Port-en-Bessin / D-Day

Die Schlacht von Port-en-Bessin, auch als Operation Aubery bekannt, fand vom 7. bis 8. Juni 1944 in einem kleinen Fischereihafen westlich von Arromanches während der Landungen in der Normandie im Zweiten Weltkrieg statt. Die Eroberung von Port-en-Bessin war die wichtigste Mission der britischen Royal Marine Commandos während des D-Day. Der Hafen stellte ein Bindeglied zwischen dem Omaha Beach im Westen, wo das US-amerikanische V Korps operierte, und dem Gold Beach im Osten dar, an dem das britische XXX Korps an Land ging. Zudem bot der kleine Hafen eine ideale Basis für den Nachschub der alliierten Landeköpfe. Hier in Port-en-Bessin sollte PLUTO (Pipe Lines Under the Ocean) auf Land treffen und die Alliierten mit dem notwendigen Treibstoff versorgen. Die Operation sollte in fünf Phasen stattfinden: die Landung um 9.25 Uhr im Abschnitt Jig Green, dem Marsch bis zum 2 Kilometer vor Port-en-Bessin liegendem Punkt 72, Bombardement und Eroberung der östlichen Stellungen sowie dem Angriff und Eroberung der westlichen Stellungen. Die ganze Aktion sollte eigentlich in 5 bis 6 Stunden erledigt sein. So zumindest der Plan.

Der Hafen Port-en-Bessin vor dem Krieg. Im Hintergrund ist das westliche Plateau zu sehen.

Britische Commandos

Die Commando – Einheiten waren eine bemerkenswerte Innovation der britischen Armee, die schon in den frühen Jahren des 2. Weltkrieges aufgestellt worden waren. Vor allem der Burenkrieg in Südafrika am Ende des 19. Jahrhunderts war prägend für diese Art der Kriegführung, bei denen schnelle Einsatztrupps kleine Vorstöße gegen die feindlichen Linien unternahmen. Im Jahr 1899 gründete der 16. Baron Lovat die erste Spezial-Einheit, die „Lovat Scouts“, welche im 2. Burenkrieg und 1916 als Scharfschützen im 1. Weltkrieg eingesetzt wurden. Im Frühjahr 1940 wurde auf Grundlage der Erfahrungen mit den Lovat Scouts die erste britische Kommando-Einheit aufgestellt. Einer der ersten Freiwilligen für diese Einheit war Simon Fraser, der 17. Baron Lovat. Kurz vor dem D-Day erhielt Fraser das Kommando über die 1st. Special Service Brigade, die aus dem No. 3 Commando, No. 4 Commando und dem No. 6 Commando der Armee sowie dem 45. Commando der Royal Marines bestand.

Neben der britischen Armee formierte auch die Britische Marine (Navy) Kommando-Einheiten. Bis zum D-Day waren neun Royal Marine Commandos aufgestellt worden, welche die Nummer 40 bis 48 erhielten. Die 4th Special Service Brigade wurde im März 1944 speziell für die Invasion Frankreichs gebildet. Die Brigade bestand ausschließlich aus Royal Marines und hatte die Aufgabe, die Flanken der Invasionsstrände zu sichern sowie die britische Front vom Orne Fluss bis Port-en-Bessin mit den Amerikanern bei Omaha Beach zu verbinden. Für die 4th Special Service Brigade wurden die neu errichteten 46 und 47 RM Commandos mit den 41 RM Commando zusammengeschlossen. Den alliierten Planern wurde bald klar, dass ein viertes Kommando für die Missionen der Brigade benötigt wurde. Mitte März begannen die verbliebenden Männer der Royal Marine Division und andere Freiwillige einen beschleunigten Trainingsplan, um rechtzeitig zur Invasion das 48 RM Commando bilden zu können. Das Oberkommando über die 4th Special Service Brigade wurde an Brigadier Bernhard W. „Jumbo“ Leicester gegeben, der eine enorme Erfahrung in ganz unterschiedlichen Einheiten, wie dem Camel Corps der Sudan Defence Force gesammelt hatte.

