U-Boot Bunker Fink II

Das Thema deutsche U-Boote im 2. Weltkrieg begleitet mich nun schon eine ganze Weile. Auch in Hamburg findet man einige wenige geschichtliche Relikte, die an die Zeit erinnern, als der Hafen noch Produktionsstätte von U-Booten war. Um diese Überreste zu sehen, muss man sich in den Südwesten von Hamburg, in den Stadtteil Finkenwerder begeben. Heute erinnern im Rüschpark in Finkenwerder die Grundmauern des U-Boot-Bunkers Fink II und Gedenktafeln an die Anlagen, die hier im 2. Weltkrieg standen. Hier im Rüschpark soll aber vor allem an die Zwangsarbeiter gedacht werden, die beim Bau der Anlagen und in der Produktion eingesetzt wurden.

So sieht der Blick auf FINK II heute aus.

Blick auf das Areal des ehemaligen Bunkers. Heute ist hier ein Sportboothafen beheimatet.

Deutsche Werft AG

In Hamburg wurden im zweiten Weltkrieg U-Boote in vier Werften gebaut. Dazu gehörten die H. C. Stülcken & Sohn Werft, Blohm & Voss, die Howaldt-Werft und die Deutsche Werft AG. Der Stadtteil Finkenwerder, eine Elbinsel, nur durch eine schmale Straßenbrücke und eine einspurige Eisenbahnbrücke mit dem Festland verbunden, war zu Beginn des zweiten Weltkrieges nur dünn besiedelt. Schon nach dem ersten Weltkrieg hatte sich hier die Deutsche Werft AG niedergelassen. Die Arbeiter wurden damals wie heute (statt der Werft, hat hier nun Airbus seine Werkshallen) mit Fähren von Hamburg über die Elbe gebracht.

Die Deutsche Werft AG nach den Luftangriffen.

Von Anfang 1941 bis April 1945 wurden 113 Boote der Typen IX C, IX C/40 und XXIII in den Anlagen der Deutschen Werft fertiggestellt. Die Entwicklung von Typ IX begann schon im Jahr 1935, in Dienst gestellt wurden die ersten Boote aber erst 1938. In den folgenden Jahren wurden fünf verbesserte Versionen dieser Klasse entwickelt. Die neuen U-Boottypen wurden in einzelnen Sektionen gebaut. So bestand beispielsweise der Typ XXI aus 8 Sektionen, dem Turm und der Außenhaut. Diese Bauteile wurden an verschiedenen Orten in Deutschland gefertigt und erst auf der Montagewerft zu einem Boot vereinigt.

Ein britischer Soldat steht nach dem Krieg in einer Sektion eines U-Bootes.

Dieses Verfahren erhöhte die Produktion und verhinderte, dass durch Luftangriffe auf einem der Standorte gleich komplette U-Boote zerstört wurden. Ab 1944 sollte die Deutsche Werft die Sektionen 3 und 6 des neuen Typs XXI für die Montagewerft Blohm & Voss hergestellt werden. Der Fertigungsplan sah vor, dass monatlich je 26 Sektionen 3 und 6 sowie 8 U-Boote vom Typ XXIII auszuliefern waren. Bis zum Frühjahr 1945 blieb die Deutsche Werft AG vor direkten Luftangriffen verschont und konnte so die Produktion aufrechterhalten. Im Herbst 1944 wurde der Bau vom Typ XXIII nach Kiel zur Germaniawerft ausgelagert. Nach dem schweren Luftangriff vom 30. März 1945 musste dann auch der Sektionsbau für den Typ XXIII eingestellt werden.

Nach der Kapitulation von Hamburg inspizieren britische Soldaten die Reste der Deutsche Werft AG und den U-Boot-Bau.

Zwangsarbeit

Wie so viele deutsche Produktionsbetriebe, beschäftigte auch die Deutsche Werft ab 1940 mehrere tausend Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und ab 1944 auch KZ-Häftlinge. Die Werft hatte für die Zwangsarbeiter drei Lager auf dem Werksgelände, fünf weitere in Finkenwerder, sechs im Hafen sowie weitere neun Lager in der Stadt errichtet. Von Oktober 1944 bis Ende März 1945 unterhielt die Werft außerdem ein Außenlager des KZ Neuengamme auf dem Werksgelände. In den Baracken dieses Lagers waren ca. 600 männliche Häftlinge, überwiegend aus der Sowjetunion, Polen, Belgien, Frankreich und Dänemark untergebracht, die als Schweißer, Schlosser oder Elektriker im U-Boot-Bau eingesetzt wurden. Bei einem Bombenangriff auf das Gelände im Dezember 1944 kamen 90 Häftlinge ums Leben. Das Lager wurde kurz vor Kriegsende geräumt und die Häftlinge wurden in Lübeck auf mehrere Schiffe, wie die Cap Arcona und die Thielbek verladen. Bei einem Bombenangriff auf diese Schiffe wurden die meisten Häftlinge getötet.

