Die Norddeutsche SAGA – Groß Raden

Rund 1 km nordöstlich des heutigen Dorfes Groß Raden in Mecklenburg, auf einer Halbinsel im Sternberger See, entdeckte man 1973 bei Ausgrabungsarbeiten eine größere slawische Siedlung. Heute ist an dieser Stelle ein Archäologisches Freilichtmuseum beheimatet.

Bei dem hier einst ansässigen slawischen Stamm handelte es sich um die Warnower. Dieser Stamm errichtete an diesem Ort nacheinander zwei Siedlungen, eine im 9. und eine im 10. Jh. n. Chr. und das mit verschiedenartigen Häusertypen. Bei diesen unterschiedlichen Bauformen handelt sich um Häuser mit Flechtwänden und um Blockhäuser. Schon der Eingangsbereich der Anlage mit seinem Torhaus, der Brücken und dem gesicherten Graben sind sehenswert.

Die älteren Flechtwandbauten waren ca. 4 x 5 Meter groß und 2 Meter hoch. Auf dem Sandboden im Inneren befand sich jeweils eine Herdstelle. Die Gebäude waren links und rechts eines Weges aufgereiht, welcher über eine Brücke bis zur vorgelagerten Insel reichte. In der ersten Siedlungsphase standen auf der Insel nur ein paar kleine Gebäude, die vermutlich als Vorratslager dienten. Am südöstlichen Rand der Siedlung ein hölzerner Kultbezirks, dessen Wände aus zweireihig aufgestellten Brettern bestanden. Der Tempel wie auch die Siedlung sind um das Jahr 900 durch einen Brand zerstört worden.

Die jüngeren, in Blockbauweise errichteten Häuser waren deutlich größer. Sie sind wohl zweiräumig gewesen und hatten meist einen Kuppelofen. Nach der Zerstörung der ersten Siedlung und des Tempels, errichtete man auf der vorgelagerten Insel ein neues Heiligtum und umgab es mit einem 8 Meter hohen Wall. Der Innendurchmesser dieser Anlage betrug rund 25 Meter. Eine in der Mitte gelegene Grube diente als Standort für eine große Götter-Stele, die kleinen Bauten auf der Innenseite waren vermutlich Behausungen für die Priester.

Aus den Häusern und den als Werk- und Marktplatz genutzten Freiflächen wurden weit über 46.000 Keramikscherben, mehr als 110 ganze Gefäße, Tierknochen, Eisenwerkzeuge, Geräte zur Textilherstellung sowie Werkreste von Kammmachern, Böttchern, Drechslern und Schmieden gefunden.

Das Museum wurde schon im Jahr 1987 eröffnet und seitdem ständig erweitert. So sind mittlerweile auch zwei Nachbauten slawischer Boote entstanden. Ein neue Museumsgebäude folgte 2002 und seit 2009 gibt es hier eine moderne Dauerausstellung zu bestaunen, in der auch viele der erwähnten Fundstücke zu sehen sind.

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