U-Boot Basis Lorient

Seit ich den legendären Petersen-Film „Das Boot“ im Kino gesehen und später die Buchheim Bücher „Das Boot“ und „Die Festung“ gelesen hatte, wollte ich unbedingt mal eine der großen U-Boot Bunker an der Atlantikküste besuchen. In diesem Jahr verbrachte ich meinen Haupturlaub erstmals in der Bretagne und damit ergab sich endlich die Gelegenheit. Zufälligerweise hatte ich ein paar Wochen vor dem Urlaub eine TV Dokumentation über den U-Boot Bunker in Lorient gesehen. Das Ganze hörte sich so interessant an, das ich diesen Ort für einen Besuch auswählte.

An der französischen Atlantikküste hatte das Deutsche Reich während des 2. Weltkrieges insgesamt 5 U-Boot Bunkeranlagen errichtet. Sie befanden sich von Nord nach Süd gesehen in den Städten Brest, Lorient, St. Nazaire, La Pallice und Bordeaux. Die Anlagen in Lorient in der Flussmündung des Flusses Blavet war die Größte von ihnen. In Lorient wurden gleich mehrere zum Teil sehr ungewöhnliche Bunkerkomplexe errichtet. Dazu zählten die üblichen Bunker mit Nassboxen (Scorff-Bunker und Keroman III), die Slipanlage mit Drehscheibe und zwei Dombunkern, die Aufschleppanlage mit Schiebebühne an den Bunkern Keroman I und II und der begonnene Großbunker Keroman IV mit Hebebühne. Außerdem befand sich in Lorient auf der Landzunge Kernével die Villa Kerillon, der Befehlsstand des Befehlshabers der U-Boote (BdU), das Hauptquartier von Admiral Dönitz. Alle diese Anlagen stehen noch immer und können zumindest teilweise besichtigt werden.

In den Bunkern der Basis von Lorient, konnten insgesamt 30 U-Boote zeitgleich aufgenommen werden. Am 07. Juli 1940 erreichte das erste deutsche U-Boot, es war U-30, die Hafenstadt Lorient und am 09. September 1944 verließ das letzte, U-155, den Stützpunkt. Während dieser Zeitspanne hielten sich 203 verschiedene deutsche und 2 japanische U-Boote im Hafen auf. Die U-Boot-Bunker dienten dazu, die aus dem Einsatz kommenden Boote zu reparieren und zu warten. Ein durchschnittlicher Aufenthalt eines Bootes lag bei 34 Tagen, an denen rund 112 Arbeiter Reparaturen vornahmen und das Boot neu ausrüsteten.

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Hier eine Übersicht, die alle Bunker, Einrichtungen und Anlagen der Deutschen U-Boot Basis im Hafen von Lorient zeigt.

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Mit den Arbeiten an den Bunkern wurde die Organisation Todt betraut, die 15.000 Mann einsetzte um die Anlage zu bauen.

Dombunker

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Als Dock für die ankommenden U-Boote verwendete man zunächst die schon vorhandene Slipanlage des Fischereihafens. Mit Hilfe eines Schlittens wurde das Boot über eine Rampe aus dem Wasser gezogen und landete auf einer Drehscheibe. Von hier aus gelangte das Boot schließlich auf einen der 6 Wartungsplätze, die sternförmig um die Drehscheibe angeordnet waren. Zum Schutz der Boote vor Luftangriffen wurden 2 Bunker errichtet, die aufgrund der ungewöhnlichen Form Dombunker genannt wurden. Heute ist die Anlage wieder Teil des Fischereihafens. Die beiden Schutzbunker T5 und T6 stehen noch immer und werden als Arbeitshallen für die Wartung von Trawlern genutzt.

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Hier der Bunker T6 von hinten gesehen. Neben der Tür befindet sich ein MG-Unterstand.

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Der Bunker T6 besaß über den Schutztüren einen Flak-Stand.

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Hier sind gut die Original-Schutz-Tore und ihre Aufhängung zu erkennen.