Die Skizze zeigt die Deutsche Werft (rechts) und den Bunker Fink II mit dem Hafenbecken (oben links).

So sieht der Rest der Ostwand des Bunkers heute aus. Das Boot neben den Bunker veranschaulicht die Länge des Bunkers.

Fink II

Mit dem Bau eines U-Boot-Bunkers neben der Deutschen Werft, gedachte man die fertiggestellten U-Boote unter dem Schutz der Betonwände auszurüsten.

Die letzten Arbeiten am Bunker werden durchgeführt.

Standort des Bunkers, der den Tarnnamen Fink II erhielt, war die Rüschhalbinsel am Rüschkanal. Dazu wurde der Kanal an dieser Stelle zu einem Hafenbecken ausgebaut. Neben dem Bunker gab es außerdem Kaianlagen und ein Pier, welches in das Hafenbecken hineinragte.

Blick auf den Pier im Hafenbecken nach den Luftangriffen. Man sieht vier versenkte U-Boote.

Westlich von dieser Anlage lag Fink I, ein kleiner U-Boot-Stützpunkt, der hier schon 1941 eingerichtet worden war. Die Planung von Fink II begann 1940, Beginn der Arbeiten war das Jahr 1941, fertiggestellt wurde der Bunker 1944. Geplant war zunächst ein Bunkerkomplex mit 2 Nassboxen, in die jeweils drei U-Boote passen sollten.

Im Sommer 1941 änderte man die Pläne auf 4 Boxen und kurz vor Fertigstellung wurde sogar noch eine fünfte Box hinzugefügt. Bei Fertigstellung hatte Fink II also eine Kapazität für 15 U-Boote und war damals Deutschlands größter U-Boot Bunker.

Die Außenmaße von Fink II betrugen 151,1 m x 152,9 m, die Höhe lag bei 12 m für die Box V und 8 Meter für die Boxen I bis IV. Da der Befehl für den Bau der fünften Box erst spät erfolgte, konnte diese Box nicht nahtlos an die übrigen vier angeschlossen werden. Aus diesem Grund wurde das Dach von Box V als Aufleger auf die Betondecke von Box 4 gesetzt. Durch diesen Aufleger erklärt sich der Unterschied in der Höhe. Die Betondecke hatte eine Stärke von 3 bis 4 Meter. Die Wasserfläche in den Boxen maß 112,5 x 22,5 Meter. Die meisten Außenwänden hatten eine Stärke von 2,5 m, nur die im Osten hatte eine Stärke von 3,5 m. Die Innenwände, welche die Boxen voneinander trennten, hatten eine Stärke von 2,5 m, die Doppelwände eine Stärke von 3,5 m.

Im hinteren Bereich der Bunker befanden sich Werkstätten, Lagerräume, Büros und Sanitäts-Stationen auf zwei und drei Ebenen. Alle Bereiche im Bunker wurden von einem breiten Gang an der Rückseite miteinander verbunden. Im Gang verlief ein Gleis mit Anschluss an das Eisenbahnnetz. An den beiden Enden des Ganges verschlossen schwere, mit Elektromotoren versehen Panzertüren den Bunker. Ein weiterer Zugang befand sich auf der nördlichen Bunkerrückseite.

Dieses Bild zeigt im Hintergrund die Trägerkonstruktion für die Werkstätten und Lagerräume.

Die Einfahrten in Box I, II und IV wurden mit sogenannten Schwimmtafelverschlüssen versehen. Dies waren Panzerplatten, die auf Flößen schwammen und so mit den Gezeiten auf und abgleiten konnten. Später wurden Hängetore eingebaut, die aus 2,5 m breiten Stahlelemente bestanden, die durch ein Stahlseil aus einer Nische heraus vor die Einfahrten gezogen werden konnten. Der Bunker wurde zur Verteidigung gegen Luftangriffe mit drei Flak-Stellungen auf dem Dach versehen, die mit 3,7 cm Geschützen bestückt wurden.

