Omaha Beach – Strandhindernisse

Zum Schutz des Strandes, der Straßen und Widerstandsnester am Omaha Beach wurden von der deutschen Armee eine ganze Reihe unterschiedlicher Hindernisse installiert. Die Strandhindernisse wurden aus Beton-, Holz- oder Eisenelementen geformt und waren häufig zusätzlich mit Minen und Stacheldraht versehen. Bei den Hindernissen unterschied man zwischen Infanterie-Sperren, Vorstrandhindernissen zum Schutz vor Landungsbooten sowie Kampfwagensperren. Da Hindernisse aus Materialmangel nicht immer in einer durchgehenden Linie positioniert werden konnten, waren sie so angelegt, dass ein Feind, der den Hindernissen auswich, in einen stärken Feuerbereich gelenkt wurde.

Auf dem Bild sind unterschiedliche Vorstrandhindernisse, wie Hemmbalken, Pfähle, Tschechenigel, Tetraeder und belgische Tore zu sehen. In Bildmitte ist ein Fahrzeug mit Ramme sowie deutsche Soldaten, die vor dem Tiefflieger, der dieses Foto machte, flüchten.

Küstenvorfeldsperren

Vor allem die Vorstrandhindernisse, auch Küstenvorfeldsperren (K-Sperren) bereiteten den alliierten Strategen einige Sorgen. Führte man einen Angriff bei Flut auf einen Strand mit Hindernissen, dann bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass viele der ersten Landungsboote zerstört worden wären. Bei Ebbe waren die Hindernisse zwar sichtbar, allerdings mussten die Soldaten längere Strecken unter Beschuss und ohne Deckung zurücklegen.

Diese detaillierte Karte konnte die Alliierten aufgrund zahlreicher Informationen schon vor der Landung am Omaha Beach erstellen. Die Legende darunter zeigt welche Art und Anzahl von Hindernis vor dem WN 71 und 72 zu finden sind.

Die Küstenvorfeldsperren mussten von den deutschen Truppen so installiert werden, dass sie ein Landungsboot in einer Wassertiefe von 2 Meter zerstören konnten, also noch bevor Truppen das Boot verließen. Um nicht entdeckt zu werden, mussten sich die Hindernisse außerdem 50 cm unter der Wasserlinie befinden und um bei unterschiedlichem Wasserstand noch wirksam zu sein, in 4 Sperrgürtel verschiedener Tiefe verbaut werden. Je nach Wassertiefe bestand der im Durchschnitt 25 Meter tiefe Sperrgürtel aus unterschiedlichen Hindernissen. Als der Angriff der Alliierten am D-Day erfolgte, waren erst die Sperrgürtel 1 und 2 fertiggestellt und auch in Teilen noch nicht verstärkt worden. Diese beiden Sperrgürtel waren ähnlich aufgebaut und bestanden aus ca. 6 Reihen hintereinanderliegender Hindernisse.

Deutsche Soldaten spülen Pfähle mit Hilfe von Wasserschläuchen in den Sand ein.

Zu diesen Hindernissen zählten folgende Arten:

Holzpfähle

Als die einfachste Form der Küstenvorfeldsperre galt ein langer Holzpfahl, der leicht schräg und zu rund 2/3 in den Strand eingespült und an der Spitze mit einer Mine bestückt worden war. Um einen gewissen Widerstand zu bieten, musste der Pfahl eine Stärke von mindestens 30 cm aufweisen. Für diese Pfähle wurde vor allem Bäume aus dem 30 Kilometer entferntem Cerisy-Wald gefällt und von den örtlichen Bauern gegen ein geringes Entgelt zum Strand gefahren.

Hemmbalken

Ebenfalls recht kostengünstig waren Hemmbalken, eine Konstruktion aus Holzstämmen von rund 6 m Länge und 2,5 m Höhe, die durch ihre Winkelstellung von 30 bis 40 Grad selbst schwere Landungsboote auflaufen ließen. Die Hemmbalken wurden in einem Abstand von 5 Meter nebeneinander und oft in mehreren Reihen hintereinander angelegt. Auch diese Hindernisse waren am Kopfende mit einer oder mehrere Minen bestückt. Zusätzlichen hatte man gezackte Stahlbleche auf der Oberseite montiert, die einen Schiffsumpf aufreißen konnten.

