Der Kriegshafen von Karthago

Seitdem ich die Rekonstruktion des Kriegshafens in dem Buch Greece on Rome at War von Peter Connolly gesehen hatte, juckte es mich in den Finger, dieses architektonische Meisterwerk in ein TableTop – Spiel einzubinden.

Ich hätte das Projekt wahrscheinlich nie zu Ende geführt, wäre ich nicht über die schöne Schiffs- und Gebäudemodelle von Langton Miniatures gestolpert. Zusätzlich bekam ich noch mit einer Slingshot-Ausgabe das kostenlose Regelwerk Corvus mitgeliefert, welches genau dieses Thema behandelte. Ich investierte also fleißig in Schiffe und Gebäude von Road Langton und ging an die Planung der Geländeplatte. Zunächst stand wie üblich die Recherche an. Da nicht gesichert ist, wie das punische Karthago ausgesehen hat und die Gebäude konstruiert waren, hielt ich mich an den Nachfolger, das römische Karthago. Außerdem konnte ich so auch die römischen Gebäude und Anlagen der Langton-Serie verwenden.

Zunächst aber einige kurze geschichtliche Erläuterungen. Der vermutlich weltgrößte Hafen des 3. Jahrhunderts v. Chr. war der von Karthago. Es handelte sich um einen Doppelhafen, geteilt in einen Handelsbereich und eine militärische Anlage. Der griechische Historiker Appian beschreibt die Anlage in seinen Aufzeichnungen, die vermutlich auf verlorengegangene Abschnitte der Historien von Polybius basieren. Dem Kriegshafen vorgelagert befand sich zunächst der reckeckige Handelshafen, mit einem Hafenbecken von 150 Meter Breite und rund 400 Meter Länge. Die Zufahrt vom Meer in den Hafen hatte eine Breite von 20 Metern und könnte im Notfall durch eine eiserne Kette gesichert werden. Auf der westlichen Seite lag der Pier mit den Lagerhallen, auf der Ostseite die Werften und Bootshäuser. Geschützt wurde die gesamte Anlage durch eine mächtige Festungsmauer, die in regelmäßigen Abständen von großen Türmen unterbrochen wurde. Der Zugang zum Kriegshafen erfolgte ausschließlich durch den Handelshafen.

Die Zufahrt selbst war durch ein Tor gesichert. Die Anlage des kreisrunden Kriegshafens hatten einen Durchmesser von 300 Metern und bestand aus einer Insel umgeben von einem ringförmigen Wasserkanal, der wiederum von einem Ring aus Bootshäusern eingeschlossen wurde. Auch die mittig liegende Insel bestand aus Bootshäusern, sowie den Räumen der Admiralität und war durch eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden. Neben den Öffnungen der Bootshäuser standen jeweils rechts und links Säulen, so dass die gesamte Anlage den Eindruck eines Portikus vermittelte. Von einem Ausguck im obersten Stock konnte die gesamte Stadt und umliegende Meer überwacht werden. In den Bootshäusern des Kriegshafens fanden rund 200 Schiffe Platz. Die Kriegsschiffe ruhten auf schräg ins Wasser führenden Rampen und waren so in wenigen Augenblicken einsatzbereit. Der Archäologe Dr. Hurst konnte 1976 durch seine Ausgrabungen den genauen Standort und die Konstruktion der Anlage dokumentieren. Noch heute ist die Form der beiden Hafenbecken deutlich zu erkennen.

Zum diesem Thema gibt es auch eine sehr schöne ZDF Dokumentation, die den rekonstruierten Hafen zeigt:

14 Kommentare zu „Der Kriegshafen von Karthago“

  1. Als ich diese Platte damals auf der Kauzenburg gesehen habe, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass Seegefechte im kleinen Maßstab auch Spaß machen könnten.

    Großartig!

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  2. Unglaublich, ich dachte beim ersten Überfliegen der Bilder, das das aus einem Museum aufgenommen wäre, aber nein, natürlich baust Du mal eben den Kriegshafen von karthago nach. – Wow!

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  3. Die Spielplatte hatte eine Größe von 1,20 x 1,80 Meter. Allerdings besteht der größte Teil aus Wasser. Der Hafen selbst passt auf eine Platte mit den Maßen 1,20 x 0,60 Meter. Der Maßstab ist 1:1200.

    Viele Grüße
    Frank

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    1. Chaire!
      Vielen Dank für die rasche Antwort!
      Darf ich mal fragen, was denn das Material gekostet hat und wie viele Stunden Arbeit in diesem Meisterwerk stecken?
      Waren die Schiffe schon vom Verkäufer bemalt?
      Anhand meiner Fragen erkennt man, dass ich ein absoluter Laie bin, doch ich fürchte, dass ich mir das auch zulegen möchte…
      Habe mir eine eigene Vektorgrafikkarte zur politischen Lage im Jahr 264 v. Chr. erstellt und will das Szenario/Diorama unbedingt erweitern.
      Kam mir schon mit Playmobil schön vor, aber so etwas…
      Bei Interesse stelle ich die Karte gerne zur Verfügung.
      Viele Grüße!

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      1. Die Frage nach den Kosten und Arbeitsstunden kann ich schwer beantworten. Die Schiffe und Häuser habe ich über einen Zeitraum von 3 Jahre gekauft. Einige der Gebäude habe ich auch selbst gebaut, wie die Stadtmauer und diverse kleinere und größere Bauten. Die Schiffe konnte ich auf einem Bring & Buy (so eine Art Flohmarkt) in England günstig erwerben. Den Hafen und die Schiffe habe ich ungefähr in 3 bis 4 Monaten gebaut und bemalt…die Schiffe und Gebäude werden übrigens unbemalt geliefert.

        Viele Grüße
        Frank

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  4. Chaire!
    Danke für die Antwort.
    Auf meiner Recherche bin ich auf ganz unterschiedliche Daten gestossen (wie so oft in der alten Geschichte).
    Es gibt noch eine andere Variante der Hafeneinfahrt, wonach man zuerst durch einen engen Kanal fahren musste, ehe man in den Handelshafen kam, siehe z.B. :“Hannibal ad portas“ (Abbildungen auf S. 39 und S. 83 in Deiner Interpretation der Hafeneinfahrt versus S. 104 und evtl. S. 109 mit „engem Kanal vor Hafeneinfahrt).
    Weisst Du da mehr bzw. hast Du Literaturhinweise?

    Ebenso spannend ist die Debatte um die Datierung des Kriegshafens: entweder NACH dem 2. Punischen Krieg errichtet oder bereits im 4. Jahrhundert (Ameling, Walter, Karthago. Studien zu Militär, Staat und Gesellschaft, München 1993, S. 199, was mir durchaus plausibel erscheint aufgrund der Thalassokratie Karthagos).
    Solltest Du Interesse an Ameling haben, maile ich Dir gerne seine detaillierten Ausführungen zum kothon.

    Zu den antiken Gewährsleuten komme ich (leider) erst in der kommenden Woche.
    Viele Grüße!
    Karchedonios

    Ach ja,
    Syrakus und Alexandria sind auch ganz interessant… 🙂

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    1. Die Recherche und der Bau der Platte liegen schon ein paar Jahre zurück. Aus diesem Grund habe ich jetzt auch keine Literaturverweise und Textstellen parat. Vielleicht habe ich aber in den nächsten Wochen Zeit, das Ganze noch einmal zu vertiefen. Ich werde mir mal deine erwähnten Textstellen ansehen.

      Viele Dank
      Frank

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