Die Forts von Saint Malo

Während meiner Reise durch die Bretagne führte mich mein Weg auch von St. Malo zum Cap Fréhel. Einige Kilometer vor dem Kap entdeckte ich das Fort La Latte. Diese Festung liegt wie ein Vogelnest auf den Klippen der Steilküste und bietet einem spektakulären Blick auf die umliegende Küste. Die Festung begann ihre Geschichte als Burg im 13. Jahrhundert. Während die Anlage im Jahr 1490 noch erfolglos von den Engländern belagert wurde, konnte sie 1597 durch Saint-Laurent zerstört werden. In den Jahren von 1690 bis 1715 wurde die Ruine durch Garengeau, einem Schüler des berühmten Militärarchitekten Vauban, zum Fort La Latte ausgebaut. Die Anlage sollte die Hafen-Einfahrt nach Saint Malo schützen und erhielt aus diesem Grund eine Geschützbatterie.

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Der Rundgang durch die Festung beginnt an der erste Zugbrücke, die zum Vorwerk der Burg führt. Ein Blick über das Geländer der Brücke fällt in schwindelerregende Tiefen.

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Das Vorwerk ist quasi eine kleine Felsinsel, von der aus man über eine zweite Brücke zur eigentlichen Burg gelangt.

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Gleich hinter der Toranlage befinden sich das Wohngebäude, Lagerräume und eine kleine Kapelle. Der Weg führt den Besucher an lang der Festungsmauern und der Geschützstellungen zur äußersten Spitze.

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Auf halben Weg trifft man auf einen großen Ofen. 1793 wurde die Burg weiter ausgebaut, unter anderem wurde dieser große Ofen gebaut, der dazu diente, die Kanonenkugeln vor dem Schuss auf Rotglut zu erhitzen.

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Im Zentrum der Anlage steht ein mächtiger Wohnturm, den man sogar bis zur Dachspitze erklimmen kann…welch eine Aussicht!

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Die Burg diente übrigens in den letzten Jahrzehnten häufig als Filmkulisse für Historienspektakel, zum Beispiel für den Film „Die Wikinger“ mit Kirk Douglas.

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Wie erwähnt, diente das Fort La Latte zur Sicherung der wichtigen Hafenstadt Saint Malo, die unter dem Namen Stadt der Korsaren berühmt wurde.

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Ihre Blütezeit erreichte die Stadt im 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war der Hafen die Heimat wilder Korsaren, allen voran Robert Surcouf, der mit seinem schnellen und wendigen Schiff „Renard“ (Fuchs) auf Beutezug ging. Er war dabei so erfolgreich, dass er sich mit 35 Jahren zur Ruhe setzen konnte. Die Engländer griffen Saint-Malo im Jahre 1693 und erneut 1695 an, während sich die Befestigungsanlagen noch im Bau befanden. Die Insel-Forts bewährten sich während dieser beiden Angriffe. Sie sorgten dafür, dass die Stadt relativ unbeschädigt blieb und verhinderten, dass die französischen Korsaren ihre Basis verlassen mussten. Ein weiterer Angriff wurde von den Briten im Jahre 1758 durchgeführt. Der Aktion wurde jedoch aufgegeben, als die Angreifer die Stärke der Befestigungsanlagen erblickten.

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Die Festungsanlagen verleihen der Stadt die Gestalt eines steinernen Schiffes, welches sich von in der Rance-Mündung ins Meer erstreckt. Der Ingenieur Siméon Garangeau baute die Mauern, Forts und Bastionen ab 1689 nach den Plänen von Vauban. Neben den eindrucksvollen Mauern sind der Stadt weitere kleine Inselfestungen vorgelagert, die sich von Fort-la-Latte bis Pointe de la Varde erstrecken. Zu den Festungen gehören das Fort La Latte, Fort de la Varde, Fort de la Conchée, Fort Harbour, Fort du Grand Bé und das Fort du Petit Bé.

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Unmittelbar vor den Stadtmauern liegt das Fort National. Es ist bei Ebbe zu Fuß erreichbar und kann besichtigt werden.

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Wer nicht so viel Zeit mitbringt, sollte zumindest die Stadtmauern und Bastionen von Saint Malo erkunden.

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Das älteste Tor der Stadt ist die Grand‘ Porte. Sie besteht aus zwei enormen Türmen und einer Schiessplattform mit Pechnasen mit einem vierfachen Vorsprung, der typisch für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ist. Ursprünglich diente dieses Tor als Anlegestelle für Schiffe. Heute ist der Haupteingang in die Stadt das Tor Saint-Vincent, welches aus dem Jahr 1708 stammt.

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Über eine Treppe hintern dem Tor, gelangt man auf die Stadtmauer und die Bastionen. Der Bau des Bastion Saint-Louis wurde im Zuge der zweiten Erweiterung der Stadt im Jahre 1714 begonnen und 1721, während der dritten Erweiterung vollendet. Dieser Teil der Festungsmauer wurde zu Ehren von König Louis XIV benannt. Er wurde zusammen mit dem Fort du Naye zur Verteidigung des Hafens errichtet. Während der Revolution befand sich an dieser Stelle auch die Guillotine. Die Bastion Saint-Philippe, benannt nach Philippe II von Orleans, wurde 1714 errichtet und hat die Form eines unregelmäßigen Dreiecks. Zwei Schießscharten befinden sich auf der Westseite, die weiteren 6 Öffnungen der Südfassade beschützten den Hafen und waren gegen das Gestade von Bas Sablons von St. Servan gerichtet. Die Hollande Bastion wurde mit 24 Kanonen ausgestattet, die später vom Grafen von Toulouse durch stärkere Kanonen ersetzt wurden. Die Kanonen mit 36 oder 42 Kalibern waren eine Belohnung für den Mut, den die Bevölkerung während der Attacken der Holländer im Jahre 1696 gezeigt hatte.

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Der 23 m hohe und 13m breite Turm Bidouane war Teil des Planes, St. Malo zu einer Höhenburg auszubauen. Dieser Turm wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf einem Felsvorsprung errichtet. 1691 wurde er umgebaut und bis 1889 in ein Pulvermagazin umgewandelt.

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Die Stadt wurde übrigens im 2. Weltkrieg zu 85 Prozent zerstört. Das heutige Saint Malo ist also in großen Teilen ein originalgetreuer Nachbau. Trotzdem unbedingt sehenswert!

3 Kommentare zu “Die Forts von Saint Malo”

  1. Aaaaaalter. Du hast meine Lieblingsburg aus meinem Lieblingsfilm entdeckt. Wie geil ist das denn. Ich muss da hin.
    Frag mal meine Frau wie ich sie immer mit diesem Wikinger Hornsignal nerve, das im Film immer gespielt wird. Das hätte ich nie in Frankreich vermutet.
    Der Frank. Ich liebe Deine Reisebericht.

    Gefällt mir

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