Meine Science-Fiction Origin-Story – Teil 2

Hier nun der zweite Teil meiner legendären 70er-Jahre Science-Fiction Story.

Eckige Augen

Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Vergangenheit. Dies sind die TV-Abenteuer meiner frühen Jugend, viele Jahre von der bunten Medienwelt von heute entfernt. Aber auch schon damals war ich unterwegs, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Ich drang dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Als Kind habe ich im Fernsehen praktisch alles gesehen was geboten wurde, blockiert wurde das Ganze teilweise nur durch Schlaf, Nahrungsaufnahme und die Angst vor eckigen Augen, die einem vor allem von den Eltern prophezeit wurden. Natürlich war auch Raumschiff Enterprise dabei. Vor allem die Folge, wo Kirk & Co auf einem Planeten mit so einer Art Neandertalern festsitzen und sich gegen diese unfreundlichen Gesellen mit angespitzten Stöcken erwehren müssen, erfreute sich bei mir großer Beliebtheit. Nachgespielt wurde die Szene mit einem alten Elektro-Rasierapparat in der Hand, der den Kommunikator darstellen sollte. Trotzdem bin ich nie ein großer Fan dieser Serie geworden. Auch Raumpatrouille Orion fand ich damals wie heute mega-langweilig. Ganz anders verhielt es sich mit der Serie Time Tunnel. Das war eine Zeit lang meine absolute Lieblingsserie, allerdings hauptsächlich, weil da auch Ritter und Indianer mitspielten, also nicht so richtig das SF-Genre bediente.

Ein neues Zeitalter wurde erst 1975 eingeläutet, als Mondbasis Alpha 1 das deutsche Fernsehen eroberte. Heute lustig, damals Utopie, spielt die Serie in der Zukunft der technologisch fortgeschritten Erdgeschichte, die aus damaliger Sicht im Jahr 1999 beginnt. Kurz zur Story: Auf der Mondbasis Alpha 1 laufen die Vorbereitungen für den ersten bemannten Flug zum Planeten Meta, wo es anscheinend intelligenten Leben geben soll. Doch es gibt Probleme in Form einer seltsamen Krankheit, es entzündet sich schließlich die auf dem Mond befindliche Atommüll-Deponie und schleudert den Mond aus der Erdumlaufbahn. Durch die freigesetzte Energie kommt es zudem zu Raum-Zeit-Sprüngen, so dass der Mond Lichtjahre in Sekunden überwindet und von einem spannendem Ort zum anderen springt. Das bei der Grundstory heftig bei Raumschiff Enterprise abgekupfert wurde ist wohl kaum zu übersehen. Hier liegen auch die große Schwäche und der Grund, warum ich die Serie nach der Erstausstrahlung nicht mehr gesehen habe. Es gab einfach keine Weiterentwicklung des Themas und es fehlten die visuellen Ideen. Extrem ikonisch waren in der Serie allerdings die Adler-Raumschiffe, der Mitte der 70er in keinem Kinderzimmer fehlen durften. Zu dieser Zeit wurde auch gerade der erste „Krieg der Sterne“-Film produziert und die Macher stellten fest, dass das Raumschiff „Rasender Falke“, welches sie verwenden wollten, verdammt viel Ähnlichkeit mit diesen „Adlern“ aus Mondbasis Alpha 1 hatte (vom Name will ich gar nicht reden). Man wechselte kurzerhand das Design, besser gesagt man klaute ein anderes Design beim französischen Comic Valerian und Laureline. Interessant wurde es noch einmal in Staffel 2 von Mondbasis Alpha 1, als die Gestaltwandlerin Maya zum Team stieß. Aber dann ließ meine  Begeisterung auch langsam nach und ich muss sagen, die Serie ist aus heutiger Sicht eher Trash.

Erst 1980 ging das Thema SF im Fernsehen mit der legendäre TV-Anime-Serie Captain Future in die nächste Runde. Immer wenn ich  heute den Soundtrack der Titelmusik von Christian Bruhn höre, werde ich in die fantastische Welt von Captain Future, Grag und Otto gebeamt.

Suddenly, the lid fell off

Den Grundstein des Synthy-Pop der 80er wurde schon gegen Ende der 70er gelegt. Vor allem die deutsche Band Kraftwerk ist bis heute legendär und unerreicht. Im Kielwasser dieser Musikgiganten tauchte im Jahr 1978 das Album „War oft he Worlds“ von Jeff Wayne aus den Tiefen des Nichts. Das Album, in dem erzählerisch und musikalisch der Roman „Der Krieg der Welten“ von H.G. Wells präsentiert wird, erwies sich mit weltweit mehr als 13 Millionen verkauften Platten als Megahit. Es kam in 22 Ländern in die „Top 10“ der Hitparade und erreichte in elf davon den ersten Platz. Das Album wurde mehrfach mit Gold und Platin ausgezeichnet.

Die Synthesizer-Musik von Jeff Wayne, die Songs und die magische Erzählstimme von Richard Burton lassen ein fantastisches Kopf-Kino entstehen. Eingeprägt hat sich bei mir der Satz „Suddenly, the lid fell off“, als der Angriff der Außerirdischen beginnt und die höchst dramatische Musik eingesetzt. Selbst ich mit meinen 12 Jahren war schon damals total hin und weg. Na, und dann erst die Bilder auf dem Cover und im Begleitheft!  Sensationell!  Die Maler Peter Goodfellow, Geoff Taylor und Michael Trim hatte die Geschichte genial in ihren Bildern eingefangen. Der Stoff der von H.G. Wells  wurde mittlerweile dermaßen oft in Filmen und Serien zerkaut, dass ich schon fast diese alte Perle vergessen hatte. Übrigens ist dieses Gesamtkunstwerk aus den 70ern auch ein guter Beispiel für den immer noch anhaltenden Erfolg  der Schallplatte. Neben dem Sound funktioniert Cover-Art halt nur beim großformatigen Tonträger Vinyl. Das die Musik sowie Cover untrennbar miteinander verbunden sind, beweist „War oft he Worlds“ meisterlich.