Die Kerbe am Kopfende vor der Mine sollte bewirken, dass bei Detonation der Mine nur der vordere Teil und nicht das komplette Hindernis zerstört wurde.
Dieses bekannte Foto zeigt Rommel bei der Inspektion der Strandhindernisse.

Tetraeder

Dort, wo ein felsiger Untergrund ein Einspülen von Baumstämmen unmöglich machte, kamen Tetraeder aus Beton zum Einsatz. Die Tetraeder bestanden aus sechs gleichlangen Einzelteilen, die über Montageringe an den Enden zusammengefügt wurden. An der Spitze befand sich ein Dorn oder eine scharfe Kante, die Schiffsrümpfe leckschlagen ließ. Auch diese Hindernisse wurden zumindest teilweise zusätzlich mit Minen bestückt.

Tschechenigel

Wie der Name schon andeutet, ist diese Art von Hindernis eine tschechische Entwicklung. Tausende Tschechenigel wurden von der deutschen Wehrmacht beim Einmarsch in Tschechien erbeutet und auch in der Normandie verbaut. Später wurden die Hindernisse natürlich auch von den Deutschen selbst produziert. Der Tschechenigel bestand aus 3 Winkelprofileisen von 14 cm Breite und 1,8 m Länge, die durch kleine Metallwinkel miteinander vernietet und verschweißt wurden. Ein Tschechenigel wog so ca. 156 Kilo. Durch die Kerben am oberen Ende der Profileisen konnten die Tschechenigel miteinander verhakt werden und so eine durchgängige Linie bilden. Verwendete man das Konstrukt als Vorstrandhindernis, dann wurden die „Füße“ einbetoniert, um nicht durch Wellen sowie Ebbe und Flut fortgespült zu werden. Der Tschechenigel war vor allem als Hindernis für Panzer und andere schwere Fahrzeuge gedacht.

Cointet-Gitter

Das Cointet-Gitter ist den meisten sicher besser unter dem Namen belgisches Tor bekannt, wird aber auch als Maginot-Tor, Rollbock oder C-Teil bezeichnet. Ursprünglich wurden die 2,5 Meter hohen und 3 Meter breiten Metall-Tore für die Befestigung der Magiont-Linie entwickelt und wurden dort als mobiles Hindernis zur Sperrung von Straßen und Durchgängen genutzt.  Die ganze Konstruktion war auf Rollen gelagert und mehrere Elemente konnten durch Bolzen und Stahlseile miteinander verbunden werden. So bildeten die Tore eine flexible Linie, wodurch der Aufpralldruck von Panzern absorbiert werden konnte. Am Omaha Beach wurden die Tore jedoch meist allein, manchmal auch mit einem oder zwei weiteren Toren verbunden. Die Cointet-Gitter bildeten so zwar kein lineares Hindernis mehr, sorgten aber dafür, dass der Feind gezwungen wurde den Hindernissen auszuweichen und so vorbestimmte Kanäle zu nutzen, welche dann zu den Hindernissen mit Minen oder in Feuerbereiche von Geschützen führten.

Nussknacker-Mine

Zu den weiteren Hindernissen zählte auch die sogenannte Nussknacker-Mine, bei der eine Hebelarm aus Stahl in einem Betonsockel gegen eine T-Mine gedrückt wurde und diese so zur Detonation brachte. Durch eine variable Länge des Hebels konnte dieses Hindernis in unterschiedlichen Wassertiefen gegen Landungsboote und Schwimmpanzer eingesetzt werden. Soweit mir bekannt ist, wurde die Nussknacker-Mine aber nicht am Omaha Beach installiert.

