Waterloo – Das östliche Schlachtfeld

Nachdem ich in den letzten Jahren die Museen und Orte im Zentrum und auf dem westlichen Waterloo-Schlachtfeldes besichtigt hatte, wollte ich bei meinem Besuch in diesem Jahr alle restlichen Sehenswürdigkeiten erkunden. Bei Schlachtfeld-Besichtigungen finde ich es immer wichtig, durch die Begehung ein Gefühl für die Landschaft und ihre Besonderheiten zu entwickeln. dazu zählen nicht nur Hügel und Täler, sondern auch Wasserläufe, Wege und natürlich auch Bauwerke. Glücklicherweise ist die Landschaft auf dem Schlachtfeld von Waterloo noch nahezu unverbaut erhalten.

Seit diesem Jahr führt ein Weg vom großen Museumsparkplatz zur Farm Mont-Saint-Jean, die ebenso wie La Haye Sainte unmittelbar an der Brüsseler Chaussee liegt. Mont-Sainte-Jean ist der erste wichtige Ort in der Anglo-Allierten Schlachtreihe, den man auf dem östlichen Teil des Schlachtfeldes findet. Bereits im 11. Jahrhundert stand hier ein Gebäude des Hospitalier-Orden vom heiligen Jean, der 1778 vom Malteserorden umgebaut wurde und die heutige Form erhielt.

Die Farm wurde in den letzten Jahren restauriert und zu einer kleinen Bierbrauerei sowie einem Museum umgewandelt. Über die Brauerei hatte ich bereits in einem anderen Artikel berichtet. Doch die Umgestaltung ist noch nicht beendet und so gehen auch in diesem Jahr die Bauarbeiten weiter, bei denen weitere Teile der Farm instand gesetzt werden.

Das kleine Museum der Farm Mont-Saint-Jean trägt den Namen „the reverse of the medal“ und beinhaltet die Geschichte des britischen Feld-Hospitals, welches hier während und nach der Schlacht beheimatet war. An einer Mauer der Farm hängt heute eine Tafel, die an das Royal Army Medical Corps erinnert, dass hier die unzähligen britischen Verwundeten versorgte.

Von der Farm Mont-Saint-Jean führte mich mein Weg jetzt nach Süden zur großen Kreuzung und von dort nach Osten auf die Straße nach Ohain.

Unmittelbar am Anfang der Straße mit Namen Rue de Dimont, steht das sogenannte Belgische Monument, welches für die belgischen Soldaten errichtet wurde, die 1815 während der Schlacht ihr Leben ließen.

Dazu zählten auch die Männer der Brigade Bylandt, die vor der britischen Linie positioniert und dort dem Feuer der großen Batterie ausgesetzt waren. Die Inschrift auf dem Monument lautet „Den Belgiern, die am 18. Juni 1815 kämpfend für die Verteidigung der Fahne und die Ehre der Armee gefallen sind“.

Entlang dieses Weges nach Ohain standen einst die britischen Bataillone der Division Picton und hier fiel auch der berühmte britische General tödlich getroffen vor der Linie seiner Soldaten. Ein kleiner Gedenkstein am Rande der Straße erinnert an den berühmten Veteranen des Peninsular-Feldzuges.

Die Inschrift des Picton Denkmals lautet: „To the gallant memory of Lt General Sir Thomas Picton Commander of the 5th Division and the left wing of the Army at the battle of Waterloo. Born 1758. Died near this spot in the early afternoon of 18th June 1815 leading his men against Count Drouet d’Erlons advance.“

Interessant ist an dieser Stelle auch der Blick über das Schlachtfeld. Man schaut hier über die wellenartige Landschaft, die wie ein wogendes Meer vor einem liegt.

Eines der britischen Regimenter in einer Reservestellung hinter der Britischen Frontlinie war das 27. Infanterie-Regiment, Inniskilling genannt. Das Regiment , das zur Brigade Lambert gehörte, stand während der Schlacht östlich der Straßenkreuzung im Karree und verlor hier 493 seiner insgesamt 747 Mann durch Artilleriebeschuss. Zu Ehren der Gefallenen dieses Regiments, von denen Wellington sagte, es hätte das Zentrum seiner Linie gerettet, wurde 1990 eine Ehrentafel aufgestellt.

Ein kleines Stück die Straße hinunter trifft man auf eine weitere Gedenktafel. Sie ist dem 21. französischen Linien Infanterie Regiment gewidmet. Dieses Regiment war Teil des Angriffs des I Corps D’Erlon und und gehörte zur Division Marcognet. Das 21. Regiment traf hier, wo von der Rue de Dimont die Rue de la Croix abzweigt, auf die Britische Linie der Brigade Pack.