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Beim Bunker T5 wurde die Schutztore entfernt und der Eingang zugemauert.

Scorff-Bunker

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Am 6. September 1941 wurde der Scorff-Bunker fertiggestellt. Bei ihm handelte es sich um einen Bunker mit Nassboxen, die insgesamt 4 Boote aufnehmen konnten. Bei diesen am häufigsten verwendeten Bunkertyp konnten die Boote direkt in den Bunker fahren. Da dieser Teil der U-Boot Basis weit ab vom Rest liegt und aktuell als Marinebasis genutzt wird, die nicht zugängig ist, habe ich davon abgesehen mir diesen Bunker anzusehen.

Keroman I und II

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Die besonders interessanten Teile der Lorient-Basis sind die Bunker Keroman I und II, benannt nach der gleichnamigen Halbinsel auf der sie errichtet wurden. Schon im November 1940 begannen die Planungen für diese Anlage. Es wurden damals Bunker benötigt, die 12 Boote aufnehmen konnten. Um die Bauzeit zu verkürzen und weil der Untergrund sehr felsig war, beschloss man auf das aufwendige Ausbaggern zu verzichten und die Bunker ebenerdig zu errichten. Damit die Boote die Boxen erreichen konnten, wurde eine Aufschleppanlage, ähnlich der im Fischereihafen, konstruiert, die in einem Bunker mit Nassbox installiert wurde. Es gab also nur eine Zufahrt zu den 12 Trockenplätzen. Die U-Boote fuhren in die Nassbox, diese wurde durch Schleusentore verschlossen, das Wasser wurde ausgepumpt und das Boot auf einen Rollschlitten abgesenkt. Anschließend zog man den Schlitten auf der Rückseite des Bunkers auf die 10 Meter höhere Ebene der Wartungsbunker, wo das Boot samt Halterung auf einer Verschiebebühne zum stehen kam. Die Plattform, auf der das Boot nun ruhte, konnte jetzt seitlich auf 8 Schienen zwischen den Bunker verschoben werden und so jedes der 12 Trockenplätze erreichen. Das U-Boot wurde schließlich samt Schlitten in einen der Schutzbunker gezogen und dieser dann durch schwere Panzertüren verschlossen. Die ganze Prozedur dauerte zwischen 46 bis 60 Minuten, je nachdem welcher der Trockenplätze angefahren wurde.

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Heute sind in den Bunkeranlagen von Keroman I und II Schiffswerften eingezogen, die hochmoderne Segeljachten bauen. In der ersten Bunkerbox von Keroman II, die Box 6a, in der die Verschiebewagen der Anlage untergebracht waren, ist ein Museum beheimatet, welches sich allerdings nur teilweise mit der deutschen U-Boot-Basis befasst. Im Wesentlichen ist es ein Museum für das aus den 50er Jahren stammende französischen U-Boot Flore, welches auf der ehemals deutschen Verschiebeanlage zwischen K I und KII seinen Platz gefunden hat. Durch diesen Umstand kann man sich ein Bild davon machen, wie die ganze Konstruktion ausgesehen hat und der Vorgang des Verschiebens von statten ging. Die Nassbox der Aufschleppanlage ist mittlerweile ein Anleger für Sportboote. Eine Fußgängerbrücke überspannt die Einfahrt der Box, so dass man das Innere schauen kann. Natürlich sind heutzutage große Teile der Bunkereinrichtungen demontiert oder umgebaut worden, es handelt sich schließlich um einen modernen Sport- und Segelboothafen. Dennoch sind viele wesentlichen Elemente von Keroman I und II erhalten und können besichtigt werden.

Frankreich, Lorient, U-Bootbunker im Bau
Diese alte Foto zeigt die Gleisanlage und die Verschiebebühne vor dem Bunker Keroman II. Rechts oben sind die Panzertore der Box 6a geöffnet.

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Die Panzertüren zur Box 6a von Keroman II

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Der Fahrstand der Verschiebebühne

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Das französische Museums-U-Boot Flore, das heute auf der alten Verschiebebühne steht.

