Napoleons Feldlager

Eine Sonderausstellung im Wellington Museum in Waterloo zeigt derzeit in einer kleinen aber feinen Ausstellung sowohl originale als auch rekonstruierte Gegenstände des kaiserlichen Feldlagers. Die Ausstellung trägt den Namen „Le bivouac de l’Empereur“ und ist noch bis 01.09.2019 im Wellington Museum zu sehen.

Im Jahr 1812, in Vorbereitung auf den Russlandfeldzug, wurde der kaiserliche Tross für das Gepäck Napoleons in vier Abteilungen gegliedert. Dies waren der Service lèger, der Service d’expèdition, der Gros bagages und der Èquipages de selle. Im Waterloo-Feldzug von 1815 bestand der Service d’expèdition, der kaiserliche Wagentrain im Feld, aus 14 Wagen für den Stab und die Diener. Der schweren und leichten Gepäck-Train, der sogenannte Gros bagages und Service lèger, setzte sich zum einen aus 24 Wagen mit 240 Pferden und zum anderen aus einer Kolonne von 76 Maultieren und Pferden zusammen. Im Èquipages de selle wurden die Ersatztiere mitgeführt, welche zu 10 Brigaden mit je 13 Pferden an lang der Reise-Route des Kaisers bereitstanden und von einem Offizier und 20 reitenden Chasseurs der Garde gesichert wurden. Das Gepäck Napoleons bestand aus Zelten, Betten, Verpflegung und sonstigen Feldlager-Gebrauchsgegenständen.

Napoleons Feldlager zeugt von der außergewöhnlicher Handwerkskunst des Kaiserreiches. Das Lob gilt in erster Linie den talentierten Zulieferern des Möbel-Depots, die durch Anpassungsfähigkeit und Sorgfalt herausragende Arbeit leisteten. Die Ausstattung seines Feldlagers ermöglichte Napoleon eine rigorose Machtdemonstration gegenüber seinen Feinden, aber auch gegenüber seiner Grande Armée. Auf dem Schlachtfeld verkörperte Napoleon sowohl den kommandierenden General der Armee als auch den Kaiser von Frankreich in einer Person. Letzte Forschungen haben gezeigt, des es ungefähr 30 Werkstätten und Händler gab, vornehmlich aus Paris, die Napoleon mit seinen Möbeln und Alltagsgegenständen für den Einsatz im Feld versorgten. Dies beinhaltete Möbelschreiner, Goldschmiede, Optiker, Schlosser, Färber, Teppichknüpfer, Gerber, Waschfrauen, Sattler, Kürschner, Polsterer, Tuchmacher, Lampenmacher, Bronzegießer sowie Hersteller von Schachteln, Kisten, Betten und sämtlichen Gebrauchsgegenständen. Einige von ihnen waren weltberühmt, manche bleiben bis heute unbekannt, aber alle fertigten Gegenstände von höchster Qualität. Ob kleiner Betrieb oder große Werkstatt, alle waren vertrauensvolle Handwerker des imperialen Möbel-Depots, welches für die gesamte Ausstattung des royalen Haushalts zuständig war.

Napoleons großes Feldlager

Vor allem während der Russland-Kampagne von 1812 wurden Zelte für die Unterbringung Napoleons und seines Haushalts genutzt. Das komplette Feldlager umfasste 22 Rundzelte und 3 große ovale Zelte und stand auf einer Fläche von 200 x 400 Metern. Die Zeltstadt des Kaisers bestand aus drei Rund- und einen Oval-Zelt, welche unmittelbar in einer Reihe standen und durch Stoffkorridore miteinander verbunden waren. Diese vier Zelte wurden als erster und zweiter Salon, Kabinett und Schlafkammer bezeichnet und üblicherweise zusammen auf einem Wagen transportiert. Wurde nur das große ovale Zelt aufgestellt, dann unterteilte man dieses durch Innenwände in Arbeits- und Wohnkammern.

Das Feldlager und auch das Zelt des Kaisers besaßen durch Laternen beleuchte Eingänge und wurden ständig von Einheiten der kaiserlichen Garde bewacht.

