in den Jahren 1717 bis 1721 errichtet. Zum Bau der „Ravensdwone Barracks“ führte der erste Aufstand der Jakobiter im Jahr 1715. Die Anlage war für die Unterbringung von 600 Soldaten und 36 Offizieren vorgesehen. Die Kaserne besteht aus 4 Gebäudeblöcken, die einen Kasernenhof umschließen. Den Eingangsbereich bilden das Tor, Wachgebäude, sowie die Offiziersmesse. Die beiden seitlichen Flügel dienten zur Unterbringung der Soldaten und Offiziere. Die Stirnseite bestand aus dem sogenannte „Clock Block“ welcher als Lagerhaus fungierte. Heute sind in der Gebäude der Kaserne mehrere Museen untergebracht. Eines zeigt das Leben, die Ausbildung und den Kriegsdienst der Soldaten.

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Stadtgouverneure

William Howe, der 5. Viscount Howe, war in den Jahren 1795 bis 1808 Gouverneur der Stadt Berwick. Im Alter von 30 Jahren führte er den Angriff auf den „Heights of Abraham“ in der denkwürdigen Schlacht von Quebec im Jahr 1759. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg war der stellvertretende Kommandeur der britischen Streitkräfte. Nach Howe wurde Sir Banastre Tarleton von 1808 bis 1833 Gouverneur. Er war der berüchtigte Kommandeur der leichten Kavallerie im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und wurde 1812 zum General ernannt. In Amerika hatte er den Spitznamen „Bloddy Ban“ und „The Butcher“, welchen er sich verdiente, als er Amerikanische Gefangene nach der Schlacht von Waxhaws (1780) töten ließ, was zu „Tarleton’s Quarter (keine Gnade) von Amerikanern gegenüber englischen Soldaten führte.

Howe

William Howe

Tarleton

Banastre Tarleton
 

Geschichtliche Anekdote

Eine der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Stadt Berwick war die große Belagerung und das anschließende Massaker von 1296, zu welcher Zeit die Stadt unter schottischer Herrschaft stand und der der erste von zwei schottischen Unabhängigkeitskriegen tobte. Dieser erste Aufstand hatte seine Wurzel in den bestreben Edward I. von England, dem „Hammer of the Scots“, Schottland zu unterwerfen. Im Jahr 1291, nach dem Tod der zwei Erben Alexander III, war der schottische Thron verwaist und Edward I. war als Schlichter zwischen den beiden Anwärtern Robert Bruce und John Bailliol eingesetzt. Nach 13 Treffen in Berwick erklärte Edward schließlich Bailliol in der Halle von Berwick Castle zum König von Schottland, wo er 1292 gekrönt wurde und Edward als oberste Autorität anerkannte. Auf Grund dieser Autorität, verlangte Edward Geld und Truppen für seinen Krieg gegen Frankreich. Schottland verweigerte dies jedoch und schloss stattdessen Bündnisverträge mit Frankreich und Norwegen. Edward war jedoch nicht bereit auf sein Recht zu verzichten und belagerte 1296 Berwick, das er zum Stützpunkt für seinen Schottlandfeldzug machen wollte. Die Stadt wurde schließlich gestürmt und ein Blutbad unter der Bevölkerung angerichtet… 7.500 Einwohner ließ er hinrichten. Unmittelbar danach begann man damit, die Stadt stärker zu befestigen. Ende 1298 hatte eine Steinmauer die Erdwälle und Holzpalisaden ersetzt. Nach weiteren militärischen Erfolgen musste Bailliol Abbitte leisten, doch viele schottische Adlige weigerten sich und führten den Kampf fort. Es gab Siege auf beiden Seiten, zu erwähnen sind vor allem die schottischen Erfolge unter William Wallace. Dennoch konnten die Engländer langsam Boden gut machen und schließlich wurde Wallace 1305 gefangengenommen und in London hingerichtet. Sein Kopf stellte man in London zur Schau und seine vier Gliedmaßen in Newcastle, Perth, Stirling und in der Stadt Berwick, wo man einen seiner Arme an eines der Tore nageln ließ. Als Edward 1307 starb, waren die größten Teile der „Lowlands“ in englischer Hand. Der Krieg ging jedoch in die nächste Runde und Robert Bruce wurde 1306 zum König von Schottland gekrönt. Er drängte die Engländer zurück und feierte seinen größten Sieg im Jahr 1314 bei Bannockburn .

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(hier der Link zu meinem Bericht dieser Schlacht: https://tabletopdeutschland.wordpress.com/2012/04/30/bannockburn-1314-vor-ort/ ). Trotz dieser Erfolge konnten die Engländer Berwick weiterhin halten. Erst im Jahr 1308 fiel die Stadt den Schotten in die Hände. Sofort begannen die Sie, die Stadtbefestigungen zu verstärken. Sie erhöhten die alte Stadtmauer, errichteten eine neue Mauer zwischen Stadt und Burg und sie beendeten den Bau des Haupttores zur Burg, welcher schon 1303 von den Engländern begonnen worden war. Schließlich musste Edward III. im Jahr 1328 Robert I. als König von Schottland und dieses als unabhängige Nation anerkennen.

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Der zweite Krieg begann, als Edward III. auf Rache sann und John Bailliol’s Sohn, auch einen Edward, gegen den 5-jährigen schottischen König David II., den Sohn von Robert Bruce, unterstützte. Eine große englische Streitmacht, mit Balliol als Vorzeigeanführer, besiegte 1332 die Schotten bei Dupplin Moor. Doch Balliol wurde anschließend gezwungen nach Carlisle zu fliehen. Als er schließlich 1333 mit der Armee Edward III. zurückkehrte, wurde Balliol Zeuge, wie die Stadt Berwick nach 3-monatiger Belagerung erobert und das Herr der Schotten durch englische Langbogenschützen vor den Toren der Stadt in der Schlacht von Halidon Hill vernichtend geschlagen wurde. Mit den schottischen Lowlands erneut in englischem Besitz, baten die Schotten Frankreich um Hilfe, wodurch es Ende 1338 gelang diese Gebiete zurückzuerobern. Der Krieg wurde jedoch noch bis 1355 fortgeführt. Im Jahr 1357 kam es schließlich zum Vertrag von Berwick, in dem David II. als schottischer König gegen die Zahlung von 100.000 Mark (welche nie voll gezahlt wurden) anerkannt wurde. Schottland gelang so die Unabhängigkeit und behielt diese bis zur Union von 1603.

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