Das No. 47 Royal Marine Commando, unter dem Befehl von Lieutenant Colonel C.F. Phillips, wurde am 1. August 1943 aus dem 10. Royal Marine Bataillon mit Sitz in Dorchester gebildet. Wie alle Kommandos, mussten auch die Männer des 47. Commando ihre Ausbildung in Achnacarry absolvieren. Das Commando bestand insgesamt aus 460 Männer, verteilt auf 1 HQ, 5 Troops (A, B, Q, X und Y) und einen Troop mit schweren Waffen. Das Commando Headquarter setzte sich aus dem kommandierenden Offizier (Lieutenant Colonel), einem stellvertretenden Kommandeur (Major), einem Adjutanten, einem Sergeant-Major sowie einem Troop Marines und Funkern zusammen. Ein Troop (66 Mann) der Commandos unterteilte sich in ein Troop HQ und zwei Sektionen, die wiederrum aus zwei Unter-Sektionen bestanden. Das Troop HQ war mit einem Captain, einem Troop Sergeant-Major, einem Sanitäter und einem Melder besetzt. Die Sektion (31 Mann) wurde von einem Unteroffizier, einem Sergeanten und einem Melder geführt. Die Unter-Sektion (14 Mann) bestand aus eine Lance-Sergeant, einem Corporal, zwei Lance-Corporals und 10 Privates. Der Troop mit den schweren Waffen (39 Mann) teilte sich in eine Mörser-Sektion und eine mittelschwere MG-Sektion. Die MG-Sektion, kommandiert von einem Unteroffizier und einem Funker bestand aus zwei Untersektionen mit je einen .303in. Vickers MMG und vier Mann. Auch die Mörser Sektion, geführt von einem Sergeanten und einem Signalgeber, besaß zwei Abteilungen mit je einem 3in.Mörser und vier Mann Besatzung. Erkennungszeichen der Commandos war natürlich das berühmte grüne Barett, auch als „Commando cap“ bekannt. Für die D-Day Operation Aubery erhielt die Truppe Verstärkung durch eine Universal Bren Carrier-Sektion von 4 Fahrzeugen, die zusätzliche Munition und Ausrüstung transportierte.

Deutsche Truppen

In Port-en-Bessin war im Wesentlichen die 4. Kompanie des 1. Bataillons des Grenadier-Regiment 726 der 716. Infanterie Division stationiert. Der Gefechtstand des Kommandeurs des GR 726, Oberst Walter Korfes, war nicht weit entfernt im 6 Kilometer landeinwärts liegendem Château de Sully untergebracht. Die Männer der 4. Kompanie verteilten sich auf insgesamt 4 Widerstandsnester, das WN 55, 56, 57 und 58. Zusätzlich gab es noch rund 100 Seeleute auf 3 Artillerie-Barken der 6. Artillerieträger-Flottille im Hafen.

Ein deutscher Soldat in einem Unterstand, am Rand der Klippen von WN 55.

WN 55
Das Widerstandsnest 55, auch Peilstelle Melone genannt, erstreckte sich 400 Meter von Ost nach West und 200 Meter von Nord nach Süd. Es war mit zwei Zügen des I./GR 726, einem Zug des III./Artillerie-Regiment 352 und einer Gruppe der 2. Marine-Funkmeß-Abteilung besetzt. WN 55 diente zum Schutz für den Hafen und als Führungsstelle für Flugzeuge und Artillerie. Für diese Aufgabe war eine Peil- und Leitstrahlanlage vom Typ FuSAn 700/701, Tarnname SONNE und ELEKTRA, in der Mitte des WN 55 aufgestellt worden.

Zur Verteidigung des Hafens stand oberhalb des alten Vauban-Turm, der von den Deutschen als Depot für Munition genutzt wurde, eine 7,5 cm Feldkanone 235 (b) in einer Ringbettung. Im Juni 1944 war unterhalb der Ringbettung gerade ein Regelbau 612 kurz vor Fertigstellung, welcher einer 37mm Pak 181 (f) Schutz geben sollte. Oberhalb der Ringbettung gab es an der Klippe eine offene Stellung für eine 20-mm-Flak 30. Dahinter lagen ein Lagerraum mit Wellblech-Decke und ein feldmäßiger Abri für die Bestatzung der Feldkanone. Im Zentrum der Stellung standen zwei französische 8,14 cm Granatwerfer278 (f) Brandt in Ringständen vom Typ Ic 125 mit einem einfachen Unterstand für die Bedienungsmannschaft. Diese beiden Granatwerfer waren für die Rundumsicherung des Widerstandsnestes gedacht. Entlang des Klippenrandes zog sich ein durchgängiger Zick-Zack-Schützengraben mit einigen offenen MG-Stellungen und Schützenlöchern. In der Mitte der Schützengrabenlinie, am Rand der Klippen, lag eine B-Stelle der Artillerie. Hinter der B-Stelle befanden sich weitere Unterstände und ein verbunkerter Trinkwassertank. Die Flanken und die Rückseite des Widerstandsnestes wurden durch Stacheldraht und Minenfelder gesichert. Auf der Rückseite von WN 55 führte ein Serpentinen-Weg vom Dorf auf das östliche Plateau. Am oberen Ende des Weges stand ein Wasserturm. Gesichert wurde der Aufgang durch eine MG-Tobruk vom Typ 58c mit Eingang an der Rückseite, an der westlichen Flanke des WN 55.