Die Rekonstruktion von Napoleons Feldlager in der Ausstellung basiert ausschließlich auf wissenschaftlichen Forschungen, einer akribischen Studie der Objekte, der Restaurierung originaler Arbeiten und auf die Rekonstruktion fehlender Teile nach Studien der Nationalen Möbel Kollektion, beruhend auf Aufzeichnungen dieser Epoche. Bis heute ist ein altes, ovales Zelt im Besitz der Nationalen Möbel Kollektion, welches hier gezeigt wird und ein Gestell umgibt, welches in der Werkstatt dieser Institution angefertigt wurde.

Das hier gezeigte Zelt wurde an das Möbel-Depot im Jahr 1835 ausgeliefert und gleicht dem, mit welchem der imperiale Haushalt für die Spanien-Feldzug im Jahr 1808 ausgestattet worden war. Es bestand aus einem Dach, genannt „Corps“, und vier Außenwänden sowie inneren Vorhängen, welche das Zelt in einen Schlafraum, einen Arbeitsraum sowie einen Waschraum unterteilten. Die Außenseite des Zeltes besteht aus einem Material mit Namen „coutil“, dass aus sehr robustem Segeltuch gewebt wurde.

Die Innenseite hatte ein gedrucktes Blumenmotiv, welches dem Zelt eine gewisse Behaglichkeit verlieh. Dieser Stoff ist typisch für den „Toile de Jour“ des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Außerdem lässt die verwendete Technik vermuten, dass die Herstellung dieses Zelttuchs schon vor 1808 erfolgte. Es könnte also sein, dass ein altes Tuch nochmals zur Herstellung eines neuen Zelts verwendet wurde. Während der Zeit von 1808 bis 1813 wurde mindestens 17 Zelte für Napoleon angefertigt. Hersteller war immer der Polsterer Poussin. Nach einem Feldzug wurden die Zelte immer von Lady Le Chevallier repariert.

Im Inneren des Zeltes sieht man neben dem Tisch, der Lampe und dem Stuhl des Kaisers auch ein originales Bettgestell Napoleons mit Bettzeug, welches nach den ursprünglichen Anweisungen des Kaisers reproduziert wurde. Napoleons Feldbett hatte ein eisernes Bettgestell mit einer Segeltuch-Basis und drei aufeinander gestapelten Matratzen. Die erste Matratze war mit Pferdehaar, die zweite mit Wolle und die dritte mit Daunen gepolstert. Es gab außerdem ein Kissen und eine Nackenrolle mit einer Daunenfüllung, ein oder zwei Überdecken aus Seide oder Wolle sowie einen Vorhang aus seidenem Taft.

Es findet sich außerdem ein Teppich, der mit alten Techniken durch die Werkstatt der Nationalen Möbel-Kollektion gefertigt wurde, um die Anmutung zu vervollständigen, die ein Lager zur Zeit einer Kampagne Napoleons gehabt hätte. Dieser Teppich mit Leopardenfell-Muster lag in der Schlafkammer Napoleons.

Quadratisches Zelt des kaiserlichen „leichten Haushalts“.

Am 25. April 1812 wurde in Vorbereitung der Russland Kampagne eine große Lieferung von Zelten für den persönlichen Gebrauch Napoleon und seinen kaiserlichen Haushalt vom Möbel-Depot ausgeliefert. Sie waren Teil des sogenannten „leichten Haushalts“, welcher nichts desto trotz 882 Kilo wog und unter anderem aus vier quadratischen Zelten und seinen schützenden Außenplanen bestand.

Nicht so voluminös und schwer wie das große ovale Zelt, welches Napoleon üblicherweise benutzte, war diese kleinere Version für den Gebrauch im Feldlager entwickelt worden, also wenn es darum ging, mobil zu sein und ihn taktische Gründen zwangen, schnell von Ort zu Ort reisen zu können. Der Leichte Haushalt konnte vollständig auf dem Rücken von Maultieren transportiert werden, was es ihn unabhängig vom Zustand der Straßen machte, auf welche die schwere Ausstattung des Kaisers angewiesen war, welche auf Wagen transportiert wurde. Die neun Maultiere für das persönliche Gepäck Napoleons, waren in drei Teams aufgeteilt. Sechs dieser Tiere transportierte 2 Feldbetten, drei trugen die Zelte und zwei führte man als Ersatztiere mit. Die Maultiere wurden von einem Kammerdiener, einem Chefkoch, zwei Köchen, einem Diener und einem Stallknecht auf Pferden begleitet.

