Port-en-Bessin / Heute

Nach der Schilderung der Ereignisse am D-Day und den Tagen danach, nehme ich euch heute mit auf einen Rundgang durch Port-en-Bessin. Obwohl der Ort nicht sehr groß ist, kann man doch einige interessante Orte entdecken. Meiner Meinung nach ist Port-en-Bessin außerdem der optimale Ausgangspunkt für einen längeren Aufenthalt an den Landungsstränden, da der Ort fast exakt in der Mitte der Landungszonen liegt, einen sehr schönen Campingplatz besitzt, andere gute Unterkünfte bietet sowie eine Vielzahl an Restaurants und Cafés zum Verweilen einladen. Am Rande des Ortes findet man außerdem das Musée des Epaves Sous-Marines, über das ich schon berichtet habe: https://tabletopdeutschland.com/2016/02/12/museum-der-normandie-wracks/. Die Gegend rund um den Ort kann man am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. An dieser Stelle vielen Dank an Henning, der mich mit ein paar aktuellen Fotos für diesen Bericht versorgt hat.

Der Rundgang beginnt auf dem westlichen Plateau, wo auch das Denkmal für das 47 Royal Marine Commandos zu finden ist.

Die zahlreichen Gedenktafeln erinnern an die Kämpfe von 1944 und die gefallen britischen Marines.

Das Denkmal steht unmittelbar auf der alten B-Stelle des WN 57. Von der Bunkerdecke aus geht der Blick über die kleine Bucht von Port-en-Bessin.

Bei meinem ersten Besuch konnten man den Unterstand noch nicht besichtigen, doch zum 75. Jahrestag der Schlacht wurde der Eingang freigelegt und nun kann man den Bunker auch wieder betreten.

Der Blick durch den Sehschlitz er B-Stelle auf den Hafen und das Meer.

Im Bunker lag im Sommer 2020 dieser sehr emotionale Fund. Ein Shirt mit dem Namen Ken Parker, einem der britischen Marines von damals. Ken (ganz links auf dem unteren Foto) war ein sehr engagierter Veteran, der an vielen Jahrestagen vor Ort war. Er verstarb mit 88 Jahren am 14. April 2018.

In der Nähe des Denkmals ist noch die alte Ringstellung für die 2 cm Flak 30 zu finden.

Auf dieser Tafel wird John Forfar erwähnt, was ich zum Anlass nehmen möchte, auf sein großartiges Buch „From Omaha to the Scheldt – The Story of the 47 Royal Marine Commando“ aufmerksam zu machen. Die Primärquelle, wenn man Infos zu den Kämpfen in Port-en-Bessin sucht.

Nun geht es die steile Rue-du-Phare hinunter in den Ort.

Auf der linken Seite geht der Blick über die Hafenmole, auf deren westlichen Ende (grüne Markierung) damals ein Bunker stand.

Am rechten Straßenrand steht dieses ungewöhnliche Gebäude mit eingebautem Leuchtfeuer, welches namensgebend für die Rue-du-Phare war. Übrigens, das Gebäude kann man auch als Feriendomizil mieten.

Vor dem Haus im Vordergrund stand einst eine große Drehbettung für eine 7,5 cm Feld-Kanone 235 (b). Vor dem kleinen Parkplatz weiter unten ist eine weitere Gedenkstätte erkennbar.

Von der Rue-du-Phare ist an einigen Stellen auch gut der alte Vauban-Turm auf der anderen Seite des Ortes sichtbar.

Unterhalb des Denkmals gibt es eine weitere Gedenkstätte. Hier werden in zahlreichen Text- und Bild-Tafeln die Ereignisse rund um den D-Day geschildert.

In der Nähe der Gedenkstätte ist noch die H-506 Kasematte erhalten, die einst mit der Skoda 4,7 cm Pak K.36 (t) bestückt war.

Von hier kann man auch gut den Bunker auf der Klippe sehen.

Im Ort angekommen geht es zunächst auf der Hafen-Promenade nach Osten.

Und so sah es hier im Juni 1944 aus.

Noch heute ist Port-en-Bessin ein aktiver Fischerei-Hafen und wie schon in alten Zeiten, wird auch heute noch der fangfrische Fisch und andere Meerestiere in der Fischauktionshalle verkauft.

Im inneren Hafen, geschützt vor den Gezeiten, liegt die Fischerei-Flotte vor Anker.