WN 56
Das Hafenbecken und die Kaianlagen stellten den Bereich von WN 56 dar. Unmittelbar unterhalb des Vauban-Turmes am Strand befand sich eine starke Panzersperrmauer, die an der Klippe in einer Kasematte mit MG-Stand endete. Hinter der Mauer, in Richtung Ortschaft, lagen ein Ringstand vom Typ 1694 für eine 5cm KwK und ein leichter Abri, die durch Schützengräben miteinander verbunden waren. Am Fuß des Vauban-Turm gab es außerdem einen VF 15 Tobruk zur Sicherung der Kaianlage, der mit einem FT Panzerturm (MG.311 (f)) bestückt war.

Diese Karte zeigt die Lage der Panzersperrmauern.

Die Mauern nach den Kämpfen.

In Port-en-Bessin befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs der 47. Commandos einige Boote der 6. Artillerieträger-Flottille, die ihre AF-Lastkähne vom Typ C3 oder D1 sowohl auf den Kanalinseln als auch in der Seine-Bucht liegen hatte. Diese vom Kapitänleutnant zur See Schad geführte Flottille sorgte für den Materialtransport und war an der Flugabwehr zur Sicherung der Häfen beteiligt. Ihre Bewaffnung bestand aus zwei Kanonen vom Typ 8,8 cm S.K.C/35 Utof mit Schild, einer 3,7 cm S.K.C/30 Kanone, zwei 2 cm Vierlings-Flak 38/43U und zwei Raketenwerfer-Aggregaten 8,6 cm RAg. Im Außenhafen von Port-en-Bessin lagen seit dem 1. Juni 1944 zunächst drei Boote vom Typ Artillerie-Fährprahm (AF) mit den Nummern AF62, AF67 und AF72. Eines der Boote hatte den Hafen bereits am 4. Juni wieder verlassen. Die 2. TAF schickte am Morgen des 6. Juni eine Staffel Typhoons die versuchen sollte die Lastkähne auszuschalten. Sie beschädigten eines der Boote, aber das zweite war am Abend zuvor verlegt worden, und so konnten die „Tiffs“ dieses Boot aufgrund der Hafenmauer nicht mit ihren Raketen erreichen.

Die Hauptwaffen der Flak-Boote, die 8,8 und die Vierlingsflak.

Die Mole wurde außerdem durch ein Minenfeld geschützt, welches vor den beiden Hafenmauern installiert war und von einem kleinen Bunker am Ende der westlichen Mole gesteuert wurde, von dem aus Stromleitungen zu den einzelnen Minen führten. Das Minenfeld war mit RMA (k) -Minen und französischen Sprengladungen von 100 und 200 kg mit elektrischer Auslösung ausgestattet (Sprengpatrone A). Schließlich sorgten schwere Panzersperrmauern an allen Straßenzugängen am Hafen für einen zusätzlichen Schutz der Stadt und der Kaianlagen.

Der Bunker am Ende der Mole.

WN 57
Westlich von Port-en-Bessin, auf den Klippen gelegenen, befand sich in zweiten Stufen das WN 57, deren Aufgabe es war, den Hafen vor einem feindlichen Angriff zu schützen.