Klöße und Kartoffeln

Obwohl die 70er Jahre einige der besten SF-Filme aller Zeiten hervorgebracht haben, waren das zum größten Teil Filme, die ich als Kind nicht wahrgenommen habe bzw. sehen durfte, konnten, wollte. Trotzdem hat man so am Rande das eine oder andere aufgeschnappt. Im Fernsehen war in Sachen SF noch tote Hose. Das höchste der Gefühle war mal eine TV-Ausstrahlung von „Die Zeitmaschine“ von 1960 und „Die phantastische Reise“ von 1966. Die echten Klassiker wie Metropolis (1927), Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951), Alarm im Weltall (1956) liefen vielleicht auch schon im TV, habe ich aber nicht bewusst wahrgenommen. Die Meilensteine „2001: Odyssee im Weltraum“ und „Planet der Affen“, beide aus dem Jahr 1968, hatten meine Eltern im Kino gesehen, ich kannte das Ganze aber nur vom Hörensagen. Übrigens wurde Planet der Affen erst 1988, also 20 Jahre später das erste Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt!

Ein Großteil der SF-Kinofilme der 70er Jahre drehte sich um Zukunfts-Utopien der Erde. Zu diesen Streifen zählten Uhrwerk Orange (1971), Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All (1971), THX 1138 (1971), Solaris (1972), Welt am Draht (1973), Jahr 2022… die überleben wollen (1974), Rollerball (1975), Flucht ins 23. Jahrhundert (1976). Erst Ende der 70er wandelt sich die SF-Filme komplett. Zunächst explodieren Krieg der Sterne und Unheimliche Begegnung der dritten Art im Jahr 1977 (1978 in Deutschland) an den Kinokassen und schließlich fegte Alien (1979) wie ein Sturm durch die verstaubten Kinosäle. Krieg der Sterne und Unheimliche Begegnung der dritten Art, für Alien war ich immer noch nicht alt genug, waren also meine ersten beiden SF-Kinoerfahrungen.

Auf das Thema Krieg der Sterne komme ich natürlich noch einmal in einem gesonderten Bericht zurück, kümmern wir uns also zunächst um „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ oder „Close Encounters of the Third Kind“, wie er im englischen Original genannt wird oder „Klöße und Kartoffel“, wie er bei uns Kindern damals hieß (Englisch war noch ein Buch mit sieben Siegeln).

Ich liebe diesen Film! Zunächst ist da diese großartig inszenierte, geheimnisvolle Handlung. Zusammen mit dem Hauptdarsteller auf der einen und den Wissenschaftlern auf der anderen Seite, setzt der Zuschauer ein Puzzlesteinchen nach dem nächsten zusammen, bis es schließlich am Ende zu einem großen Finale kommt. Hier hat Regisseur wirklich Steven Spielberg eine großartige Arbeit geleistet. Extrem bemerkenswert ist, dass es im kompletten Film fast keine Gewalt oder harte Aktion gibt und auch der Schluss ganz ohne große Schlachten, Krieg und Explosionen auskommt und trotzdem die Spannung über den ganzen Film hinweg aufrecht gehalten werden kann. Besondern zu erwähnen ist natürlich die Kameraarbeit von Vilmos Zsigmond, der dafür völlig verdient einen Oscar erhielt.

Seit diesem Film gehört außerdem Richard Dreyfuss zu meinen Lieblingsschauspielern. Ich mag einfach seine sympathische Art, die er auch in Filmen wie „American Graffiti“ „Der weiße Hai“, „Zoff in Beverly Hills“, „Die Nacht hat viele Augen“, „Tin Men“ und „Mr. Holland’s Opus“ zur Schau trägt. Mit der Komödie „Der Untermieter“ erhielt Dreyfuss sogar einen Golden Globe sowie den Oscar als bester Darsteller.

Ich war und bin von diesem Film so begeistert, dass ich im Rahmen meiner großen USA-Reise im Jahr 1990 den Devils Tower in Wyoming besucht habe. Dieser ungewöhnliche Berg vulkanischen Ursprungs, ist der zentrale Ort der Story.

Ein echter Klassiker ist auch die Musik von John Williams. Legendär ist die Fünftonfolge, mit der die Menschen mit den Außerirdischen kommunizieren. Diese akustischen Signale kombiniert mit den Gesten der Gebärdensprache entstammen der musikalischen Plansprache Solresol des Franzosen François Sudre. Die Tonfolge taucht später in verschiedenen Filmen auf, unter anderem als Türcode im James-Bond-Film Moonraker – Streng geheim.

Natürlich gab es reihenweise Oscar-Nominierungen, so in den Kategorien Beste Regie, Bester Schnitt, Beste Visuelle Effekte, Bester Ton, Beste Nebendarstellerin, Beste Originalmusik und Bestes Szenenbild. Viele der Preise gingen aber an Krieg der Sterne, dem übermächtige Konkurrenten des Jahres 1977. Aber John Williams ging nicht leer aus, denn er erhielt den Filmmusik-Oscar von 1977 trotzdem, da er ja auch für Krieg der Sterne die Musik gemacht hatte. Und so lässt sich auch der Film „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und dieser Rückblick in die Zukunft der 70er in einem Satz beschreiben: Ende gut, alles gut.

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