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Details der Verschiebebühne

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Dieses alte Foto zeigt das schwer beschädigte U-530, vor der Einfahrt in Keroman I.

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Teil der Unterkonstruktion der Verschiebebühne.

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Bunker-Stellung einer PAK, unmittelbar neben der Aufschleppanlage von Keroman I,

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Teil der Ausstellung im U-Boot Museum.

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Die Halle der Box 6a wird als Bühne für eine Multimedia-Installation genutzt, die an den U-Boot Krieg des 2. Weltkrieges erinnern soll.

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Im Torpedoraum des französischen U-Boots.

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Teil der Stromversorgung auf der Rückseite von Keroman II.

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Eingang und Panzertür zum Arbeitsbereich sowie dem Kasernenbereich von Keroman II, in dem 1.000 Mann untergebracht waren.

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Noteingänge und Ausgänge aus der sogenannten „Kaserne der 1.000“.

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Eine große Alarmsirene auf der Rückseite von Keroman II.

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Die Einfahrt zur Aufschleppanlage.

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Der Bunker der Aufschleppanlage von der Wasserseite aus gesehen. Auf dem Dach erkennt man die Aufbauten der Flak-Stellungen.

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Blick in die Box der Aufschleppanlage von K I.

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Am Ende der Nassbox ist die Rampe zu erkennen, die zur Verschiebanlage führt.

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Die Rückseite mit Tor und Panzertüren der Aufschleppanlage.

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Die Trockenboxen von Keroman I.

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…und gegenüber die Einfahrtstore von Keroman II

Keroman III

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Schon im März 1941 wurde von der deutschen Führung beschlossen, die Anzahl der Liegeplätze für U-Boote in Lorient auf 30 zu erhöhen. Außerdem waren Keroman I und II zu klein, um die Boote vom Typ IXD, XB sowie XXI aufnehmen zu können. Zudem war man sich wohl auch bewusst, dass nur ein einziger Bombentreffer auf die Gleise der Verschiebeanlage zwischen K I und K II verhindert hätte, das die Boote ihre Bunker wieder hätten verlassen können. Man entschied sich also für eine Bunkeranlage mit Nassboxen, Keroman III genannt. 2 der insgesamt 7 Boxen waren außerdem mit Docktoren versehen, die es erlaubten, die Box in ein Trockendock zu verwandeln. Die Boxen von K III waren unterschiedlich groß und konnte ein bis drei Boote aufnehmen. Insgesamt konnten 13 U-Boote gleichzeitig untergebracht werden. Der Bunker wurde im Januar 1943 fertiggestellt. Vor allem sie Stärke der Bunkerdecke ist extrem eindrucksvoll. Sie wurde nachträglich von 3,8 Meter auf 5,8 Meter verstärkt und schließlich mit sogenannten Fangrosten aus Beton ergänzt. So kam man auf eine Deckenstärke von 9,4 Metern!

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Auch dieser riesige Bunker von 170 Metern Breite und 138 Länge wird heute zumindest teilweise kommerziell genutzt. In der warmen Jahreszeit finden tägliche (im Herbst/Winter nur am Sonntag) geführte Touren durch diesen Bunker statt. Neben den Boxen und dem Arbeitsbereich dahinter kann man auch das Dach besichtigen und hier die Fangrost-Konstruktion und einen der Flak-Türme unter die Lupe nehmen.

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Die Einfahrten in die Nassboxen von Keroman III. Man erkennt noch schwach die Tarnbemalung des Bunkers.

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Ein Blick in die Box mit den Liegeplätzen 22 und 21.

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Die Boxen 23 und 24 mit den geschlossenen Docktoren.

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Die Docktore von Liegeplatz 24, welche die Nassbox in eine Trockendock verwandeln konnten.

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Noch deutlich sind die Nummern der Boxen zu erkennen.

Lorient 113Nachträglich wurde viele Verteidigungsanlage rund um die U-Boot Bunker gebaut, wie diese beiden MG Stellungen neben den Einfahrten von Keroman III.

