Zum schwarzen Kater

Als ich im Juni dieses Jahres La Rochelle einen Besuch abstattete zeigte sich die schöne bretonische Hafenstadt von ihrer besten Seite. Ein strahlend blauer Himmel überspannte die Dächer, Straßen und typischen Arkadengänge. Beim Rundgang über den Markt entdeckte ich einen Hinweis auf „Le Bunker“, der mich in eine Seitenstraße lockte. Mit diesem Bunker war aber nicht der allgemein bekannte U-Boot Bunker im Vorort La Pallice gemeint, sondern ein deutscher Luftschutzbunker der ganz besonderen Art.

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Als die deutsche Armee im Juni 1940 La Rochelle erreichte, requirierte sie unter anderem das Hotel Etranges in der Innenstadt, gleich neben der alten Markthalle. Im Juni 1941 wurde das Hotel an die deutsche Marine übergeben, die neben dem Hotel einen großen Bunkerkomplex bauen ließ. Er sollte als Luftschutzraum für den Kommandeur der U-Boot Basis und die Offiziere der 3. U-Flottille dienen.

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Der 280 qm große Bunker besaß zwei große Schlafsäle für 62 Offiziere und 6 Einzelzimmer für die höheren Dienstgarde. Es gab außerdem ein großes Büro für den Kommandanten, Räume für die Luftfilteranlagen und andere technische Geräte, Toiletten und eine große Bar mit dem Namen „Zum schwarzen Kater“.

La Rochelle 06Der schwarze Kater war das Abzeichen der 3. U-Boot Flottille.

Über dem Bunker wurde nach der Fertigstellung ein neues Gebäude erreichtet, welches auch noch heute erhalten ist und den Eingang zum Bunker darstellt. Die Bunkeranlage, samt Einrichtung ist relativ vollständig erhalten und kann besichtigt werden. Das musste mir natürlich niemand zweimal sagen…also rein da! Übrigens ist nicht nur der Bunker einen Besuch wert, vor allem die schöne Altstadt und der Hafen lohnen einen längeren Aufenthalt. Da die rund 350 Luftangriffe im 2. Weltkrieg nur die U-Boot Bunker bei La Pallice und den Flugplatz bei Laleu zum Ziel hatten, bleib La Rochelle unbeschädigt.

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Der Bunker und das dort untergebrachte Museum existieren in dieser Form erst seit Mai 2013 und zeigen die Geschichte von La Rochelle während des 2. Weltkrieges. Die Ausstellung ist in 6 Abschnitte unterteilt. Bei diesen Abschnitten handelt es sich um die Besetzung der Stadt durch die deutsche Wehrmacht und Marine, die U-Boot Basis und der Flugplatz sowie ihre Bombardierung, die Resistance in La Rochelle, die Bunker Bar, die Belagerung der Stadt und schließlich die Befreiung.

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Nach dem D-Day und der Rückeroberung der Bretagne konnten die Kanalinseln, Lorient, St. Nazaire, Royan und auch La Rochelle von rund 120.000 deutschen Soldaten bis zum Kriegende gehalten werden. Die Alliierten belagerten in dieser Zeit die Stadt, die zur Festung unter dem Kommando von Vize-Admiral Ernst Schirlitz ausgebaut wurde.

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Hier ist André, ein Elektriker aus La Rochelle zu sehen, wie er an den Installationen arbeitet.

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Auch die Toiletten sind noch vollständig erhalten…inkl. Lektüre 😉

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Der Bürgermeister von La Rochelle soll die französische Fahne am Rathhaus gegen die deutsche Fahne austauschen. Er weigert sich jedoch und setzt so einen Anfang zum Widerstand gegen die deutsche Besatzung.

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1941 begann der Bau der U-Boot Bunker bei La Pallice. In den Nassboxen konnten insgesamt 13 U-Boote untergebracht werden.

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La Pallice war der Stützpunkt der 3. U-Boot Flottille. Zu ihr gehörte auch U-333, mit ihrem legendärem Kommandanten Peter Cremer, der auch als der „unsinkbare Ali“ bekannt war.

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Hier ist Peter Cremer an der Spitze einer Parade durch die Stadt zu sehen.

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Ihm folgt seine Mannschaft.

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Und so sieht das Straßenbild heute aus.

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In einem Teil des Museums sind der Funkraum eines U-Bootes nachgestellt.

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Ein Mann der Wache macht sich bereit für den Dienst.

Die folgenden Bilder zeigen Eindrücke aus der Bunker-Bar:

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In der Bunker-Bar sitzt auch Hans Stemmler, der LI von U-953. Auf seiner Schulter sitzt die schwarze Katze Peter, das Maskottchen der U-Boot Basis.

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Auf diesem Foto ist Hans Stemmler mit Peter zu sehen.

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La Rochelle 27Die Bar ist mit Holzpanelen verkleidet und noch vollständig im Original erhalten.

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Die Decken und der Vorraum der Bar wurden von zwei jungen Künstlerinnen aus Hamburg bemalt.

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Die beiden Künstlerinnen, Annie Cherie „Cher“ und Ruth Monsheimer, genannt „Mon“, signierten ihre Arbeit an der hölzernen Wand der Bar.

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Die beiden Frauen, die auch als Max und Moritz bekannt wurde, verzierten auch die U-Boot Anlagen in St. Nazaire und in Norwegen.

La Rochelle 11Während der Besatzungszeit.

Die folgenden Bilder zeigen den Rundgang durch das Museum und die Zeit der Belagerung von La Rochelle im Jahr 1945:

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Die Streitkräfte der Alliierten dringen am 8. Mai 1945 in den Bunker ein.

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Die Übergabe von La Rochelle durch Vize-Admiral Ernst Schirlitz an den Kommandeur Hubert Meyer.

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Die Original-Uniform des Vize-Admirals Ernst Schirlitz.

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Panzer der 13th Dragoons und des 1. Regiments der marokanischen Spahis erreichen die Kathedrale von La Rochelle.

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Die Kathedrale heute

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Nach der Übergabe der Stadt wird der Bunker die Heimat französischer Feuerwehrleute der Marine.

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Am 28. Juli 1945 besucht General De Gaulle die Hafenstadt

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Der Hafen mit seinen Türmen damals.

La Rochelle 02Der Hafen mit seinen Türmen heute.

La Rochelle 20La Rochelle und die U-Boot Bunker in La Pallice werden vor allem durch den Film „DAS BOOT“ von Wolfgang Petersen berühmt, der teilweise hier vor Ort gedreht wurde.

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