National Army Museum – Neuseeland / Teil 1

Im Zentrum der Nordinsel Neuseelands, am Rande der kleinen Ortschaft Waiouru steht das National Army Museum. Der Betonbau ist sicher eines der hässlichsten Gebäude weltweit …aber wohl zumindest erdbebensicher. Der ganze Komplex soll übrigens eine Festungsanlage, samt Türmen und Zugbrücke darstellen. Dennoch lohnt sich der Besuch, da das Museum eine sehr schöne und gut präsentierte Sammlung besitzt. Außerdem kommt man bei einer Neuseelandreise fast zwangsläufig an diesem Museum vorbei, da es unmittelbar an der Hauptverkehrsstraße der Nordinsel liegt.

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Museumsrundgang

Natürlich beinhalten die ersten Räume die frühen Konflikte Neuseelands, welche Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Inseln selbst ausgetragen wurden. Diese Neuseelandkriege waren eine ganze Reihe von unterschiedlichen Auseinandersetzungen in den Jahren von 1820 bis 1872. In diesen Kämpfen ging es nicht immer nur um Konflikte zwischen den Māori und den Pākehā, wie die weißen Siedler genannt wurden, sondern auch um Kriegshandlungen unter den Iwis (Stammesgemeinschaft) der Māori.

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In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts war Neuseeland durch Kriege unter den Iwis der Māori geprägt. Durch den vermehrten Einsatz von Schusswaffen sind diese Konflikte auch als Musketenkriege bekannt. Ausgangspunkt der Neuseelandkriege zwischen den Māori und den Pākehā war der Vertrag von Waitangi, der im Februar 1840 zwischen einigen Māori und den weißen Siedlern geschlossen wurde. Er machte Neuseeland zur britischen Kolonie. Durch eine sehr schlechte Übersetzung des Vertrages und vor allem durch den kulturell völlig unterschiedlichen Hintergrund der beiden Vertragsparteien, kam es schon bald zu ernsten Streitigkeiten, bei denen es im Wesentlichen um Landbesitzrechte ging. Erste Auseinandersetzungen fanden 1843 beim sogenannten Wairau-Tumult statt. Der nächste größere Konflikt war der Fahnenmastkrieg (Flagstaff-War) in den Jahren 1845-46 gefolgt von dem Hutt Valley- und dem Wanganui-Feldzug. Es folgte eine Zeit des Friedens, der bis 1859 andauerte. In diesem Jahr brachen die Kämpfe im ersten Taranakikrieg erneut aus. Das Jahr 1863 sah dann die schwersten Auseinandersetzungen, als 18.000 englische Soldaten im Waikatokrieg gegen die Māori antraten. Kaum war dieser Krieg beendet, kam es zum zweiten Taranakikrieg. 1863 und 1864 gipfelte die sogenannte Königsbewegung (Kīngitanga) in schweren Kämpfen unter den Māori. In den Jahren 1864 bis 1868 war es relativ ruhig in Neuseeland, nur im East Cape-Krieg kämpften unterschiedliche Māori-Gruppierungen gegeneinander. Die beiden letzten Konflikte waren der Te Kooti-Krieg und der Titokowaru-Krieg, welche zu Beginn der 1870er Jahre stattfanden.

Māori

Ursprünglich verwendeten die Māori Waffen, allgemein Rakau genannt, aus Stein und Holz. Es waren fast ausschließlich Nahkampfwaffen gebräuchlich. Dazu zählten langstielige Schlagwaffen wie der Taiaha und die Toki Pou-Tangata, ein Art Axt, und kurze Handwaffen, wie der Mere, Wahaika und Kotiate. Besondere Waffen, die beispielsweise dem Stammesführer zustanden, waren oft aus Jade gefertigt.  Durch die Lieferung von Schusswaffen, die in den Stammesfehden vor 1840 zu Einsatz kamen, begann sich die Kampftechnik der Māori stark zu verändern.

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Gekleidet waren die Māori mit Röcken und Umhängen aus der Harakeke Pflanze, die auch als Flachs bezeichnet wird. Die Fasern dienten auch zur Herstellung von Seilen und Hausdächern. Das Gewebe der Kleidung konnte außerdem mit Vogelfeldern oder Hundefell geschmückt sein. In der Schlacht kämpften die Krieger oft nackt, später wurde auch europäische Kleidung getragen.

