Nürnberger-Meisterzinn

Meine absolut erste Erfahrung mit Zinnfiguren hatte ich im zarten Alter von 10 Jahren. Es handelte sich um die Figuren von Nürnberger Meisterzinn. Das besondere war, dass man die Figuren nicht nur bemalen, sondern auch noch selbst gießen musste. Also nichts für Weicheier 😉 Das heißt, man kaufte nicht die Figuren, sondern die Formen sowie das notwendige Zinn. Die Formen bestanden aus Stahl und hatten an der Seite Plastikgriffe, damit man sich beim Anfassen nicht die Finger verbrannte. Natürlich gehörte auch noch Zubehör, wie Brenner und Gießkelle zur Grundausstattung. Es gab da so ein Starter-Set, in dem eine Form und das erwähnte Zubehör enthalten waren. Zum Glück war das Sammeln und Gießen dieser Figuren auch in meinem Freundeskreis weit verbreitet und selbst einige Väter machten mit. Die Figuren gab es zu den Themen 7-jähriger Krieg und Landsknechte. Ich schätze, die ganze Geschichte lief bestimmt drei bis vier Jahre, also zumindest in meinem Dunstkreis. Schon kurz danach wurde das Ganze noch einmal vom Hersteller wiederbelebt, als aufwendige, mehrteilige Formen in den Handel kamen. Mit den neuen Formen wurde auch die Napoleonische Epoche angegangen. Jetzt hatten die Figuren Köpfe, die man wechseln konnte.

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Auch Zinn war damals schon echt teuer. Mein Opa hatte mir deshalb Lötzinn aus seiner Firma besorgt. Wir merkten dann natürlich beim Gießen, dass das Zeug Müll war und die Formen verklebte. Also wurden nach und nach die Zinnteller und Becher aus der Wohnzimmer-Eichen-Schrankwand entwendet und verarbeitet. Gegossen wurde in der Küche und das Zinn auf der Herdplatte geschmolzen. Dass es sich bei den Soldaten mit den hohen, spitzen Hüten um Preußen handelte, war mir bald klar. Das die mit dem Dreispitz auch Preußen waren, erschien mir aber unlogisch. Das waren für mich natürlich die Gegner. Leider gab es die zunächst nur in einer Pose. Natürlich wurden die Preußen auch bemalt. Eine Vorlage für die Uniform bekam man mit den gekauften Formen. Später gab es sogar ein kleines Begleitheft zu der Serie, in dem auch der geschichtliche Hintergrund angerissen wurde. Damals wurden natürlich noch die stinkenden Emaille-Farben verwendet. Es gab jedoch damals die Glaubensfrage, ob die Figuren jetzt in matt oder mit Hochglanzfarben bemalt werden sollten. Da gab es im Freundeskreis tatsächlich zwei Lager. Ich schwankte hin und her. Bemalte die Jungs also mal matt, um sie dann später in Hochglanz zu übermalen. Ein paar wenige meiner damals bemalten Figuren haben tatsächlich bis heute überlebt. Sie zählen also zu meinen ersten handgemalten Exemplaren.

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4 Kommentare zu “Nürnberger-Meisterzinn”

  1. Ohje… den Typen mit der Kanonenkugel auf dem Magazin hatte ich auch! Ich kann mich nur nicht erinnern ob der alleine in der Form war, oder noch evtl die Kanone. Ich muss aber gestehen, dass die Güsse bei mir nie etwas wurden, da meine Mutter mich nie den Ofen zum aufheizen der Formen nutzen liess.

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