WARGAME THE SPANISH ARMADA 1588

Und wieder gibt es Neuigkeiten in der Welt des Papierfiguren-TableTops. Im Rahmen der Hamburger Tactica 2017 hat mir Peter Dennis die beiden neuesten Bände der Reihe „Battles for Britain“ überreicht. Es handelt sich um „BATTLE FOR BRITAIN. WARGAME THE ROMAN INVASION AD 43“ und „BATTLE FOR BRITAIN. WARGAME THE SPANISH ARMADA 1588″. Wie auch ich, habe schon einige andere TableTop-Spieler auf das Erscheinen des letztgenannten Buches gewartet. Seeschlachten sind bei mir zwar nur ein Randthema, aber ein Buch mit allen Schiffen einer Kampagne und dazu ein passendes Regelwerk sowie eine Epoche, in der ich nicht sonderlich bewandert bin, das sind für mich beste Voraussetzungen das Ganze in Papier und nicht mit aufwendigen Zinnmodellen zu testen. Ich habe mir als zunächst das Buch WARGAME THE SPANISH ARMADA 1588 vorgenommen.

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Ich kannte durch verschiedene Filme, wie Elizabeth – Das goldene Königreich und Dokumentationen schon ungefähr den Ablauf diese berühmten See-Kampagne. Die Spanische Armada segelte 1588 unter dem Herzog von Medina Sidonia gegen England und sollte den Sturz Elisabeths I. erzwingen. Ihr gegenüber stand die englische Flotte unter Charles Howard und den Vizeadmiralen Francis Drake, John Hawkins und Martin Frobisher, den bekannten Kaperkapitänen, die Spanien in den Jahren zuvor stark zugesetzt hatten. Die Spanische Armada wurde im Kampf gegen die Engländer vor allem durch Stürme und ungünstige Winde geschwächt, konnte die geplante Invasion Englands nicht ausführen und unterlag letztlich der moderneren englischen Flotte mit ihren manövrierfähigeren Schiffen und ihrer weiter reichenden Bewaffnung. Jedoch blieb Spanien auch nach der Niederlage gegen England vorerst noch eine starke Seemacht, bis die Armada am 25. April 1607 während des Achtzigjährigen Krieges bei einem Überraschungsangriff der Niederländer in der Bucht von Gibraltar vernichtend geschlagen wurde und Spanien seine Vormachtstellung auf See verlor.

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Doch zurück zum Buch von Peter Dennis. Wie schon in den letzten Titel dieser Reihe, enthält das Buch Vorlagen für alle Schiffe, also die spanische Armada und die englische Flotte, Geländeteile, ein Vorlage für eine Spielfläche, Spielhilfen und Marker sowie das Regelwerk von Andy Callan. Da die Schiffe, vor allem die, die mit Namen versehen sind, nur einmal im Spiel vorkommen, besteht bei diesem Band die Möglichkeit, die Papierschiffe auch direkt aus dem Buch auszuschneiden. Zu diesem Zweck sind die Bögen mit den Schiffen so angeordnet, dass sich auf der Rückseite nur Text befindet. Neben den Schiffen, gibt es Brandschiffe, Wracks und jede Menge kleine Marker und Spielhilfen zum Ausschneiden. Klasse auch der Windkompass im Renaissance-Design. Zusätzlich gibt es die englische Küste, Städte, Sandbänke, Klippen und ein Kap für den passenden Hintergrund der Spielfläche. Das TableTop Regelwerk ist außerdem durch eine Kampagne und Szenarien ergänzt worden, die deutlich umfangreicher als in den Vorgänger-Büchern ausfallen.

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Gespielt wird auf einer Spielfläche, die in Quadrate unterteilt ist. Je nach Typ, Windrichtung und Wetterlage können nun die Papierschiffe bewegt und mit ihnen geschossen werden. Für das Spiel ist es wichtig zu erwähnen, wie unterschiedlich die beiden Flotten gebaut und ausgestattet waren.

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Spanische Armada

Die Spanier setzten auf ihre Erfahrung und ihre Traditionen. Ihre Schiffe hatten hohe, burgartige und ihrer Meinung nach furchteinflößende Heckaufbauten, Kastelle genannt. Diese hohen Aufbauten sorgten für einen hohen Schwerpunkt der Schiffe, der durch größeren Tiefgang kompensiert werden musste. Dieser Tiefgang wiederum machte die Schiffe jedoch langsam und schwerfällig. Die hohen Aufbauten waren auch windanfällig und boten große Ziele. Bei der Bewaffnung setzten die Spanier auf großkalibrige, schwere Eisenkanonen mit eingeschränkter Reichweite. Die schwersten Kaliber konnten wegen ihres Gewichts aber nur in geringer Stückzahl mitgeführt werden und befanden sich im unteren Batteriedeck, welches bei schwerer See nicht benutzt werden konnte. Die Erfahrungen aus den Schlachten im eher ruhigen Mittelmeer taugten nichts für die Gefechte im häufig stürmischen Nordatlantik. Zudem mobilisierten die Spanier alles, was ihnen zur Verfügung stand, was zu einem breit gefächerten Sammelsurium an verschiedenen Typen bis hin zu Galeeren führte. Das erschwerte es, die Schiffe in Verbänden einzusetzen, da sich ein Verband immer an den langsamsten und trägsten Schiffen orientieren musste. Als problematisch sollte sich der lange Lafettenschwanz der spanischen Kanone erweisen, die gerade im engen Kanonendeck langsamer nachgeladen werden konnten, als die kompakteren Blocklafetten der Engländer. Die Taktik der Spanier verlangte den Feind durch einige Salven zu zermürben und ihn dann im Enterkampf niederzuringen, bei dem gerade die Transportschiffe mit ihren vielen Fußsoldaten eine große Bedeutung hatten.