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Nachdem die Maori erkannten, dass die Engländer ihren Fahnen einen hohen Stellenwert einräumten, verwendeten auch die Maori Kriegsfahnen. Als Te Wherowhero im Jahr 1857 die Königswürde annahm, ließ er eine Fahne mit der Inschrift Kingi (König) und Niu Tireni (Neuseeland) anfertigen. Das Foto zeigt eine Auswahl von verschiedenen Fahnen. Beispielsweise ist unten rechts die Fahne des Ngaiterangi Stammes zusehen, welche während der Belagerung von Gate Pa im Jahr 1864 wehte.
 

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Berühmt und gefürchtet waren auch die befestigten Siedlungen der Māori, die sogenannten Pa’s, die den Briten in den Feldzügen große Schwierigkeiten bereiteten. In den frühen Jahren der Neuseelandkriege waren die Pa’s runde, mit hohen Palisaden befestigte Siedlungen. Durch den Einsatz von Schusswaffen und Kanonen änderte sich die Bauweise völlig. Zunächst wurden die Palisaden nun in Doppelreihe aufgestellt und mit einem Schützengraben ausgestattet. In den folgenden Jahren bestimmten dann vor allem Laufgräben und Schutzräume die Bauweise.

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In den Anfangsjahren der Neuseelandkriege waren die meisten Krieger mit Tätowierungen (Tā moko) geschmückt. Übliche Körperreiche für diesen Schmuck waren das Gesicht, das Gesäß und die Oberschenkel. Es gab keine vorgeschriebenen Muster. Meist folgte die Tätowierung den Linien des Körpers.

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Briten

Die Briten kämpfen in ganz unterschiedlicher Stärke in den Neuseelandkriegen. Zum Einsatz kamen hauptsächlich Einheiten der Infanterie, aber auch einige Artilleristen und Truppen der Marine waren vor Ort. Die ersten Britischen Soldaten betraten bereits am 5. Januar 1827 Neuseeland und wurde auf Grund ihrer Uniformen von den Einheimischen als „Roter Stamm“ bezeichnet. Am 16. April 1840 wurde dann eine ständige Garnision in Auckland eingerichtet. Die erste Besatzung bestand aus 2 Kompanien (150 Mann), des 80. Regiment.

Im Flagstaff-War waren das 58. (Rutlandshire) , das 96. und das 99. (Lanarkshire Volunteers) Regiment eingesetzt. Zu dieser Zeit wurden noch die roten Uniformen getragen. Im Waikatokrieg fochten das 12. (East Suffolk), 14. (Buckinghamshire), das 18. (Royal Irish), das 40. (Somerstshire), das 43. (Monmouthshire), das 50.,  57. (West Middlesex) das 65. (Yorkshire North Riding), 68. Regiment (Durham) und das 70. (Surrey) Regiment dann in den neuen, blauen „jumpers“. Zeitweise waren in Neuseeland 18.000 Mann an Militär, Miliz und Freiwilligen im Einsatz.

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Miliz, Volunteers und Verbündete

Unterstützt wurden die Berufssoldaten durch eine Miliz, freiwilligen Verbände und auch durch befreundete Iwi’s der Māori.

So wurde beispielsweise im Jahr 1846 das Royal New Zealand Fencible Corps (Rote Jacke, sowie blaue Hose und Kappe) aufgestellt, eine Truppe von 850 Mann aus ehemaligen britischen Soldaten, denen im Gegenzug  Land und Unterkünfte gegeben wurden.

Berühmt waren auch die „Forest Ranger“, welche ab 1863 aufgestellt wurden und unter dem Befehl von  Lt. William Jackson standen. Sie waren mit Bowie Messern ausgestattet und streiften durch den dichten Busch Neuseelands, um kleine Banden von Maori-Kriegern zu fassen.

Die ersten Freiwilligen-Verbände (Volunteers) wurden 1858 in Auckland aufgestellt und mit Offizieren und versehen, die durch die Regierung ernannt wurden. Es handelte sich um die „Royal“ und „City“ Kompanien der Auckland Rifle Volunteers. In den Kampagnen von 1860 bis 65 wurde Freiwilligen-Verbände von Infanterie, Kavallerie und Artillerie in einer Stärke von 40 bis 100 Mann pro Einheit gebildet.

Die Arawa Flying Column bestand aus 2 Kompanien von je 100 einheimischen Maori des Arwara Stammes. Sie wurde unter dem Kommando von Europäern im Gurellia-Krieg gegen feindliche Stämmde eingesetzt.

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Hoempage: http://www.armymuseum.co.nz/

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