Dänische SAGA – Ribe Vikinge Center

Das Ribe Vikinge Center ist ein Art Freilichtmuseum mit authentischen Haus-Rekonstruktionen der Jahre 710-980 aus Ribe, Dänemarks älteste Stadt.Bei meinem Besuch war ich recht spät dran, so eine Stunde vor Toresschluss der Anlage, allerdings hatte ich den großen Vorteil, dass ich dadurch der einzige Besucher war. Die Museumspark wird von einer großen Gruppe an Handwerkern und Reenactern in historischen Kostümen bevölkert. Unaufgefordert wird man als Besucher angesprochen und erhält so jede Menge an Detailwissen. Das hat mir sehr gut gefallen, da man immer sofort mit einbezogen wird und nicht unachtsam an interessanten Dingen vorbeihuscht.

Ripa Stadt, Anno 825

Der Ortsname Ripa (Ribe) taucht erstmals in der um 870 verfassten Lebensbeschreibung des berühmten Bischof Ansgars auf. Man weiß jedoch, dass die Siedlung zu der Zeit bereits über 150 Jahre alt war. Um das Jahr 800 existierte auf der nördlichen Seite des Flusses Ribe Å eine dichtere Bebauung in Verbindung mit dem Marktplatz, auf dem schon seit 100 Jahren saisonale Märkte stattfanden. Im Ribe der Wikingerzeit findet man, im Gegensatz zu den Selbstversorgerhöfen der Eisenzeit, professionelle Handwerker, die sich zu einem großen Anteil von ihrem Handwerk ernähren können.

Nach Westen hin stellte der Fluss die natürliche Abgrenzung Ribes dar, und in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts wurde im Osten ein etwa 2 m breiter, halbkreisförmiger Graben mit einem niedrigen Wall angelegt. Diese symbolische Markierung sollte zeigen, dass innerhalb des Walls die Gesetze, Rechte und Pflichten der Stadt galten. Eine Bedeutung für die Verteidigung hatte der Wall zu dieser Zeit nicht. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde es offenbar notwendig, Ribe zu befestigen, und der Stadtgraben wurde zu einem regulären Wallgraben ausgebaut.

Am Nordufer des Flusses liegt die Stadt heute an derselben Stelle wie in der Wikingerzeit. Jedes Mal, wenn in der modernen Stadt Tiefbauarbeiten für Keller, Rohrverlegungen u. ä. stattfinden, tauchen neue Bruchstücke der Geschichte auf.

Marktplatz, Anno 710

Die Straße entlang des Flusses, die heute Skt. Nicolajgade heißt, war von etwa 705 bis 850 n. Chr. die Hauptstraße eines 65 m breiten und über 200 m langen Handelsplatzes. Die teilweise mit Bohlen belegte Straße war auf beiden Seiten umsäumt von 70-80 eingezäunten Parzellen, auf denen Handwerker und Händler ihre Buden aufgebaut hatten, vermutlich gegen Bezahlung einer Abgabe in irgendeiner Form.

Die Rekonstruktion im Ribe Vikinge Center umfasst also etwa ein Fünftel des ursprünglichen Marktplatzes. Aus der frühen Zeit des Marktplatzes sind keine Spuren dauerhafter Bauten erhalten, und man muss sich also vorstellen, dass er nur einen Teil des Jahres genutzt wurde. Die Händler übernachteten vermutlich auf ihren Schiffen, in kleinen provisorischen Hütten oder in Zelten.

Archäologen haben Werkstattabfälle von Arbeiten mit Textilien und Leder, Horn, Bein, Glas, Bernstein, Bronzeguss usw. gefunden. Auch wurden viele importierte Waren auf dem Marktplatz gefunden. Das gehören Scherben von Trinkgläsern, Wetzsteine, Mahlsteine, Walknochen, Bergkristall, Schmuck und Keramik. Überreste von Dung zeigen, dass mit Vieh gehandelt wurde.  Natürlich wurden auch vergängliche Produkte und Gegenstände aus Holz und Rinde, Pelzwaren, Brot, Mehl, Fisch, Salz angeboten.

Vermutlich hat man Waren und Dienstleistungen in großem Maßstab getauscht. Als Zahlungsmittel dienten aber auch Sceattas, kleine Silbermünzen. Aus dem Zeitraum von ihrem Auftauchen um 720 bis zum Ende ihrer Verwendung um 800 sind ca. 150 dieser Münzen über den Marktplatz verstreut gefunden worden. In den umliegenden Dörfern wurden Münzen dieses Typs nur an einer einzigen Stelle gefunden, was darauf hindeutet, dass sie eng mit dem Handel auf dem Marktplatz in Ribe verbunden waren.

Ripa Hafen, Anno 750

Noch gibt es keine Spuren eines Hafens in Ribe, unter anderem weil niemand den genauen Verlauf des Flusses Ribe Å in der Wikingerzeit kennt. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass irgendeine Form von Hafen bereits im 8. Jahrhundert existierte.

Die großen Mengen an importierten Gegenständen, die bei der Ausgrabung eines Handelszentrums am Fluss gefunden wurden, sind klare Anzeichen dafür, dass die Geschäfte vor allem nach Süden ausgerichtet waren. Im Ribe Vikinge Center wurde daher Ripa Hafen nach einem gut dokumentierten Hafen in der Wikingersiedlung Haithabu bei Schleswig rekonstruiert.