Allein am westlichen Teil des Atlantikwalls wurden rund 500.000 Holzpfähle, 90.000 Minen, 67.000 Hemmbalken, 23.000 Rollböcke und 63.000 Tschechenigel verbaut.

Kampfwagensperren

Sperren und Hindernisse, die Panzer und andere schwere Fahrzeuge aufhalten sollten, wurde sowohl in die Vorstrandhindernisse integriert als auch direkt rund um die Widerstandsnester an den Strandausgängen positioniert. Den Tschechenigel und das Cointet-Gitter, also die Kampfwagensperren im Strandbereich, habe ich bereits bei den Küstenvorfeldsperren abgehandelt, weshalb ich diese Hindernisse an dieser Stelle nur namentlich erwähne.

Minenfeld

Die Minenfelder rund um die Widerstandsnester waren zum Schutz vor Panzern mit Teller-Minen (T-Minen) vom Typ 42 oder 43 bestückt, die in Zement eingegossen worden waren.

Straßensperren

Bei Straßensperren kamen meist „mobile“ Hindernisse, wie Stahl- Tetraeder oder Betonigel zum Einsatz, welche übrigens französische bzw. tschechische Entwicklungen waren. Vollfestungsmäßige Sperren, wie das Höckerhindernis, auch Drachenzähne genannt, oder Hemmkurven sind mir für das Gebiet Omaha Beach nicht bekannt.

Panzerabwehrgraben

Vor allem die Strandausgänge und die dortigen Widerstandsnester (WN 61, WN 62, WN 64, WN 65, WN 66, WN 67, WN 68 und WN 72) am Omaha Beach waren meist durch v-förmige Panzerabwehrgräben oder Panzerabwehrgruben gesichert. Die Gräben hatten eine breite von 4,5 m und eine Tiefe von 3 m sowie eine verkleidete Böschung. Einige Gräben führten außerdem Wasser.

Panzermauern

Neben den Gräben gab es an den Strandausgänge oft zusätzliche Panzermauern (WN 68 und WN 72) aus dickem Stahlbeton, die zudem Scharten für MG oder Abwehrflammenwerfern besaßen.

Die Panzerabwehrmauer bei WN 68 am Omaha Beach.

Infanterie-Sperren

Als passive Abwehrmaßnahme wurden am Omaha Beach rund um die Widerstandsnester großflächig Minenfelder und Stacheldraht verlegt. Vereinzelt wurde auch Abwehrflammenwerfer installiert.

Ein deutscher Abwehrflammenwerfer wird von einem US-Soldaten begutachtet.

Minenfeld

Rund um die Widerstandsnester wurden großflächig Minenfelder mit S-Minen, also Springmine, auch bekannt als „Bouncing Betty“, angelegt. Nach der Auslösung durch Tritt oder Stolperdraht und einer kurzen Verzögerung wurde der Minenkörper bis etwa auf Hüft- oder Kopfhöhe in die Luft geschleudert, wo er mit Splitterwirkung explodierte.

S-Minen

Stacheldraht

Die häufigste Art eines S-Draht-Hindernisses war der verstärkte Flandernzaun. Hierbei wurde eine Art Koppelzaun aus Holzpflöcken mit Stacheldraht bespannt, seitlich mit Draht abgespannt und durch in die Mitte gelegte S-Draht-Rollen verstärkt. In Bereichen mit lockerem Boden, wie dem Strand, verwende man statt der Holzpflöcke entweder Rundeisen mit eine Art Korkenzieher-Fuß oder T-Eisen mit einer Grundplatte. Ein deutlich stärkeres S-Draht-Hindernis bildete das Flächendrahthindernis, ein mit mehreren S-Drahtrollen verstärkter Flandernzaun und zusätzlichen, am Boden verspannten Stolperdrähten. Durchlässe und Eingänge von Widerstandsnestern oder Minengassen wurden mit spanischen Reitern gesichert. Dabei wurde S-Draht um ein Holzgestell gewickelt, welches an den Enden Stäbe aufwies, mit den das Gestell transportiert werden konnte.

Spanischer Reitern
Flächendrahthindernis

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