Zu diesem Zweck stand, wie auch beim WN 55, eine 7,5 cm F.K. 235 (b) in einer Drehbettung, welche die Durchfahrt zwischen den beiden Molen abdeckten konnte. Das Widerstandsnest 57 war mit einem Zug der 1. Kompanie I./GR 726 unter dem Befehl von Hauptmann Hiesekorn besetzt und erstreckte sich 200 Meter von Ost nach West und 150 Meter von Nord nach Süd. Für den Fall, dass dieser Bereich vom Feind überrannt worden wäre, hatte man den Feuerbereich durch eine H-506 Kasematte verstärkt, die mit einer Mischung aus einer Skoda 4,7 cm Pak K.36 (t) und einem koaxialen MG Vz 37 (t) ausgestattet war, die beide in einem Stahlkugelgelenk positioniert und den Trichter-Typen 770P4 und 770aP4 eingebettet waren.

Dieses Material stammte aus den Beständen der tschechischen Festungslinie, die im Westen zerlegt und abtransportiert wurde, um am Atlantikwall wieder installiert zu werden. In der Nähe befanden sich ein Unterstand aus Wellblech für die Bedienungsmannschaften der 7,5 cm Kanone, ein Raum mit einem 1.700 Liter Trinkwassertank sowie improvisierte Stellungen für ein MG 34 und ein MG 311 (f). Am Vorabend der Landung befand sich auf dem Gelände außerdem eine Regelbau 612-Kasematte im Bau, die später mit einer belgischen 7,5-cm-Kanone bewaffnet werden sollte. Nach einem Plan von 1944 soll es außerdem einen Tobruk mit dem Panzerturm eines R 35 gegeben haben, nach den Plänen, erstellt vom Fest.Pi.Stab 11, handelte es sich um einen APX R „Beute“-Turm , der mit einer 3,7 cm KwK 144 (f) und MG 311 (f) ausgestattet war.

Oberhalb dieser Anlagen gab es auf dem Plateau eine 2 cm Flak 30 in offener Stellung und ein Unterstand, der als Abri (feldmäßig) vorgesehen war, und auf der Vorderseite einen eingebauten Beobachtungsposten (B-Stelle) hatte. Laufgräben mit einigen offen MG-Stellungen verbanden alle Bauten miteinander. Die kreisförmige Verteidigungsanlage um das Widerstandsnest bestand aus einem Minenfeld mit Minen vom Typ MF 91 sowie aus mehreren Stacheldrahtreihen. Es soll außerdem einige fest installierte Flammenwerfer gegeben haben, zu deren Position ich aber keine Angaben finden konnte.

Die B-Stelle von WN 57.

Im Westen, im Sektor Huppain, wurden im Frühjahr 1944 zwei weitere Positionen geschaffen, die jedoch keine WN-Nummer erhielten.

WN 58 / WN 54
Südwestlich von Port-en-Bessin befand sich das WN 58, welches sowohl die Straße D6 als auch die D514 kontrollierte. Das Widerstandsnest beinhaltet einen Beobachtungsposten, eine Stellung für ein MG, eine Stellung für einen 5 cm Granatwerfer 36 sowie einen Munitionsbunker aus Holz. Die Infanterie-Abteilung vor Ort war in verschiedenen Schutzhütten aus Holz und in einem feldmäßigen Unterstand untergebracht. Die Stellungen und Unterständen wurde von einem Netzwerk von Gräben miteinander verbunden und durch einen doppelten Stacheldrahtgürtel geschützt. Sogenannte Rommelspargel (im Boden gepflanzte Anti-Segelflug-Holzpfähle) waren in den umliegenden Feldern in den Boden gerammt worden.

Weiter südlich befand sich WN 54 am Mont Cavalier südöstlich von Escures. Auf dem Gelände hatte man eine B-Stelle und zwei Unterstände gebaut, die dem Hauptquartier des I./GR 726 zugewiesen waren. Der Unterstand vom Typ 661 bildete eine Krankenstation, der Unterstand vom Typ 610 oder 608 eine Unterkunft. Der Beobachtungsposten sollte Artilleriefeuer lenken.

Ort

Der kleine Hafen lag 13 Kilometer westlich vom Gold Beach und 4 Kilometer östlich vom Omaha Beach. Der Ort liegt in einem Einschnitt der hier 15 Meilen langen Sandstein-Steilküste. Das äußere Hafenbecken mit einem Durchmesser von 700 Metern ist durch eine halbrunde Mauer geschützt. Vom inneren Hafen gelangt man durch eine Schleuse in zwei hintereinander liegende rechteckige Becken, in denen die Fischerflotte, geschützt vor den Gezeiten ankert. Der größte Teil der Ortschaft liegt westlich dieser Hafenbecken.