Im Jahr 1813, mit Sicherheit durch den Verlust in der Russland Kampagne, wurden weitere 8 identische quadratische Zelte an das Möbel-Depot geliefert. Die Teile der Zelte, die hier ausgestellt werden, gehören also zu eine dieser beiden Lieferungen. Doch die Geschichte endet nicht mit der Kampagne von 1813 bis 1814, denn die quadratischen Zelte wurden auch im Jahr 1815 vom Möbel-Depot ausgegeben. Sie begleiten Napoleon auf seiner neuen Kampagne und sind somit auch bei Waterloo mitgeführt worden.

Es gibt nur noch zwei in Teilen erhaltene Zelte dieses Typs, von denen hier in der Ausstellung das Dach und eine Außenwand zu sehen sind. Man erkennt eine Schlamm-Barriere am unteren Rand des Zelts, welche das Eindringen von Staub und Schlamm verhindern sollte. Das Dach und die Wände wurden durch Klammern miteinander verbunden. Das Zeltgestell ist eine Reproduktion und besaß im Original eine zentrale Stange.

Gesichert wurden die Zelte durch eine Vielzahl von Seilen und hölzernen Zeltpflöcken. Die Nationale Möbel-Kollektion besitz noch heute eine große Zahl an Werkzeugen, Zeltstangen, Pflöcken und Seilen, die im 19. Jahrhundert verwendet wurden und mit denen der Napoleonischen Kriege identisch sind.

Die Encyclopédie méthodique besteht aus 210 Bänden. Die 1784 von Roland de la Platiére produzierten Bücher widmen sich dem Handwerk. Diese Zeichnungen, die daraus entnommen sind, zeigen das Handwerk des Polsterers und erklären, wie Zelte hergestellt wurden. Napoleons Zelt aus dem Jahr 1808 ist exakt dasselbe, welches man ursprünglich für eine General gefertigt hatte und in den Tafel VIII und IX zu sehen ist.

SCHLAFRAUM

RegenschirmbettEntwickelt in Konsular-Zeit Napoleons und im Jahr 1804 patentiert vom Pariser Schlosser Marie-Jean Desouches, wurde das eiserne Feldbett, auch bekannt als „Regenschirm-Bett“, zunächst von Napoleon und dann auch von seiner Familie benutzt. Dieses Bett war eine außergewöhnliche Erfindung. Es beeinflusste die gesamte Herstellung folgenden Reisemöbel, bis zu der Zeit, in der faltbare Kinderbetten, die noch heute in Frankreich „Regenschirm-Betten“ genannt werden, allgemein üblich wurden. Was den Unterschied dieses Bettes zu seinen Vorgängermodellen ausmachte, war, dass es aus einem Stück gefertigt wurde und mit Gelenken versehen war, um es so platzsparend falten zu können. Dem Schläfer wurde außerdem durch eine flexible Matratze eine komfortable Nachtruhe ermöglicht. Im Jahr 1809 wurde vom Hersteller ein verbessertes Patent angemeldet, welche einige Anpassungen beinhaltete. Beeindruckung durch den Einfallsreichtum und Qualität, benutzte Napoleon das Bett für den Rest seines Lebens, von Austerlitz bis Waterloo, von Fontainebleau bis Saint Helena.

Wie erwähnt, war Napoleon von der Erfindung so beeindruckt, dass er angepasste Modelle für seine gesamte Familie herstellen ließ. Entwickelt für die „Kinder Frankreichs“, verwendete dieses eiserne Faltbett dieselbe Technologie, wie auch das größere Modell des Kaiserlichen Feldbettes, jedoch in einem kleineren Maßstab.

Als akribische Handwerker und Händler, waren die Zulieferer des Möbel-Depots ständig auf der Suche nach neuen Formen und Techniken, für welche sie Eigentümer-Patente beantragten. Der Schlosser Marie-Jean Desouches erfand einen Gegenstand der direkt mit Napoleon verknüpft war, das berühmte faltbare eiserne Bett. Der Handwerker beantragte zwei Patente, eines im Jahr 1804 und eines im Jahr 1809. Das zweite Patent modifizierte die Erfindung, um sie den Wünschen des Kaisers anzupassen. Dieser befand das Bett als zu sperrig und schwer, sobald sein Wagenpark enge und holprige Straßen befuhr. Das Bett sollte außerdem komfortabler werden. Daraufhin gestaltete Desouches das Eisengestell so, dass man es auseinandernehmen und so auf mehrere Maultiere verteilen konnte. Außerdem ließ sich nun die Höhe der Matratze justieren. Der Polsterer Darrac, der vom Möbel-Depot beauftragt wurde Vorhänge für das Bett zu fertigen, erhielt für seine Arbeit im Jahr 1812 ebenfalls ein Patent.