Der Hafen bestand hier aus einer Anzahl von Anlegestegen, die über viele Jahre aus- und zusammengebaut wurden. So war es auch für größere Schiffe möglich direkt am Handelsplatz anzudocken, obwohl sie tiefer im Wasser lagen.

Ansgar Kirche, Anno 860

Die Ausgrabungen der letzten Jahre rund um den Dom in Ribe, brachten neue Erkenntnisse über die Geschichte des frühen Christentums in Dänemark. Die Archäologen haben u.a. christliche Gräber aus dem 9. Jahrhundert gefunden, und Analysen stellen fest, dass es sich dabei um in Ripa und Umgebung aufgewachsene Menschen handelte. Das bedeutet, dass es schon christliche Dänen mindestens 100 Jahre früher gab, bevor Harald Blauzahn auf dem Runenstein in Jelling schrieb, dass er „die Dänen zu Christen gemacht hat“.

Die Wikinger in Ribe hatten enge Handelskontakte mit Dorestad in den heuten Niederlanden und den Gebieten entlang des Rheins, und daher kannten sich auch viele mit den Christen und dem Christentum aus.  Unter den ausländischen Händlern, die zu Ribe kamen, gab es zweifellos auch viele Christen, die gern ihren Glauben in einer Kirche mit Gleichgesinnten ausüben wollten. Einige Händler wollten gar nicht mit Heiden handeln, so dass es gute Gründe dafür gab, warum der dänische König Horik Mitte des 8. Jahrhunderts den christlichen Bischof und Missionar Ansgar erlaubte, Kirchen in den wichtigsten Handelsstädten zu bauen. Erst in Haithabu und ca. 10 Jahre später in Ribe.

Die meisten Menschen hielten am nordischen Götterglauben mit Odin und Thor fest. Archäologen schätzen jedoch anhand der Anzahl der christlichen Gräber, dass es in Ribe und im umliegenden Land eine christliche Gemeinde von bis zu mehreren tausend Mitglieder gegeben hat. Der Umfang des Friedhofs weist auch darauf hin, dass die Kirche in Ribe wahrscheinlich die Tauf- und Hauptkirche für eine sehr große ländliche Gegend war, vielleicht für ganz Jütland.

Die Überreste der Kirche, die Ansgar im Jahr 855 bauen durfte, liegt wahrscheinlich unter den heutigen Dom von Ribe. Zwar gibt es keine konkrete Spur der Kirche, aber es gibt ausreichende allgemeine Kenntnisse der Kirchenbauten aus dem 9. Jahrhundert, so dass das Ribe Vikinge Center in der Lage ist, eine Rekonstruktion der Ansgar-Kirche aus dem Jahr 860 zu bauen. Größe und Konstruktion der Kirche beruhen auf einem archäologischen Fund in Tostedt in der Nähe von Hamburg, wo Ansgar Bischof war. Die Ausschmückung der Kirche ist im typischen Stil jener Zeit.

Gutshof, Anno 980

Diese Hofanlage wurde in der Zeit von 1986 bis 1994 in Gl. Hviding ausgegraben und später im Ribe Vikinge Center rekonstruiert. Auf dem Gelände finden sich Bebauungsspuren von ca. 400 v. Chr. bis ca. 1150 n. Chr., und oft lässt sich nur schwer feststellen, welche Gebäude gleichzeitig existiert haben. Die Rekonstruktion spiegelt den momentanen Kenntnisstand der Archäologen wieder.

Das Leben auf dem großen Hof war hart für die einen und komfortabel für andere. Hier trifft man die Wikinger auf dem Hof, wo sie mit der Bewältigung der täglichen Aufgaben in dem großen Haushalt beschäftigt sind. Die Tiere, die Felder und der Kräutergarten müssen gepflegt werden, Holz muss gehackt werden, es muss gekocht, gesponnen, gefilzt und gewebt werden und vieles mehr.

Drinnen an der Feuerstelle hängen Würste am Haken über dem Feuer, daneben getrocknete Kräuter, feuchte Wolldecken, manchmal etwas Tang in einer Fischreuse an der Wand. Und vor allem hängt viel Rauch in der Luft.

Auf dem Wikingerhof gibt es eine ganze Reihe Tiere, die für die Landwirtschaft in der Wikingerzeit wichtig waren. Die Kühe versorgen die Familie mit Milch und Butter sowie mit Fleisch, Leder, Trinkhörnern, Knochen für Löffel. Die Milch der Schafe wird ebenfalls benutzt, und die Wikinger essen gerne ihr Fleisch. Am wichtigsten ist aber ihre Wolle, aus der Kleidung gemacht wird. Die Ochsen arbeiten als Zugtiere auf dem Feld, wogegen die Pferde bevorzugt als Reittiere dienten. Die Wikinger mögen sehr gerne Schweinefleisch und halten daher die alles fressende Tiere. Die Gänse liefern Daunen für Kissen und Federn für die Pfeile der Jäger, die Hühner versorgen den Hof mit Eiern und Fleisch.

Der Alltag der Wikingerfamilie vergeht im Wesentlichen mit der Beschaffung von Kleidung, Essen und Brennmaterial. Zu manchen Jahreszeiten ist die Nahrungsbeschaffung leicht, den Winter muss man aber vorausschauend vorbereiten. Man baut verschiedene Gemüse an, sammelt Wurzeln, Nüsse und Beeren. Dann muss alles getrocknet, eingelegt, gegärt oder anderweitig konserviert werden.

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