Dieses kleine Haus am Rand des westlichen Plateaus beherbergt heute auch das Leuchtfeuer der Ortes. Rechts im Hintergrund ist die Kirche Saint-André zu sehen.

Rechts und links neben der Ortschaft steig das Gelände steil zu einer 200 Meter hohen westlichen und östlichen Ebene an. Die kleinen ein- und zweistöckigen Gebäude des Ortes werden von vielen enge Straßen durchzogen. Der Hauptzugang zum Ort war die fast schnurgerade Straße nach Bayeux. Diese damals 5 Meter breite Straße hatte Gräben und Hecken auf beiden Seiten. Port-en-Bessin hatte 1944 rund 1.600 Einwohner.

Der alte Vauban-Turm war vor dem Krieg noch von zahlreichen Gebäuden umgeben.

Landung

Die 47. Commandos erreichten am 6. Juni 1944 um 5 Uhr morgens in 14 LCA’s (Landing Craft Assault) die Gewässer vor dem Landeabschnitt GOLD. An Bord eines jeden Schiffes befanden sich 30 Mann, ingesamt 420 Soldaten. Die Truppe landete jedoch nicht am geplanten Zielort beim WN 37, sondern, weil der zu diesem Zeitpunkt dieser Abschnitt noch nicht von der ersten Welle gesichert worden war, mehr als 1 Kilometer entfernt vor dem WN 36. Als sich die Landungsboote dabei parallel zum Strand bewegten, boten sie ein gutes Ziel für die Batterien von Le Hamel und Longues. Durch diesen Beschuss sank ein LCA, töte 12 Männer und verletzte 11 schwer. Sie erreichten als nächstes eine Barrikade aus „belgischen Tore“, welche zusätzlich mit Minen versehen waren. Das Wasser stand zu diesem Zeitpunkt hoch genug, um dieses Hindernis zu verbergen und so wurden 4 LCA’s schwer beschädig und weitere 43 Mann wurden verletzt oder getötet. Außerdem gingen sämtliche Funkgeräte und die meisten schweren Waffen verloren. Nur ein Mörser ein 1 M1A1 Bangalore Torpedo können gerettet werden. Den Strand erreichten gemeinsam nur rund 300 Commandos.

Vormarsch

Viele der Männer, auch Lt. Col. Phillips, wurden zunächst vermisst. Bei der Landung hatte sich die Truppe weit verstreut und es brauchte 2 Stunden die Männer zu sammeln und neu auszurüsten. Ein Funkgerät mussten sich die Commandos bei einer anderen Einheit ausleihen, Waffen wurden teilweise deutschen und britischen Gefallenen abgenommen. Da Phillips immer noch nicht wiederaufgetaucht war, übernahm Major P.M. Donnell das Kommando und führte die Männer vom Strand in Richtung Inland. Sie folgen zunächst einem Sherman Crab Panzer, um durch das Minenfeld zur Straße zu kommen. Von hier aus ging es vorbei an der Kirche von Asnelle auf der Rue de la Cavee nach Südwesten. Die Commandos hatten die Order erhalten, Kontakt mit dem Feind zu vermeiden und deutsche Stellungen bis zum Ziel zu umgehen. Bei Le Buhot stieß auch Lt. Col. Phillips wieder zu seiner Truppe, die nach und nach auf 360 Mann angewachsen war. Für die nächsten Stunden ging es langsam, aber stetig voran, wobei die Commandos immer wieder auf kleine Gruppen deutscher Soldaten trafen. Bei La Rosiére verhinderte eine größere deutsche Einheit kurzzeitig den Vormarsch. Erst als A und X Troop den Ort frontal angriffen und den Ort eroberten, konnte der Weg fortgesetzt werden. Am Abend um 22.30 Uhr, mehr als 8 Stunden hinter dem Zeitplan, erreichten die 47. Commandos den Punkt 72, einen kleinen Hügel mit Namen Mount Cavalier in der Nähe des Ortes Escures. Natürlich war zu dieser Zeit nicht mehr an einen Angriff zu denken und so gruben sich die Männer auf dem Hügel für die Nacht ein.