Hier das Patent für die verbesserte Variante für 5 Jahre, beantragt am 5.2.1809 von Marie-Jean Desouches, Schlosser des Möbel-Depots seiner Majestät, für ein transportables eisernes Bett, welches sich wie ein Regenschirm zusammenfalten lässt.

Faltbares FeldbettEs war ein Nachfahre von Marie-Jean Desouches, dem Schlosser Napoleons, der diese X-förmige Bett in den Jahren 1835-1839 fertigte. Diese Form wurde im 19. Jahrhundert allgemein üblich und ist bis heute noch die traditionelle Form für eine Feldbett. Die Basis, ein Segeltuch dekoriert mit geometrischen Motiven, ist an ein Bettgestell genäht. Die gesamte Konstruktion kann zusammengefaltet und in einer Transport-Schachtel aufbewahrt werden. Schmaler als Napoleons Bett und weniger filigran gefertigt, ist diese Modell jedoch leichter. Es ist bemalt, vermutlich um das Metall vor Rost zu schützen. Das Ganze wurde für einen der Söhne Louis-Phillipe’s gefertigt, der an der Eroberung Algeriens in den Jahren 1830 bis 1847 teilnahm.

Schachtel für ein FaltbettDiese Schachtel enthielt die Eisenteile eines Bettes, dass für die Schlafkammer der Kaiserin Marie-Louise in Compìegne gefertigt wurde. Es ist mit denen identisch, die Napoleon für den Transport seiner Betten auf Reisen verwendete. Die Kaiserin und ihr Sohn benutzten viele der eisernen Betten, die der Schlosser Desouches erfunden hatte.

Faltbett-HülleDie verlängerte Basis des Bettes, von Desouches verbessert, ist ein wichtiger Bestandteil der Erfindung. Sie ersetzte die herkömmlichen Lederriemen, die der Erfinder als unkomfortable und zu geruchsintensiv empfand. Das Segeltuch, aus dem die Basis des Bettes gemacht ist, wurde mit dem Bettgestell durch Metallhaken verbunden.

Diese Bild zeigt Napoleon in seinem Bett aus Austerlitz, 15 Stunden nach seinem Tod am 5. Mai 1821. Napoleon besaß zahlreich Faltbetten, die alle ständig in seinen Palästen in Gebrauch waren, wie beispielsweise jenes, dass im Schlafzimmer des Schlosses Fontainebleau stand. Eines der Betten nahm er mit in sein Exil auf die Insel St. Helena. Er starb sogar in diesem Bett. Die eisernen Desouches-Betten erlangten ohne Zweifel vor allem durch dieses Bild, dass den Kaiser im Leichentuch wenige Stunden nach seinem Tod zeigt, große Berühmtheit.

WOHNRAUM

Im Zeltlager Napoleons gab es mehrere Klapptische und Stühle für seine Schreiber und Adjutanten, einen faltbaren Armsessel aus Holz und rotem Leder, und zwei Klapphocker, die von Jacob-Desmalter dem Besitzer der einflussreichsten und erfolgreichsten Möbelwerkstätten in Paris, die Jacob-Desmalter et Cie, hergestellt worden waren. Die Möbel konnten in ledernen Taschen verstaut und auf Maultieren transportiert werden.

Während des Transports wurden die vier schlanken Tischbeine, mit Füßen in einer umgekehrte Ambossform, unter die Tischplatte geklappt, wo sie durch eine Lederschnalle gesichert wurden. Die Tischplatte wurde aus Pappelholz gefertigt, um die Konstruktion leichter zu machen, während der Rahmen aus Eichenholz besteht, um dem Tisch die nötige Stabilität zu geben.

Napoleon benutzte diese Art von Armsessel, der mit rotem Leder bespannt war, während seiner Feldzüge.