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Die mehr als 130 Schiffe waren mit etwa 27.000 Soldaten bemannt und mit 2.431 Kanonen bestückt. Die Flotte bestand im Kern aus 64 Galeonen, mehrdeckigen Segelschiffen mit drei Masten, hohen Aufbauten, acht bis zehn großkalibrigen Eisenkanonen je Seite im Unterdeck und kleinkalibrigen Kanonen im Oberdeck sowie zwei nach hinten gerichteten Kanonen im Heck. Diese Schiffe hatten je nach Schiffsgröße 100 bis 500 Mann an Bord. Hinzu kamen vier veraltete Galeassen mit zwei Decks für 300 Mann Besatzung, einigen Geschützen auf dem Oberdeck und 300 Ruderern auf dem Unterdeck. Den ältesten Teil der Flotte stellten vier Galeeren mit 200 bis 300 Mann Besatzung und 100 bis 150 Soldaten für den Enterkampf dar. Die Armada wurde zudem von zahlreichen Versorgungsschiffen begleitet.

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Englische Flotte

Die Engländer verzichteten bei ihren Schiffen auf hohe Aufbauten und konnten somit auch den Tiefgang der Schiffe gering halten, ohne dass ihre Stabilität darunter litt. Das machte die Schiffe schnell und wendig. Die eher kleinkalibrigen leichteren englischen Bronzekanonen hatten einen im Gegensatz zu den schweren spanischen Eisenkanonen längeren Lauf, was die Reichweite der Geschosse deutlich erhöhte, die Kanonen aber nur wenig schwerer machte. Generell waren die englischen Kanonen leichter und kleiner als die spanischen, was sich wiederum günstig auf Tiefgang und Balance auswirkte. Der längere Lauf machte sie aber weittragender und treffsicherer. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung war auch die Ausbildung der Kanoniere, die bei den Engländern Seeleute waren, die deshalb regelmäßig mit ihren Kanonen trainierte, während die Spanier auf Soldaten zurückgriffen, die nur verhältnismäßig wenig Erfahrung darin hatten. Als Folge der oben genannten Faktoren konnten die englischen Schiffe eine dreimal höhere Feuerrate im Vergleich zu den Spaniern erzielen. Auch die Engländer hatten verschiedene Schiffstypen in ihrer Flotte, jedoch waren sie von ihren Leistungsdaten recht ähnlich, zudem gelang es auch, sie zu homogenen Gruppen zusammenzufassen, um die Vorteile der Schiffstypen gezielter einsetzen zu können. Ein weiterer nicht unerheblicher Vorteil war die Qualität der englischen Seeleute und Offiziere, die ihren Posten eigenen Verdiensten verdankten und nicht ihrer Abstammung oder der Protektion von Höflingen. So war zwar ein Herzog der Kommandant der englischen Flotte, aber die Vizeadmiräle bestanden allesamt aus bekannten Kaperkapitänen und ausgezeichneten Seeleuten. Francis Drake war beispielsweise der Sohn eines Bauern und hatte seine Karriere als Schiffsjunge begonnen.

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Entsprechend der unterschiedlichen Flotten und der Gegebenheiten im englischen Kanal sind die Regeln formuliert. Das Regelwerk kann also nicht für andere Schiffschlachten dieser Zeit verwendet werden, ist also komplett an die Armada – Kampagne gebunden.

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Weiter Aussichten

Neben den zwei neuen Büchern sind auch weitere Papiersoldaten-TableTop-Bände angekündigt. Als nächsten startet eine neue Serie mit dem Titel „Battles in America“. Die ersten beiden Titel dieser Reihe sind „American Civil War“ und „American War of Independence“. Dann folgt eine Reihe über den Spanischen Erbfolgekrieg, der wohl in mehrere Bände unterteilt ist. Ein Band wird dann übrigens nur Gebäude enthalten. Ein weiteres Buch mit Schiffen und Seeschlachten der Napoleonischen Kriege ist ebenfalls schon in Arbeit. Und natürlich ist sind auf die Landschlachten der Napoleonischen Kriege geplant. Hier will Peter Dennis laut eigener Aussage aber noch mehr Erfahrung in der Gestaltung der Figuren und Geländestücke sammeln, so dass diese Epoche eine Art krönender Abschluss der Papierfiguren wird. Neben Peter Dennis und Andy Callan, arbeitet jetzt auch Florian Richter (aus Hamburg) an den nächsten Büchern mit. Man darf gespannt sein.

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