Hier sind gut die unterschiedlichen Panzertore vor den Einfahrten in die Boxen zu sehen.

Nach heute ist ein kleiner Rest des Hängetores von Box V zu sehen.

Im Bunker Fink II wurden vor allem Restarbeiten an den beiden neuen Bootstypen IX C und XXII durchgeführt. Nach den schweren Luftangriffen auf die Deutsche Werft hatte man schließlich auch den Bau der Sektionen 3 und 6 des Typs XXII in den Bunker verlegt. Nach dem Verlust der französischen U-Boot-Bunker in der Bretagne, standen für die Frontboote nur noch 42 Bunkerplätze in Deutschland und 16 in Norwegen zur Verfügung. Um die Einsatzbereitschaft der U-Boot-Flotte zu gewährleisten, musste die Produktion in Fink II aufgegeben werden, um die Boote nach ihren Einsätzen aufnehmen zu können. Hier wurden die beschädigten Boote Instand gesetzt und neu ausgerüstet.

Luftangriffe

Während die Werft Blohm und Voss bereits ab 1940 Luftangriffen ausgesetzt war, wurde die Deutsche Werft erst im Frühjahr 1945 bombardiert. Der erste Angriff auf den Bunker Fink II erfolgte am 4. April 1945. Bei diesem Angriff wurden 44 zwei Tonnen schwere Bomben abgeworfen, von denen aber keine den Bunker beschädigen konnte. Am 9. April kam die RAF jedoch mit 50 Lancaster-Bombern der 617. Squadron zurück. Aus einer Höhe von 3.600 Metern warfen 17 Bomber insgesamt zwei Grand Slam (10t-Bombe) und fünfzehn Tallboy (5,4t-Bombe) auf Fink II ab.

Der Bunker nach den Luftangriffen. Deutlich sind die vier riesigen (bis zu 30 m Durchmesser) Krater links und über Fink II erkennbar.

Bei dem Angriff wurden sechs Volltreffer und ein Nahtreffer erzielt. Der Nahtreffer schlug in nur etwa 30m Entfernung von der Westwand des Bunkers ein, zwei weitere Bomben fielen in die Elbe. Drei Volltreffer trafen Box I, Box II erhielt einen und Box V zwei Volltreffer. Alle Volltreffer durchschlugen die Betondecke des Bunkers.

Einer der direkten Treffer auf die Bunkerdecke.

Zudem wurden etliche Baracken auf dem Bunkerdach zerstört. Wie schon bei den Angriffen zuvor, waren auch an diesem Tag Arbeiter und Soldaten schutzsuchend in den Bunker geflüchtet. So wurden bei diesem Angriff vermutlich 58 Menschen getötet und über 120 schwer- und leichtverletzt. Durch die Explosionswirkung eines Volltreffers sank innerhalb des Bunkers außerdem ein Hebewerk mit den darin befindlichen Booten U 677 und U 982. Trotz allem erfolgte neun Tage nach dem Luftangriff, am 18. April, also drei Wochen vor Kriegsende, der Stapellauf von U 2371.

Nach dem  Deckendurchschlag in Box V wurden das Hebewerk und zwei Boote schwer beschädigt.

Sprengung

Schon im Oktober 1945 beschlossen die Briten die Sprengung des Bunkers. Die Royal Engineers verwendeten mehr als 30 Tonnen Sprengstoff. Man nutzte dabei 300 erbeutete deutsche Sprengbomben sowie 89 Sprengladungen.

Der Bunker wird zur Sprengung vorbereitet. Hier ist auch gut der Ost-Zugang mit den Gleisen zu sehen.

Ein Film, den man derzeit auch bei YouTube findet, zeigt die Vorbereitung und die Sprengung selbst. Durch die Sprengung stürzten die inneren Wände, das Dach und auch ein Teil der Außenwände ein.

Fink II nach der Sprengung.

Eine komplette Zerstörung und Beseitigung waren jedoch vorerst nicht möglich. Erst in der 1980er wurden die Reste zugeschüttet. Heute sind die letzten Überreste des ehemaligen U-Boot-Bunkers Fink II zu einem Denkmal umgestaltet. Das Denkmal Bunkerruine wurde am 26. August 2006 als Mahnmal und Gedenkstätte nationalsozialistischer Opfer zusammen mit dem Rüschpark eröffnet.

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