Diese dreiarmige Tischleuchte, auch „bouilotte lamp“ genannt, ist eine von sechs Lampen, die zusammen mit ihren Schachteln von Thomire für die Russland-Kampagne geliefert wurden.

Dieser transportable Tisch hat ein geniales Design. Seine drei Beine und drei Tischplatten lassen sich durch Scharniere zu einem Rechteck von wenigen Zentimetern Höhe zusammenklappen und in einer mit Leder verstärken Segeltuchhülle verstauen. Außerdem kann der Tisch durch Metallhaken mit weiteren identischen Tischen verbunden werden und so je nach Bedarf eine kleinere oder größere Tischfläche bilden. Obwohl dieser Tisch schon häufig als einer von Napoleons Möbel ausgestellt wurde, stammt dieser vermutlich eher aus den 1830er Jahren, da bisher kein Auftrag für die Herstellung eines solchen Tische gefunden wurde.

Die Reisekoffer, Kisten und Container für Napoleons Kampagnen-Möbel waren Garantie dafür, dass die Gegenstände trotz schlechter Wegverhältnisse eine lange Lebensdauer hatten. Damals wie heute wurden die Verpackungen außerdem genutzt, um dort die Marke der Hersteller-Werkstatt anzubringen.

ESSRAUM

Das Essservice, welches Napoleon für seinen persönlichen Gebrauch bestellte, wurde in den Jahren 1808 bis 1810 in Sèvers gefertigt. Die hier gezeigten Teller zeigen die prachtvolle Ausstattung des Geschirrs.

Die Schachtel zeigt, dass das Service jederzeit von einem Ort zum anderen transportiert werden konnte.

Dieses goldene Besteck ist mit dem Wappen des Kaisers geschmückt.

Selbst diese Glasflasche ist mit dem kaiserlichen „N“ für Napoleon geschmückt.

Auf dem Feldzug verwendete Napoleon einfaches Silbergeschirr von Biennais. Martin-Guillaume Biennais war ein bekannter Pariser Gold- und Silberschmied, der seit 1789 ein Geschäft in der rue Saint-Honore hatte. Biennais war neben Thomire und Jean Baptiste Claude Odiot einer der berühmtesten Empire-Goldschmiede in Paris. Napoleon Bonaparte ernannte ihn nach seiner Kaiserkrönung zum königlichen Goldschmied. Es gab zwei verschiedene Teller-Versionen, eine mit einem einfachen Rand und eine, wie bei diesem Teller, mit einem Palmetto-Rand, welcher für ausgewählte Gäste vorgesehen war. Der schwach sichtbare Schriftzug „Waterloo“ wurde natürlich später eingraviert. Bei diesem Teller handelt es sich um ein Beutestück der Preußen aus Napoleons Kutsche.

Napoleon wurde von einem maitre d’hotel, zwei Köchen und einem Gehilfen für den Ofen begleitet, welche seine Mahlzeiten zubereiteten. Vier Kutschen und 2 Versorgungswagen wurden für das Personal und die Küchengerätschaften mitgeführt. Die bevorzugten Mahlzeiten des Kaisers bestanden aus Huhn in unterschiedlichen Zubereitungsarten, Schinken, Rebhühner, Salat von grünen Bohnen, Linsen und Kartoffeln. Berühmt ist natürlich vor allem sein Poulet Marengo. Nach einer Legende soll Napoleons Küchenchef Dunant das Gericht erfunden haben, nachdem ausgeschickte Soldaten verschiedene Lebensmittel besorgt hatten, die er zusammen zubereitete.

Er trank fast ausschließlich mit Wasser verdünnten Chambertin Wein. Der Chambertin ist ein berühmter Wein und eine Weinlage an der Côte d’Or im französischen Burgund. Als Grand Cru besitzt der Chambertin eine eigene Appellation. Erzeugt wird ausschließlich Rotwein aus der Rebsorte Pinot Noir.