Lorient 116MG-Stellung auf der rechten Seite von Keroman III. Im Holzrahmen sollten Geschosse und Granatsplitter steckenbleiben und so Querschläge verhindern, die sonst in den Bunker eingedrungen wären.

Lorient 117Auch in den hohen Bunkerwänden sind überall Schießscharten zur Nahverteidigung eingelassen.

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Eingang auf der Rückseite von Keroman III. Auch dieser Eingang wurde durch eine MG-Stellung gesichert.

Lorient 132Die komplette Rückseite von K III.

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Auf der linken Seite führt eine stark gesicherte, große Einfahrt in das Innere von Keroman III.

Lorient 120Links und rechts neben dem großen Tor sind eine Panzertür und weitere MG-Bunker zu finden.

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Die Box mit Liegeplatz 13 und 14 von innen gesehen.

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Dieser lange Gang verband alle Boxen von K III miteinander. Im Boden waren Schienen eingelassen, so konnten Versorgungszüge direkt in den Bunker einfahren und ihre Fracht geschützt vor Luftangriffen entladen. Ganz rechts, sind die jetzt umgebauten Arbeitsbereiche zu sehen.

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Keroman III in voller Breite vom Wasser aus gesehen. Man erkennt, dass die Boxen unterschiedliche Breiten hatten. Auf dem Dach sind außerdem die 3 Flak-Stellungen zu sehen.

Lorient 140Die Box rechts, mit den Liegeplätzen 19, 19a und 20, konnte sogar 3 Boote aufnehmen.

Lorient 215Dieses alte Foto zeigt drei Boote in der Nassbox 19, 19a und 20 von K III.

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Auf dem Dach von K III. Man sieht die Fangrost-Rippen. In ihnen sollten Bomben detonieren, noch bevor sie das eigentliche Bunkerdach erreichen konnten. Am 6. August 1944 wurden auf die Basis erstmals die neuen Tallboys, Bomben mit einem Gewicht von 5,4 Tonnen abgeworfen. Keroman III erhielt einen dirkten Treffer, wurde aber nur geringfügig beschädigt.

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Die Fangrost-Struktur und die Flagstellungen auf dem Dach von K III.

Keroman IV

Keroman IVa und IVb war als ein weiterer Großbunker für insgesamt 24 Boote des modernen Typs XXI geplant. Die U-Boote sollten durch eine Hebebühne im Fischereihafen den Bunker erreichen. Es wurde allerdings nur eine kleiner Teil von Keroman IV a fertiggestellt, da die Arbeiten aufgrund des Kriegsverlaufes im April 1944 eingestellt werden mussten.

Lorient 125Diese Durchfahrt war Teil eines Bahnhofs unmittelbar zwischen K I und dem geplanten Bunker K IVa.

Lorient 154Teil von KIVa der als Reparaturwerkstätten diente.

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Am 7. August 1944 wird die U-Boot Basis von Amerikanischen Truppen langsam eingeschlossen und bis Kriegsende leisten 1.000 in der Basis verbliebene Deutsche Widerstand. In dieser Zeit wurden zahlreiche improvisierte Verteidigungsanlage errichtet, so wie dieser Bunker aus Felsblöcken.

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Im Hafenbecken unmittelbar vor Keroman III wurden von den Deutschen zwei Schiffe (Stralsund und Regensburg), die als Reparationsleistungen nach dem Versailler Vertrag an Frankreich gegangen waren, versenkt, um einen Direktangriff mit von Flugzeugen abgeworfenen Torpedos abzuwehren.

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Heute ist die U-Boot-Basis ein Sporthafen mit Museen, Veranstaltungszentrum, Bars und Restaurants.

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6 Kommentare zu “U-Boot Basis Lorient”

  1. Great pictures 😊. Does anybody know if the submarine bunkers in Lorient (and in general) had portal cranes in the ceiling above the submarines? And does anyone have pictures or drawings of these cranes? Mit freundlichen Grüsse aus Dänemark, Rune

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