Angriff

Am frühen Morgen des nächsten Tages wird der geplante Angriff durch die Ankunft von zwei französischen Zivilisten, einem Ersatzoffizier und einem Gendarmen mit Namen Gouget unterstützt. Die beiden Zivilisten identifizierten für die Commandos die deutschen Stellungen und dem ehemaligen Artillerieoffizier gelang es, das Funkgerät der Einheit zu reparieren, sodass die Briten ihre Marineschiffe vor der Küste kontaktieren konnte. Über Funk wurde nun das geplante Bombardement von WN 56 und 57 angefordert. Um 14 Uhr eröffneten zwei Landing Craft Gun (Large), „LCG (L)“, das Feuer auf den Hafen und eine Stunde später wurde der Beschuss von der HMS Emerald mit ihren 152 mm (6 Zoll) Geschützen fortgesetzt. Um 16 Uhr erfolgte schließlich ein Luftangriff durch eine Einheit RAF Hawker Typhoons auf die Stadt und den Hafen. Außerdem hatte die 431. Batterie des 147. Feld-Regiments der Royal Artillery eine Rauchwand zum Schutz des Vormarsches der Kommandos gelegt. Der Plan sah vor, dass der Angriff der Kommandos auf Port-en-Bessin um 16 Uhr beginnen sollte. X-Troop sollte WN 58 im Südwesten des Ortes erobern, während A und B-Troop weiter auf den Ort vorrücken sollten, um dort den Angriff auf WN 57 und WN 56 einzuleiten. Eine taktische Führungsgruppe unter dem Kommando von Major Donnell sollte die Angriffstruppe begleiten, während Lt.-Col. Phillips mit dem Q-Troop sowie dem Troop mit den schweren Waffen am Point 72 verblieb. Y Troop, der immer noch unzureichend ausgerüstet war, sollte den Mount Cavalier nach Süden hin verteidigen.

Deutsche Flak auf dem östlichem Plateau.

Der französische Gendarm Gouget führte A- und B-Troop durch Gräben rund um die Stadt, vorbei am äußeren Ring der Geschützstellungen, während X-Troop seine Bajonette aufpflanzte und die Maschinengewehrnester des WN 58 mit viel Geschrei angriff und so diese Position im Handstreich einnehmen konnte. An der Kirche von Port-en-Bessin teilten sich die Kommandos auf. Der B-Troop rückte weiter geradeaus in Richtung Hafen vor, A-Troop bog links in die Rue National, um von dort aus WN 57 anzugreifen. Nach der Eroberung von WN 58 folgte X-Troop dem A-Troop nach Nordwesten.

Geführt von Gendarm Gouget marschierte A-Troop die Rue du Phare hinauf, bis die Männer eine Straßensperre aus Stacheldraht erreichten, welche die Außengrenze von WN 57 darstellte. Mit dem einzigen Bangalore Torpedo, den die Truppe mit sich führte, sprengten sie einen Durchgang durch das Hindernis. Hinter dem Durchgang teilte sich A-Troop in zwei Abteilungen von rund je 30 Mann. Lt. Wilson wendete sich mit seinen Männern nach rechts, Lt. Goldstein nach links. Doch unmittelbar darauf gerieten beiden Gruppen unter heftigen Beschuss, der jedoch nicht aus dem Widerstandsnest 57 kam, sondern vom östlichen Plateau und vom Hafen, wo die zwei Flak-Boote trotz Bombardement immer noch feuerbereit waren. Nun wurde die Kommandos auch noch mit Granaten und Beschuss aus dem WN 57 belegt. Von den 65 Männern des A-Troop werden 27 außer Gefecht gesetzt, 11 von ihnen sterben um Feuerhagel und 1 Mann wird gefangen genommen. Die schwer angeschlagenen Kommandos müssen sich daraufhin in die Stadt zurückziehen, wo sie bei den französischen Einwohnern Unterschlupf finden und ihre Verwundeten versorgen können.

WN 57; 1. Straßensperre, 2. B-Stelle, 3. 2 cm Flak 30, 4. Skoda 4,7 cm Pak, 5. 612-Kasematte im Bau, 6. Stacheldraht.