Von hier aus noch einmal der Blick auf das Schlachtfeld in Richtung Brüsseler Chaussee.

Schließlich erreicht man die Farm Papelotte, die hier im Osten des Schlachtfeldes eine Verteidigungsposition der Anglo-Alliierten Armee bildete. Hier kämpften die Truppen der Nassauer Brigade unter dem Kommando von Hauptmann von Rittberg. Am Abend trafen an dieser Stelle die Preußen erstmals auf die Position der Anglo-Allierten Armee. Die Farm ist heute in Privatbesitz und ein Ponyhof.

Hinter Papelotte trifft am auf einer Reihe von Farmen und Gebäuden, wie La Haye, Smohain und das Schloss von Frichermont, alles Gebäude, die damlas hart umkämpft wurden, aber heute nicht mehr im Original erhalten sind.

Je östlicher man kommt, desto steiler werden die Hügel und tiefer die Täler. Enge Hohlwege durchziehen das Gelände. Durch Hecken und Bäume ist die Landschaft schließlich völlig unübersichtlich und erst als ich die Kirchturmspitze von Plancenoit erblicke, weiß ich wieder, wo ich mich befinde.

Kommt man wie ich von Norden nach Plancenoit, passiert man als erstes das Preußische Monument. Hier kämpfte das Preußische Korps Bülow gegen die französischen Truppen des General Lobau. Dort wo heute das Monument steht, versuchte einst eine französische Batterie den preußischen Vormarsch aufzuhalten. Das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Denkmal wurde 1819 an dieser Stelle aufgestellt.

An einem Kreisverkehr am Ortseingang, steht das Denkmal der Jungen Imperialen Garde, die Napoleon zur Verstärkung nach Plancenoit geschickt hatte.

Von hier aus blickt man hinunter zur Kirche und das Zentrum des Dorfes.

Der große Dorfplatz von Plancenoit, der in mehreren Stufen in eine kleine Talsenke abfällt, wird von der Kirche St. Catherine dominiert. Bis auf die Frontfassade wurde die Kirche während der Kämpfe komplett zerstört.

Neben dem Eingang der Tür findet man erneut eine Ehrentafel. Sie ist dem jungen französischen Leutnant Louis gewidmet, der hier im Kampf fiel.

Ein Blick in das Innere der Kirche.

Auf der Rückseite der Kirche, dort wo man die damals heiß umkämpfte Kirchhofmauer sieht, sieht man ein weitere Gedenktafel. Sie ist dem 8. Regiment der Französischen Artillerie gewidmet.

Diese Bild von der Rückseite der Kirche habe ich bei meinem ersten Besuch 1999 gemacht.

Von Plancenoit ging ich wieder zurück zur Brüsseler Chaussee. Hier steht die alte Herberge La Belle Alliance, von wo aus Napoleon und sein Stab die Schlacht lenkten und wo sich nach der Schlacht die beiden Oberkommandierenden Wellington und Blücher die Hand reichten. Leider ist das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand und wird gerade restauriert.

Eine Gedenktafel über der Eingangstür erinnert an die Begegung von.

Eine weitere Gedenktafel ist dem Service de Sante, dem französischen Sanitätsdienst gewidment.

Hinter der Herberge erhebt sich die Victor Hugo Säule. Er verbrachte einige Zeit auf dem Schlachtfeld und beendete hier die Arbeit an seiner Novelle Les Miserables.

Unmittelbar gegenüber auf der anderen Straßenseite findet man das Denkmal L’Aigle blessé, den verwundete Adler.

An dieser Stelle soll General Cambronne, Kommandant des 1. Chasseur-Regiment der Alten Garde, den Ausspruch „Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht“ gerufen haben. Der verwundete Adler wurde von dem französischen Künstler Jean-Léon Gérôme erstellt und am 18. Juni 1904 errichtet.

Mein Rundweg führt mich nun wieder die Brüsseler Chaussee in Richtung der ehmals britischen Linie.

Vorbei geht es an der Farm La Haye Sainte bis schließlich meine letzte Station, das Monument der Hannoveraner erreicht ist. Hier befand sich damals die berühmte Sandgrube, die nach der Schlacht als Massengrab für 4.000 Gefallenen diente. Der Gedenkstein erinnert an die 42 Offiziere, die im Kampf um La Haye Sainte getötet wurden.

Und hier endet mein Rundgang über das östliche Schlachtfeld von Waterloo.

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