Am 9. Juni 1944 traf PLUTO, die „Pipe Line Under The Ocean“, also die Kraftstoffleitung unter dem Ozean in Port-en-Bessin ein, das Benzin begann zu fließen und versorgte alliierte Fahrzeuge an der gesamten Front der Normandie.

Dieses Denkmal ist dem Projekt PLUTO gewidmet. Bei den fliegenden „Bomben“ handelt es sich um Sperr-Ballone, die vor deutschen Tieffliegern schützen sollten.

Beim Blick auf die Hafenschleuse werde ich an ein anderes Ereignis erinnert, welche ich ebenso wie den D-Day mit Port-en-Bessin verbinde. Hier wurden nämlich einst die Filmaufnahmen für eine aufwendige Szene des Kinofilms „Der längste Tag“ aufgenommen.

Da der Casino-Bunker in Ouistreham nach dem Krieg abgetragen worden war, verlegte der Regisseur Darryl F. Zanuck den Kampf der berühmten „Kiefer Commandos“ kurzerhand in diesen Ort.

Damit der Ort, der eigentlich in völlig flacher Landschaft liegt und viel größer als Port-en-Bessin ist, zumindest ein wenig an Ouistreham erinnert, wurde der Ortsname von Port-en-Bessin an dieser Hauswand mit „Ouistreham“ übermalt.

Als nach den Kämpfen vom 7. Juni 1944 Monty den Ort besucht, konnte man die Malerei an der Hauswand noch unverfälscht bewundern.

Neben der östlichen Hafenmole liegt ein kleiner Strand, der fast vollständig mit Schalen der Jakobsmuschel bedeckt ist. Ich vermute, hier entsorgen die Fischer nach dem Ausnehmen die Reste dieser Delikatesse.

Am Strand findet sich eine weitere Kasematte mit einer Gedenktafel. Diese gehörte zum WN 56 und bildete das eine Ende der langen Panzersperrmauer an dieser Stelle.

Blick man von hier nach Osten, erkennt man am Horizont die Reste des Mulberry-Hafens in Arromanches-les-Bains.

Kein Wunder, dass hier kein Landungsversuch unternommen wurde. Ein Blick auf die Steilküste vor dem WN 55.

Nun geht es einen kleinen Trampelpfad hinauf auf das östliche Plateau. Als erstes passiert man den alten Vauban-Turm, der von den Deutschen als Munitionslager genutzt wurde.

Neben dem Turm sind noch die letzten Reste des VF 15 Tobruk zu erkennen.

So sieht WN 55 heute aus der Luft aus: 1. Vauban-Turm, 2. Granatwerfer-Ringstände, 3. MG-Tobruk, 4. Wasserturm, 5. Laufgräben.

Blick vom östlichen Plateau in Richtung Omaha Beach.

Aus Satelliten-Sicht sind noch gut die Laufgräben in Zick-Zack-Form zu erkennen.

Vor dem Klippenrand liegen noch die Granatwerfer-Ringstände, die an der eckigen Öffnung zu erkennen sind und sich so von den runden Öffnungen der MG-Stände unterscheiden.

Am westlichen Rand des ehemaligen WN 55 stößt man zunächst auf einen MG-Tobruk vom Typ 58c.

Hier erkennt man die runde Öffnung der MG-Stellung.

Schließlich erreicht man den alten Wasserturm, an dem der Zick-Zack-Pfad endet, der einst wie heute vom Ort auf das Plateau führt.

Am Wasserturm findet man eine Gedenktafel, die an Captain Terence Frederick Cousins erinnert, welcher bei den Kämpfen um WN 55 getötet wurde.

Auch ein großes Foto am Wasserturm erinnert an Captain Cousins.

Nun geht es den Pfad hinunter zur Kirche von Port-en-Bessin, wo sich die Commandos einst in zwei Abteilungen trennten.

Überall im Ort wird an die Ereignisse vom 7. Juni 1944 und die Kämpfe um Port-en-Bessin gedacht.

Will man einen Eindruck von den eigentlichen Kämpfen der Commandos erhalten, sollte man seinen Besuch auf einen der „runden“ Jahrestage legen. Dann sind Reenactor, wie diese No. 6 Commandos unterwegs.

Wir sind wieder an der Rue-du-Phare angekommen.

Und mit diesem Sunset ist der Rundgang durch Port-en-Bessin beendet. Wir sehen uns 2024 vor Ort, der Campingplatz ist schon reserviert!

4 Kommentare zu „Port-en-Bessin / Heute“

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