Unterdessen hatte B-Troop den Hafen erreicht, wo die Commandos 12 deutsche Soldaten gefangen nehmen können. Aber als sie sich dem östlichen Plateau zuwenden, eröffnen zwei Maschiengewehre das Feuer auf sie. 1 Marine wurde dabei getötet und 11 weitere verletzt. Die Deutschen hatten außerdem die Brücke an der Hafenschleuse eingeschwenkt, sodass der Übergang an dieser Stelle nicht mehr möglich war. So musste sich auch B-Troop in den Schutz des Ortes zurückziehen.

Verstärkungen

Als klar wurde, dass der Angriff von A und B-Troop auf schweren Widerstand traf, wurden Verstärkungen in Form von Q-Troop und dem Troop mit den schweren Waffen vom Mount Cavalier in den Ort geschickt. Um 21 Uhr trafen außerdem 10 Bren Carrier unter dem Kommando von Lt. Bennett ein, der nicht nur Munition und Ausrüstung, sondern auch Soldaten des 2. Devon Regiments mitbrachte. Die Soldaten diese Einheit konnten den mittlerweile von den Deutschen überrannten Stützpunkt auf dem Mount Cavalier zurückerobern und die Region südöstlich von Port-en-Bessin sichern.

Ein Bren Carrier geht am Gold Beach an Land.

Es wurde außerdem entschieden, dass die schwer bewaffneten Flak-Boote im Hafen ausgeschaltet werden müssen. Alliierte Schiffe, die vor Port-en-Bessin kreuzten, konnten die deutschen Artillerie-Barken jedoch aufgrund der Abdeckung durch die Hafenmole nicht mit ihren Geschützen unter Feuer nehmen. Für diese Aufgaben wurden deshalb am späten Abend des 7. Juni zwei Enterkommandos von den Zerstörern HMS Ursa und dem polnischem Schiff Krakowiak ausgewählt. Mit 2 Motorbooten drangen die Angreifer gegen 22.30 Uhr in das Hafenbecken ein und entdeckten dort die beiden deutschen Boote. An Bord der Schiffe fanden sie jedoch keine Besatzung, sondern nur einige tote Seeleute und einen Hund.

Eines der halb versenken deutschen Flak-Boote.

Unterdessen hatte A- und B- Troop den größten Teil der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. Auf der Suche nach einem anderen Übergang am Ende des Hafenbeckens entdeckten die Briten einen Pfad, der im Zick-Zack auf der Rückseite von WN 56 auf das östliche Plateau führte. Um 22 Uhr führte Captain Cousins 3 Offiziere und 24 Marines auf diesem Pfad bis zum Wasserturm am Rand des östlichen Plateaus. Unterstützt wurde der Angriff durch Deckungsfeuer des „Schweren Waffen“ – Troops und den Bren Carrier – Fahrzeugen. Captain Cousins feuerte mit einer Signalpistole, um den Angriff einzuleiten, woraufhin sich die Truppe in zwei Abteilungen (Reste von A- und Q-Troop A) teilte. Der Angriff gelang und die Kommandos konnten die deutschen Verteidiger überwältigen, wobei Captain Cousins allerdings durch eine Handgranate getötet wurde. Um 23 Uhr waren rund 100 Deutsche gefangen genommen worden und WN 56 erobert.

Der schwer beschädigte Vauban-Turm nach den Kämpfen. Daneben ist die Panzersperrmauer zu sehen.

Natürlich hatte die deutschen Verteidiger von WN 57 die Vorgänge im Hafen und im WN 56 beobachten können. Da sie schon bald mit einem weiteren Angriff auf ihre Stellung rechneten und auf Verstärkung nicht zu hoffen war, beschlossen sie sich am frühen Morgen des 8. Juni 1944 zu ergeben. Der Kampf um Port-en-Bessin war vorüber.

Nach den Kämpfen wird die Treibstoff-Pipeline PLUTO in Port-en-Bessin installiert und der Hafen als Versorgungsstützpunkt eingerichtet.

6 Kommentare zu „Port-en-Bessin / D-Day“

  1. Toller Bericht, Frank. Sehr ausführlich und spannend zu lesen. Die vielen kleinen Details machen den Bericht sehr authentisch und spannend. Da bekomme ich doch schon ganz viele Ideen. 🙂

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  2. Ja wirklich toller Bericht. Auf meinem letzten Normandietrip mit Familie haben wir in Port en Bessin gewohnt. Wirklich nette Ortschaft und unten am Hafenbecken kann man bei nem Glas Pastis auch noch das französische Flair genießen. 👍

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