Ligny 1815 Museum

Über das Thema „Die Schlacht von Ligny“ hatte ich schon im Rahmen meines Tactica-Projektes 2015 einige Berichte geschrieben. In Ligny fand am 16. Juni 1815, zeitgleich mit der Schlacht bei Quatre-Bras, ein erstes großes Aufeinandertreffen der Truppen Napoleons auf der einen und Blüchers Preußen auf der anderen Seite statt. Diese beiden Schlachten waren der Auftakt für die zwei Tage später stattfindende Entscheidungsschlacht bei Waterloo.

In dem kleinen Dörfchen Ligny gibt es auch ein Museum, welches sich mit den Ereignissen der Schlacht beschäftigt. Es handelt sich zwar nur um ein kleines Privatmuseum, ist aber in einem stimmungsvollen Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert untergebracht, der am Abend vor der Schlacht als Hospital diente. In sieben Räumen widmet sich das Museum neben den Ereignissen vor Ort im Besonderen dem Sanitäts- und Artilleriewesen sowie den Schlachtfeldfunden aus dieser Zeit.

Sanitätswesen

Von Saint-Amand bis Boignèe, auf einer Frontlinie von rund 8 Kilometern, standen sich damals mehr als 150.000 Mann gegenüber. Am 16. Juni 1815, zwischen 15 Uhr und 22 Uhr wurde mehr als 8.000 Franzosen und 15.000 Preußen getötet, verwundet oder als vermisst gemeldet. Im Tal des Flüsschens Ligny fiel also pro Sekunde ein Mann.

Abbè Henri Dewal, der Priester von Ligny schrieb: „Meine Gemeinde ist überfüllt mit Verwundeten, ich versuche sie mit meinen Gebeten zu trösten, während ich den Sterbenden zu Hilfe komme. Die französischen Verwundeten müssen von den preußischen getrennt werden, weil sie sich, wenn sie sich Seite an Seite liegend wiederfinden, weiterhin gegenseitig bekämpfen!“

Zwischen den Farmen d’En-Haut und d’En-Bas, also in einer Entfernung von 250 Metern, bedeckten mehr als 4.000 Körper den Boden. In der Ebene von Brye wurden in den Tagen nach der Schlacht 2.000 Pferdekadaver entfernt. Nach den Kämpfen kehrten die Dorfbewohner in Begleitung des Bürgermeisters Jean-Baptiste Everarts in ihr Dorf zurück und entdeckten hier das Ausmaß der Katastrophe. Sie begegnen Soldaten mit Uniformen in Fetzen, die mit Schießpulver und Blut bedeckt waren. Am Abend des Gefechts starben in Fleurus außerdem sechs Zivilisten, als diese versuchten, aus Kisten mit Armeemunition zu stehlen und dabei eine Explosion auslösten.

Artilleriewesen

Sehr anschaulich ist eine kleine Ausstellung unterschiedlicher Artilleriegeschosse, die auf dem Schlachtfeld gefunden wurden. Mit Hilfe einiger Schautafeln und Modelle werden die Fundstücke erläutert und die Funktion der Artillerie erklärt.

Fundstücke

Zahllose Schlachtfeldfunde füllen die vielen großen und kleinen Vitrinen des Museums.

Ein besonderer Fund war diese französische Muskete, die 180 Jahre nach der Schlacht beim Dorf Tongrinne im Ligny-Bach bei Reinigungsarbeiten entdeckt wurde.

Diese Muskete (ein geändertes Modell 1777 des Jahres IX) hat ein ungewöhnliches Merkmal in ihrer Pfanne, wobei auf der Hammerseite ein Flansch vorhanden ist, der eine „Feuerwand“ darstellt. Dies erinnert eher an Waffen aus den Jahren 1816 – 18122. Ende 1803 fertigte ein Waffenhersteller aus Mutzig (Frankreich) in dem von den Brüdern Coulaux gekauften Schloss und seinen Nebengebäuden dieses Modell. Die an die französische Nationalgarde gelieferte Waffe, wurde ab April 1815 massenweise an Kampftruppen verteilt und fand so ihren Weg auf das Schlachtfeld von Ligny.

Modelle

Modelle und Dioramen der Farmgebäude von Ligny und der beiden berühmten Windmühlen von Byre und Fleurus vermitteln einen Eindruck davon, wie diese Gebäude einst ausgesehen haben.

Uniformen

Dioramen

Interessant sind die vielen Flachfiguren-Dioramen, die wie kleine Comic-Strips die Geschichte der Schlachten von Ligny und Quatre-Bras erzählen.

Fazit

In sehr schönes kleines Museum, das mit viel Liebe zum Detail betrieben wird. Die Ausstellung ist etwas unübersichtlich gegliedert, aber man entdeckt immer wieder interessante oder ungewöhnliche Objekte, die eine Besuch empfehlenswert machen.

2 Kommentare zu „Ligny 1815 Museum“

  1. Hallo Frank,
    besten Dank für den tollen Bericht. Interessant fand ich die Funde der Regimentsknöpfe der Regimenter 8ème & 29ème (4 .Division Durutte, Brigade Pégot) sowie 25ème & 45ème (3. Division Marcognet, Brigade Grenier). Ein eindeutiger Beweis dafür, dass Teile des 1. Armeekorps unterdD´Erlon am Schlachtgeschehen bei Ligny dabei waren.

    Beste Grüße, Frank

    Liken

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