WASCHRAUM

Napoleon war sehr auf seine Körperpflege bedacht. Er stand für gewöhnlich sehr früh auf, meist um 2 Uhr. Er ging nach dem Aufstehen aus seinem Schlafraum und traf sich zunächst mit seinen Sekreteren im Büro. Manchmal nahm er dann ein Bad und ging bis 7 Uhr zurück ins Bett, trank dann eine Tasse Kaffee und stieg erneut in ein sehr heißes Bad. Er liebte es zu baden und bliebt manchmal 2 Stunden in der Wanne. Sein Kammerdiener war zwar für seine Körperpflege zuständig, Napoleon rasierte sich jedoch selbst. Außerdem putze er sich auch selbst die Zähne, schnitt seine Fingernägel und besprühte sich mit großen Mengen eau de cologne. Napoleon besaß fünf große Reise-Sets und mindestens 10 kleiner Nessesairs, die auch Portemanteau genannt wurden. Diese enthielten die üblichen Gegenstände, wie Scheren, Zahnbrüsten usw. Wie schon bei Napoleons Essgeschirr, war auch Biennais der Hersteller der Toiletten-Artikel.

Dieses Reise-Nessesair enthält 24 Toiletten-Artikel. Der kleine Kasten wurde dem Count Las Cases im Oktober 1815 durch Napoleon mit den Worten „Ich habe diesen am Morgen der Schlacht von Austerlitz verwendet“ überreicht.

Napoleon besaß viele Reise-Sets, die von seinem Diener Constant verwahrt wurden. Hergestellt wurden dieses von Biennais, so wie auch das große Set mit 110 Teilen, welches im Carnavalet Museum zu sehen ist.

Hölzerne Schachtel, die zwei Rasiermesser enthält.

Portmanteau – kleines Reise-Nessesair eines Offiziers. Es gibt einen Spiegel im Deckel. Drei Einsätze, die mit rotem Leder ausgeschlagen sind liegen übereinander. Der obere Einsatz enthält zwei Stiefelanzieher, ein Taschenmesser, eine Ahle, eine Bürste, einen Behälter mit Puder und eine Phiole. Die zweite Lage enthält ein paar Scheren, einen Ohrreiniger und zwei Rasiermesser. Die unterste Lage ist mit einer Bürste und vielen kleinen persönlichen Dingen, wie einem Bildnis einer Frau aus Elfenbein gefüllt.

Obwohl weit weniger aufwendig wie das Bidet des Kaisers gestaltet, ist dieses recht ähnlich gearbeitet. Diese Kommode begleitete den Reenactor Frank Samson bei seiner Darstellung Napoleons im Rahmen verschiedener historischer Veranstaltungen.

Diese Bild zeigt das Reise-Bidet des Kaisers, ebenfalls von Biennais gefertigt, welches heute in der Ausstellung im Schloss Fontainebleau zu sehen ist.

SCHREIBRAUM

Der Kaiser führte immer eine große Auswahl an Büchern mit auf seine Kampagnen, welche dafür speziell gebunden und in kleiner Schrift gedruckt wurden, damit sie in seine Reise-Buchtruhe aus Mahagoni passten. Die Truhe hatte 3 große Schubladen, die in drei große Fächer unterteilt waren. Gesichert wurden die Schubladen durch 2 Türen an der Frontseite.

Napoleons Schreibpult- In diesem transportablen Möbelstück konnte alles untergebracht werden, was man zum Schreiben benötigte. Tinte, Sand, Wachs, Siegel, Papier und Kerzen. Napoleon verwendete dieses Schreibpult während des Österreich-Feldzuges von 1809.

Napoleons persönliche SchreibmappeDie vorgefertigten Dokumente und Briefe, die noch die Unterschrift des Kaisers benötigten, wurden Napoleon in diese Schreibmappe, welche das kaiserliche Wappen zeigt, vorgelegt.

SchreibtafelDiese Schreibunterlage gehörte Duroc, dem Großmarschall des Palastes.

Diese Monokular, auch „lorgnette“ genannt, gehörte dem Kaiser und wurde wie eine Lupe benutzt, um Dinge in kurzer Entfernung zu betrachten. Napoleon, der leicht kurzsichtig, war benutze es recht häufig.

Napoleons ReisewagenZum Gros bagages gehörten der große Reisewagen Napoleons, eine Berline oder eine Dormeuse. Hier ist die Seitenlampe einer solchen Kutsche zu sehen.

Literatur-Tipp

Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem seien die beiden Osprey-Bände Napoleon‘s Imperial Headquarters Teil 1 und Teil 2 empfohlen. Sie geben einen sehr detaillierten Einblick in das Thema und in Band zwei ist als Beispiel für Reise und Unterbringung im Feld, die der Waterloo-Kampagne beschrieben.

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